Hagelsaison: Wie Sie Auto, Haus und Finanzen jetzt richtig absichern

Dach mit Hagelschaden
Foto: stock.adobe.com/DesignGallery
Hagelsaison in Deutschland: Schutzmaßnahmen für Auto und Haus, Versicherungstipps und Verhaltensregeln im Schadensfall.

Zwischen Mai und August steigt in Deutschland das Hagelrisiko erheblich. Schon kleine Körner können Fahrzeuge und Gebäude massiv beschädigen. Was vorbeugend hilft, welche Versicherungen greifen und worauf Betroffene im Schadensfall unbedingt achten sollten.

Mit den Sommermonaten beginnt in Deutschland die Hagelsaison. Zwischen Mai und August besteht erhöhte Gefahr – besonders in bestimmten Regionen wie dem Schwarzwald, dem bayerischen Voralpenland und Teilen Hessens. Schon Hagelkörner ab etwa zwei bis drei Zentimetern Durchmesser können, abhängig von Fallgeschwindigkeit und Windstärke, erhebliche Schäden an Fahrzeugkarosserien, Scheiben und Gebäuden verursachen. Während Autos häufig mit Dellen und gesplitterten Scheiben davonkommen, trifft es an Gebäuden vor allem Dächer, Fassaden, Rollläden und Solarpanele.


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Wer sein Fahrzeug zu Hause abstellt, ist in einer Garage oder unter einem Carport am besten aufgehoben. Wer unterwegs von einem Hagelschauer überrascht wird, sollte laut Peter Schnitzler, Kfz-Experte bei Ergo, die Geschwindigkeit reduzieren und nach Schutz suchen – unter einer Brücke, einem Vordach oder in einer öffentlichen Garage. Ist das nicht möglich, empfiehlt er, anzuhalten und auf dem Rücksitz Platz zu nehmen. Der Grund: Durch den Einfallswinkel sind Windschutzscheibe und Glasschiebedach deutlich anfälliger als die Heckscheibe.

Zieht ein Unwetter auf, gilt für Gebäude: Türen, Fenster und Dachfenster schließen, Markisen einfahren. Bei angekündigtem starkem Hagel sollten die Rollläden besser oben bleiben – größere Körner können sie schnell beschädigen. Gartenmöbel und -geräte sollten rechtzeitig untergestellt werden. Während des Hagels ist Abstand von Fenstern ratsam, um sich vor möglichen Glassplittern zu schützen.

Langfristige Vorsorge zahlt sich aus

Über den Moment hinaus lohnt vorausschauendes Handeln. Regenrinnen sollten regelmäßig freigehalten werden, damit das Schmelzwasser der Hagelkörner ungehindert abfließen kann. Auch eine regelmäßige Dachinspektionen ist sinnvoll, um lockere oder gebrochene Ziegel frühzeitig zu ersetzen und undichte Stellen zu schließen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen Solarpanele: Schon Körner ab zwei Zentimetern können die kostspielige Technik beschädigen. Wer neue Module anschafft, sollte auf die Hagelwiderstandsklasse achten.

Wer saniert, sollte grundsätzlich auf robuste Materialien setzen: hagelresistente Dachziegel, Dachfenster mit Sicherheits- oder Verbundsicherheitsglas sowie stabile Rollläden. Das reduziert nicht nur das Schadensrisiko, sondern häufig auch den Aufwand im Ernstfall erheblich.

Tritt dennoch ein Schaden ein, gilt: schnell melden und gründlich dokumentieren. Janna Poll, Versicherungsexpertin bei Ergo, rät: „Dokumentieren Sie großzügig. Ein Foto der Hagelkörner neben einem Zollstock hilft der Versicherung enorm, die Intensität des Ereignisses einzuschätzen und die Regulierung zu beschleunigen.“ Provisorische Schutzmaßnahmen – etwa eine Plane über ein beschädigtes Dach – sind erlaubt und sinnvoll. Für größere Reparaturen sollte jedoch vorab Rücksprache mit der Versicherung gehalten werden.

Welche Versicherungen bei Hagelschäden greifen

Für Fahrzeugschäden durch Hagel ist die Teilkaskoversicherung zuständig – sie übernimmt unter anderem zerbrochene Windschutzscheiben und verbeulte Karosserien. Peter Schnitzler weist auf einen oft übersehenen Vorteil hin: „Eine Vollkaskoversicherung enthält automatisch eine Teilkasko, die ohne Schadenfreiheitsklassen auskommt. Daher gibt es auch keine Rückstufung in eine teurere Klasse.“ Wer hingegen nur eine Kfz-Haftpflicht hat, trägt die Kosten selbst.

Schäden am Gebäude fallen in den Bereich der Wohngebäudeversicherung. Poll empfiehlt, den bestehenden Schutz zu überprüfen, insbesondere wenn nachträglich Wintergärten oder Photovoltaikanlagen hinzugekommen sind: „Hier ist ein Update sinnvoll, falls zum Beispiel Wintergärten oder PV-Anlagen nachträglich hinzukamen.“ Hagel zieht häufig Folgeschäden nach sich, die teurer werden als der ursprüngliche Schaden – ein ausreichender Versicherungsschutz ist daher kein optionales Extra.

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