Grundsicherung im Alter erreicht einen neuen Höchststand: Ende Dezember 2025 bezogen bundesweit 764.065 Menschen im Rentenalter diese Leistung. Das teilte das Statistische Bundesamt am 26. März 2026 mit. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 3,4 Prozent. Besonders betroffen ist Nordrhein-Westfalen: Dort stieg die Quote laut dem Statistischen Landesamt IT.NRW bis Ende 2025 auf 5,4 Prozent. Mehr als jeder zwanzigste Rentner im bevölkerungsreichsten Bundesland war damit auf die Leistung angewiesen.
In Nordrhein-Westfalen erhielten 201.940 Menschen im Rentenalter diese Leistung - ein Zuwachs von 3,0 Prozent gegenüber Ende 2024. Bis Juni 2026 wuchs die Zahl weiter auf 203.890 Personen an. Dabei waren Frauen mit einem Anteil von 5,6 Prozent stärker betroffen als Männer, bei denen die Quote bei 5,2 Prozent lag.
Rechnet man die Empfänger von Grundsicherung bei Erwerbsminderung hinzu, ergibt sich laut Statistischem Bundesamt für Ende 2025 eine Gesamtzahl von rund 1,28 Millionen Leistungsberechtigten - gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 1,8 Prozent. Bei den ausländischen Berechtigten kletterte die Zahl um 5,7 Prozent auf 346.670 Personen, darunter 109.290 geflüchtete Menschen aus der Ukraine, was einem Plus von 9,9 Prozent entspricht.
Grundsicherung im Alter: Großstädte deutlich stärker betroffen
Innerhalb Nordrhein-Westfalens schwankt die Quote stark. In Düsseldorf und Köln benötigte Ende 2025 mehr als jeder zehnte Rentner die Leistung, in Dortmund waren es 9,1 Prozent, in Aachen 8,4 Prozent und in Essen 8,3 Prozent. Den niedrigsten Wert im Land meldet dagegen der ländliche Kreis Olpe mit 2,5 Prozent.
| Region | Anteil Rentner mit Grundsicherungsbezug |
|---|---|
| Düsseldorf | 10,5 Prozent |
| Köln | 10,5 Prozent |
| Dortmund | 9,1 Prozent |
| Aachen | 8,4 Prozent |
| Essen | 8,3 Prozent |
| NRW gesamt | 5,4 Prozent |
| Bundesdurchschnitt | 4,3 Prozent |
| Kreis Olpe | 2,5 Prozent |
Auch bundesweit zeigt sich dieses Muster. Der Deutschlandatlas der Bundesregierung beziffert die Quote für 2025 auf rund vier Prozent. In Hamburg liegt sie bei über neun Prozent, in Thüringen dagegen nur knapp über einem Prozent. Laut diesen Angaben haben sich die Quoten in Berlin und Hamburg seit 2009 jeweils verdoppelt.
Der Trend beschränkt sich allerdings nicht auf Großstädte und den Westen der Republik. Wie aus einer Anfrage der BSW-Landtagsfraktion hervorgeht, über die die „Berliner Zeitung“ berichtete, stieg die Zahl der Betroffenen in Sachsen-Anhalt bis Juni 2026 auf 11.885 Personen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Plus von 690 Fällen - und damit einen stärkeren Zuwachs als im Bundesdurchschnitt.
Warum das Gefälle bei der Grundsicherung im Alter so groß ist
Als wichtiger Grund für die regionalen Unterschiede gelten die Wohnkosten. In Ballungsräumen wie Düsseldorf, Köln oder Hamburg liegen sie deutlich über dem Niveau ländlicher Kreise. Entsprechend häufiger reicht dort das Alterseinkommen nicht aus.
Ausgaben der Länder steigen deutlich
Parallel zur steigenden Empfängerzahl wachsen auch die Ausgaben der öffentlichen Hand. Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales erhöhten sich die Nettoausgaben der Länder für Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung zwischen 2017 und 2025 von 6,34 Milliarden Euro auf 11,81 Milliarden Euro. Unter den Bundesländern verzeichnete Nordrhein-Westfalen 2025 mit 2,98 Milliarden Euro die bundesweit höchsten Ausgaben, gefolgt von Bayern mit 1,37 Milliarden Euro und Baden-Württemberg mit 1,16 Milliarden Euro.
| Jahr | Nettoausgaben der Länder |
|---|---|
| 2017 | 6,34 Milliarden Euro |
| 2025 | 11,81 Milliarden Euro |
Was die Zahlen für die Beratung bedeuten
Für Finanzberater, Versicherungsvermittler und Vermögensverwalter zeigen die Daten, wie unterschiedlich groß die Vorsorgelücke je nach Wohnort ausfällt. Wer Mandanten in teuren Großstädten betreut, sollte ergänzende Altersvorsorge deshalb gezielt ansprechen - etwa die betriebliche Altersversorgung, private Rentenversicherungen oder selbst genutztes Wohneigentum.
Die amtliche Statistik zur Grundsicherung im Alter bildet dabei nur jene Rentner ab, die ihren Anspruch tatsächlich geltend gemacht haben. Laut IT.NRW gibt es daneben eine unbekannte Anzahl Anspruchsberechtigter, die keinen entsprechenden Antrag einreichen - man spricht hier von verdeckter Armut. Die reale Bedürftigkeit dürfte somit über den offiziell erfassten Empfängerzahlen liegen.














