Grundfähigkeit oder BU? Industriebeschäftigte stellen klassische Arbeitskraftabsicherung infrage

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Dirk von der Crone, CEO von Swiss Life Deutschland
Foto: Swiss Life Deutschland
Dirk von der Crone, CEO Swiss Life Deutschland

Laut einer aktuellen Studie von Swiss Life Deutschland, IGBCE und Chemie Rente ist die Grundfähigkeitsversicherung bei Industriebeschäftigten inzwischen genauso gefragt wie die klassische BU.

Das klassische Primat der Berufsunfähigkeitsversicherung gerät ins Wanken. Eine aktuelle Erhebung von Swiss Life Deutschland, der Industriegewerkschaft IGBCE und der Branchenlösung Chemie Rente zeigt: 31 Prozent der befragten Industriebeschäftigten halten die gezielte Absicherung von Grundfähigkeiten wie Sehen, Gehen oder Greifen für die attraktivste Form der Arbeitskraftabsicherung. Das sind ebenso viele wie die klassische Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).

In der Realität verfügen aber nur zwölf Prozent über einen Grundfähigkeitsschutz, während 40 Prozent eine BU besitzen. Für die Erhebung befragte das Meinungsforschungsinstitut YouGov zwischen dem 11. und 29. Juni 2026 insgesamt 1.153 Beschäftigte aus den Bereichen Chemie, Energie, Pharma, Bergbau, Umwelttechnik, Wasserwirtschaft, Papier, Keramik, Kunststoff, Kautschuk & Gummi, Leder, Glas und Entsorgung.

Besonders ausgeprägt ist die Präferenz für Grundfähigkeitsschutz im sogenannten White-Collar-Bereich – also in Verwaltung, Außendienst, Entwicklung oder Labor. Dort würde eine Mehrheit von 34 Prozent einer gezielten Grundfähigkeitsabsicherung den Vorzug gegenüber einer BU (29 Prozent) geben. Dass der Absicherungsbedarf insgesamt hoch ist, zeigt ein weiterer Befund: 72 Prozent der Befragten halten Vorsorge und Absicherung in der aktuellen Zeit des Wandels für wichtig. Nur fünf Prozent sehen keinen Bedarf.

„Die Studie zeigt, dass das Potenzial der Grundfähigkeitsversicherung im Industriesektor enorm ist“, sagt Dirk von der Crone, CEO Swiss Life Deutschland. „Als vergleichsweise junges Produkt ist sie zwar noch nicht so bekannt wie die Berufsunfähigkeitsversicherung, erfüllt jedoch auf breiter Basis konkrete Absicherungsbedürfnisse der Industriebeschäftigten.“

Wissens- und Vorsorgelücken bieten Beratungspotenzial

Zwischen dem geäußerten Sicherheitsbedürfnis und dem tatsächlichen Kenntnisstand über Absicherungsoptionen besteht eine erhebliche Diskrepanz. Mehr als die Hälfte aller Befragten (56 Prozent) fühlt sich nur teilweise oder schlecht über Möglichkeiten zur Arbeitskraftabsicherung informiert. 21 Prozent geben an, sich zu dem Thema informieren und eine passende Versicherung abschließen zu wollen. Übergreifend haben 54 Prozent der Befragten bereits eine Versicherung zum Schutz ihrer Arbeitskraft abgeschlossen.

Auffällig ist das generationelle Gefälle beim Informationsstand: Die unter 30-Jährigen der Generation Z sind mit Abstand die am besten informierte Altersgruppe. Dort fühlen sich 54 Prozent beim Thema Arbeitskraftabsicherung gut informiert. Bei den Millennials und der Generation X sind es jeweils 36 Prozent, bei den Baby-Boomern 39 Prozent.

„Die Diskrepanz zwischen den geäußerten Absicherungspräferenzen und der tatsächlichen Verbreitung von AKS-Lösungen sowie das lückenhafte Wissen um bestehende Absicherungsoptionen weisen auf die Wichtigkeit der persönlichen Finanzberatung hin – gerade in Zeiten steigender Unsicherheit und erhöhten Drucks am Arbeitsplatz“, sagt von der Crone.

Steigende Belastung: 44 Prozent spüren Folgen des Wandels

Die deutsche Wirtschaft ist aktuell unter massiven Anpassungsdruck. KI, demografische, wirtschaftliche Herausforderungen. Vor dem Hintergrund wollte die Swiss Life zudem wissen, welche Folgen die aktuellen Veränderungen für die Beschäftigten haben. Fakt scheint, dass der gegenwärtige Transformationsdruck auf die deutsche Industrie sich auch spürbar in der Verfassung der Belegschaften niederschlägt. 44 Prozent der Befragten geben an, im letzten Jahr physisch oder psychisch stärker belastet zu sein. Auf ein knappes Drittel (29 Prozent) trifft das zumindest teilweise zu. Als Hauptursachen nennen die Betroffenen zusätzliche Arbeit durch Kosteneinsparungs- und Effizienzprogramme (49 Prozent), Personalabbau oder nicht nachbesetzte Stellen (48 Prozent) sowie häufige Umstrukturierungen und kurzfristige Prozessänderungen (40 Prozent).

Für die Zukunft rechnet mehr als jeder Zweite (54 Prozent) mit weiter steigenden Anforderungen an die persönliche Flexibilität und Belastbarkeit, ein Drittel (33 Prozent) erwartet zumindest teilweise steigende Anforderungen. Trotz der angespannten Lage überwiegt bei vielen Beschäftigten der Pragmatismus: Fast jeder Zweite (45 Prozent) blickt mit Blick auf den eigenen Arbeitsplatz für die kommenden fünf Jahre optimistisch in die Zukunft.

„Die Arbeitsverdichtung steigt und steigt, genauso wie der Veränderungsdruck und das eigene Stresslevel: Die Belastung am Arbeitsplatz hat für die Mehrheit der Industriebeschäftigten weiter zugenommen“, sagt IGBCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis. „Wirtschaft und Politik sollten das als Weckruf aus der Mitte der industriellen Realität verstehen.“

Generation Z leidet überdurchschnittlich und fürchtet KI-Konkurrenz

Besonders die jüngste Beschäftigtengeneration fühlt sich durch den industriellen Wandel belastet: Rund sechs von zehn Gen-Z-Befragten (59 Prozent) stimmen der Aussage zu, dass der aktuelle Wandel in der Branche ihre psychische oder physische Belastung spürbar erhöht hat. Bei den Millennials und der Generation X sind es 38 beziehungsweise 41 Prozent.

Hinzu kommt die Sorge vor KI-bedingtem Jobverlust: Übergreifend befürchten 25 Prozent der Befragten, in den nächsten zehn Jahren durch KI-Automatisierung ersetzt zu werden. Unter den unter 30-Jährigen liegt dieser Anteil mit 37 Prozent deutlich höher. Bei der Generation X (Jahrgänge 1965 bis 1980) sehen nur 17 Prozent ein hohes oder sehr hohes KI-Risiko für ihre Tätigkeit.

„Rationalisierung durch KI kann und darf nicht einfach Beschäftigungsabbau bedeuten. Nur weil KI eine Aufgabe schneller erledigt, heißt das nicht: Die Leute sind raus. Im Gegenteil: Aus unserer Sicht werden der Mensch und das, was er kann, kostbarer. Deshalb müssen wir ihn stärker in die Lage versetzen, das zu tun, was nur der Mensch kann – und was sinnvollerweise nur der Mensch tun sollte“, sagt Vassiliadis.


Top-Ergebnisse bei Markt-Mediastudien


Weitere Artikel

Das könnte Sie auch interessieren:

Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen