Elementarschäden: Wie ein Gesamtkonzept Naturgefahren besser absichern könnte

Foto: Deutsche Aktuarsvereinigung
Matthias Land

Naturgefahren nehmen zu und stellen Versicherer wie Politik vor neue Herausforderungen. Eine Pflichtversicherung für Elementarschäden wird intensiver diskutiert. Doch die Debatte zeigt, dass es ohne ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren nicht gehen wir.

Die Absicherung von Elementarschäden gewinnt spürbar an Bedeutung. Auf einer Plenary Session der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) am 30. April 2026 tauschen sich Fachleute aus Wissenschaft und Versicherungswirtschaft über mögliche Wege aus, den Versicherungsschutz angesichts zunehmender Naturgefahren neu zu ordnen.

Im Zentrum steht die Frage, ob eine Pflichtversicherung ein tragfähiger Ansatz sein kann. „Eine nachhaltige Absicherung gegen Elementarschäden erfordert wirksame Prävention, Eigenvorsorge und eine klar definierte staatliche Unterstützung als ergänzenden Bestandteil im bestehenden Versicherungssystem“, betont Dr. Matthias Land, Vorsitzender des Ausschusses Schadenversicherung und Vorstand der DAV.

Der Hintergrund ist klar: Naturereignisse treten häufiger auf und verursachen höhere Schäden. Mit der Erderwärmung wächst die Unsicherheit für Versicherer wie Versicherte. Gleichzeitig steigt die Versicherungsquote. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sind 2024 rund 57 Prozent der Wohngebäude gegen Elementarschäden abgesichert.

Pflichtversicherung allein greift zu kurz

Trotz dieser Entwicklung bleibt die Frage offen, ob der bestehende Schutz ausreicht. Bund und Länder diskutieren über eine Pflichtversicherung, konkrete Modelle liegen jedoch noch nicht vor. Ein zentrales Problem liegt im sogenannten Kumulrisiko. „Der Kumulcharakter des Schadenrisikos zählt zu den zentralen Herausforderungen in der Absicherung von Elementarschäden“, erklärt Land. Ein einzelnes Ereignis können viele Versicherte gleichzeitig treffen und hohe Schäden verursachen, so der Aktuar.


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Vor diesem Hintergrund rücken risikodifferenzierte Prämien stärker in den Fokus. „Auch im Rahmen einer möglichen Pflichtversicherung für Elementarschäden sind regional differenzierte, risikogerechte Prämien entscheidend, da sie die tatsächlichen Gefährdungslagen der Gebäude widerspiegeln, Anreize für Prävention und Eigenverantwortung setzen und langfristig die Finanzierbarkeit des Systems sichern“, sagt Land.

Mehr Fokus auf Prävention und Steuerung

In der Diskussion zeigt sich schnell, dass Versicherungsschutz allein nicht ausreicht. Prävention wird zu einem entscheidenden Hebel, um Schäden zu begrenzen. Dazu gehören Investitionen in Infrastruktur wie Deiche und Abwassersysteme ebenso wie der Ausbau von Warn- und Informationssystemen.

Auch die Baupolitik spielt eine Rolle. Wer in risikoreichen Gebieten baut, erhöht langfristig die Schadenslast. Entsprechend geht es auch um klare Vorgaben für die Nutzung solcher Flächen. Auf Gebäudeebene können technische Maßnahmen zusätzlichen Schutz bieten. „Ohne stärkere Prävention und Anpassung drohen künftig häufiger hohe Verluste und eine steigende Belastung für betroffene Haushalte, Versicherungen und den Staat“, so Land.

Staat als Rückversicherer im Hintergrund

Neben Prävention und Versicherung rückt die Rolle des Staates in den Blick. Für extreme Schadenlagen braucht es einen stabilen Rahmen. Hier kann der Staat das bestehende Rückversicherungssystem ergänzen. „Die staatliche Rückversicherung sollte erst greifen, wenn es um die Versicherbarkeit extrem exponierter Wohngebäude geht oder der Schaden im Extremfall einen definierten Schwellenwert überschreitet“, fordert Land. Internationale Modelle zeigen, wie solche Partnerschaften ausgestaltet sein können.

Gleichzeitig werden Instrumente diskutiert, die Eigenverantwortung stärken und die Systeme finanzierbar halten sollen. Dazu zählen höhere Selbstbehalte oder angepasste Deckungssummen in besonders gefährdeten Regionen.

„Wenn wir die Versicherungsdurchdringung bei Elementarschäden erhöhen wollen, müssen wir auch über die Finanzierung sprechen. Denn die verpflichtende Absicherung bisher unversicherter Risiken würde zu höheren durchschnittlichen Beiträgen führen“, erläutert Land. „Wir brauchen ein nationales Gesamtkonzept, das Prävention, Eigenvorsorge, privaten Versicherungsschutz und staatliche Absicherung sinnvoll verbindet.“

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