Wie der schwache US-Dollar Gold für Euro-Anleger attraktiver macht

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Dollar-Schwäche verbilligt Gold für Euro-Anleger. Warum Zentralbankkäufe und asiatische Nachfrage den Markt zusätzlich prägen.

Der schwache US-Dollar macht Gold in vielen Ländern günstiger – und beschert Euro-Anlegern eine bessere Performance als ihren amerikanischen Pendants. Doch Währungseffekte allein erklären die Goldpreisentwicklung nicht. Welche weiteren Faktoren den Markt derzeit bewegen und was das für Anleger bedeutet.

Die ersten fünf Monate des Jahres waren turbulent. Nach einer rasanten Rally und einem neuen Rekordhoch im Januar hat der Goldpreis spätestens seit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran deutlich korrigiert. Der Preis pro Unze ist seither um rund 1.000 US-Dollar gefallen. Dennoch weist der Goldpreis im laufenden Jahr in den wichtigsten Währungen noch immer ein Plus auf: In US-Dollar steht Gold noch rund 4 Prozent höher als zu Jahresbeginn, in Euro sogar um etwa 5 Prozent. 

Dass die Europäer stärker von der Goldpreisentwicklung profitieren, ist vor allem mit dem schwachen Dollar zu erklären. Weil der globale Goldhandel in US-Dollar vonstatten geht und der Dollar Kaufkraftverluste erlitt, konnten Anleger aus den Euro-Ländern das Edelmetall günstiger erwerben und freuen sich nun über die bessere Performance.


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Goldkäufer aus Polen, Brasilien und China profitieren am meisten

Dieser Währungseffekt auf den Goldpreis ist auch beim britischen Pfund, dem polnischen Zloty, Brasiliens Real oder dem chinesischen Yuan/Renminbi zu beobachten. Diese Währungen werteten im Verhältnis zum US-Dollar auf und profitierten so von einem niedrigeren Goldpreis in der Landeswährung. So beträgt der Goldpreisanstieg gegenüber dem Jahresbeginn in Zloty etwa 5 Prozent. 

Der brasilianische Real wertete im Frühjahr ebenfalls recht kräftig zum Dollar auf. Diese signifikante Stärkung des Real drückte den lokalen Goldpreis in Brasilien im ersten Quartal nach unten und kompensierte auf der anderen Seite den globalen Preisanstieg von Gold in dieser Phase fast vollständig. 

Auch China hat dank des schwachen Dollars profitiert, da die chinesische Regierung den Wechselkurs des Yuan zum Dollar festlegt und in jüngster Zeit stabil gehalten hat – obwohl sie aufgrund anhaltender wirtschaftlicher Probleme den Yuan eigentlich abwerten müsste. Da der Yuan so gegenüber dem schwächelnden US-Dollar Stärke zeigte, bremste dies den Preisanstieg des Edelmetalls im Inland fast vollständig aus. Nach Angaben des World Gold Council hat diese relative Erschwinglichkeit die chinesische Investmentnachfrage nach Barren und Münzen im ersten Vierteljahr massiv angekurbelt: Sie stieg um mehr als 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Immer mehr Chinesen nutzen Gold als Vermögensschutz.

Was den Goldpreis derzeit bewegt

Währungseffekte wirken also spürbar auf den Goldpreis, allerdings können parallele Entwicklungen den Preisdämpfungseffekt bremsen oder sogar verdrängen. Zwei gute Beispiele dafür sind die Goldnachfrage einiger Zentralbanken und die private Investmentnachfrage in Asien.

So erreichten im ersten Quartal 2026 die Nettokäufe der Zentralbanken mit 337 Tonnen einen neuen Rekordwert für ein erstes Quartal. Diese Käufe erfolgen häufig strategisch und weitgehend unabhängig vom Goldpreis. Vor allem Schwellenländer wie China, Indien oder die Türkei schichten ihre Reserven langfristig aus US-Dollar-Anleihen in Gold um, um unabhängiger von der US-Währung zu werden.

Eine hohe Goldnachfrage kommt derzeit auch von asiatischen Privatanlegern. Während westliche Investoren bei steigenden Preisen vermehrt zu Gewinnmitnahmen neigen, verzeichnen mit physischem unterlegte Gold-ETFs in Asien erhebliche Zuflüsse. Und in China und Indien bleibt auch das Interesse an Barren und Münzen hoch, um privates Vermögen gegen Inflation und geopolitische Risiken abzusichern.

Währungseffekte: Eher als Kaufgelegenheit denn als schneller Renditebringer geeignet

Kurzum: Anleger, die ihr Gold nicht in US-Dollar, sondern in ihrer Landeswährung kaufen, sollten nicht nur bewusst sein, dass Währungsschwankungen sowohl Chancen als auch Risiken bergen, die schwer kalkulierbar sind; es sollte auch klar sein, dass der Goldpreis auch von weiteren kursrelevanten Faktoren bestimmt werden kann. 

Grundsätzlich aber gilt für Anleger in der Euro-Zone: Ein fallender Dollarkurs kann Kursgewinne für bereits vorhandenes Gold schmälern, bietet aber gleichzeitig günstigere Nachkaufgelegenheiten. Ob diese auch genutzt werden, muss individuell entschieden werden.

Autor Önder Çiftçi ist CEO der Ophirum Group. 


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