Swiss Re beziffert die versicherten Schäden aus dem Hagelsturm, der die Schweiz am 28. August 2026 traf. Die Kosten liegen laut dem Rückversicherer bei über 1,7 Milliarden Franken, umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro. Die Zahl nannte der Konzern auf einer Pressekonferenz in Baden-Baden, die im Vorfeld des dortigen Rückversicherertreffens stattfand. Bei dem Unwetter erlitten mehr als 100.000 Fahrzeuge Schäden.
Besonders stark erfasst wurden die Kantone Bern, Solothurn, Aargau, Zürich und Thurgau. Vom Jurabogen aus bewegte sich die Gewitterzelle über das Mittelland hinweg bis in die Ostschweiz, wobei Hagelkörner dabei lokal bis zu fünf Zentimeter Durchmesser erreichten. Leopold Camara, der bei Swiss Re die Rückversicherung für Nord-, Zentral- und Osteuropa leitet, ordnet das regional ein: „Das gleiche Ereignis über Zürich hätte wohl noch einen viel grösseren Verlust verursacht.“
SVV und Swiss Re kommen zu unterschiedlichen Summen
Die Schätzung von Swiss Re liegt deutlich höher als die Zahl des Schweizerischen Versicherungsverbands (SVV). Der Verband hatte die privatversicherten Schäden bereits am 17. September 2026 auf knapp eine Milliarde Franken taxiert. Gebäudeschäden der kantonalen Monopol-Gebäudeversicherer sind darin allerdings nicht enthalten. Erst deren Berücksichtigung dürfte die Differenz erklären. Die Summen für dasselbe Ereignis weichen damit je nach Quelle spürbar voneinander ab.
Beim bisherigen Höchstwert sind die Angaben dagegen eindeutig: Die Schadensumme vom 28. August 2026 liegt rund doppelt so hoch wie beim Rekord-Hagelereignis vom 25. August 2023 im Tessin.
Fahrzeugschäden treiben die Bilanz
Den größten Anteil tragen die Motorfahrzeuge. Nach SVV-Angaben entfallen mehr als 80 Prozent der versicherten Schadensumme auf diese Sparte. Swiss Re taxiert die Schäden an Motorfahrzeugen auf rund 800 Millionen Franken.
| Angabe | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Versicherte Schäden insgesamt | über 1,7 Milliarden Franken | Swiss Re, 13. Oktober 2026 |
| Privatversicherte Schäden ohne Gebäudemonopole | knapp 1 Milliarde Franken | SVV, 17. September 2026 |
| Schäden an Motorfahrzeugen | rund 800 Millionen Franken | Swiss Re |
| Zahl der beschädigten Fahrzeuge | über 100.000 | SVV |
Swiss Re warnt vor wachsenden Waldbrandschäden in Europa
Neben dem Hagelschaden rückte in Baden-Baden ein zweites Extremwetterthema in den Vordergrund: die Waldbrände in Europa. Laut Swiss Re steigen die inflationsbereinigten Waldbrandschäden in Europa seit Jahrzehnten jährlich um acht bis elf Prozent. Diese Zahl hatte der Rückversicherer bereits am 7. September 2026 beim Branchentreffen in Monte Carlo genannt und nun in Baden-Baden wiederholt.
Nikhil da Victoria Lobo, der bei Swiss Re den Bereich Rückversicherung für West- und Südeuropa, den Mittleren Osten und Afrika verantwortet, verweist dabei auf Frankreich. Dort hätten Brände in den vergangenen 20 Jahren niemals derart ausgedehnte Flächen erfasst wie im Jahr 2026.
Laut Daten des EU-Waldbrandinformationssystems EFFIS verzeichnete Spanien bis zum 10. August 2026 über 244.000 Hektar von Feuern betroffene Fläche. EU-weit erfasste EFFIS bis zum 22. Juli 2026 rund 254.388 Hektar. Im Rekordjahr 2025 brannten dagegen etwa 1,08 Millionen Hektar, der langjährige Schnitt liegt bei rund 500.000 Hektar.
Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt
Laut Swiss Re Institute erwärmt sich Europa rund doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Zugleich verfügen nur etwa 20 Prozent der europäischen Haushalte über eine Klimaanlage. In Nordamerika sind es 76 Prozent.
Weltweite Schäden: ruhiges Halbjahr, unsicheres Gesamtjahr
Den Schweizer Zahlen steht eine moderate erste Jahreshälfte auf globaler Ebene gegenüber. Die weltweiten versicherten Naturkatastrophenschäden lagen im ersten Halbjahr 2026 laut einer Schätzung des Swiss Re Institute bei rund 42 Milliarden US-Dollar. Das ist der niedrigste Halbjahreswert seit 2020 und liegt deutlich unter dem langjährigen Trendwert von 66 Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 nennt Swiss Re aktuell rund 148 Milliarden US-Dollar, in einem Extremszenario bis zu rund 320 Milliarden US-Dollar.
Hinzu kommen die Waldbrände des Sommers 2026 in Frankreich, Spanien und Griechenland. Eine vorläufige Schätzung von AccuWeather, auf die sich auch das Swiss Re Institute bezieht, beziffert den Gesamtschaden auf bis zu 19,1 Milliarden Euro, umgerechnet rund 22 Milliarden US-Dollar. Die Zahl bezieht sich auf den wirtschaftlichen Verlust, nicht allein auf versicherte Schäden.
Elementarschäden in der Schweiz: Solidarität und einheitliche Prämien
Die Elementarschadenversicherung in der Schweiz beruht laut SVV auf landesweiter Solidarität. Für alle Versicherer gelten einheitliche, verbindliche Prämien, die regelmäßig risikogerecht angepasst werden. In mehreren Kantonen kommen zusätzlich Monopol-Gebäudeversicherer hinzu. Deshalb laufen Schadenschätzungen je nach Institution auseinander.
Treibt der Klimawandel die Schäden - oder der Wohlstand?
Zu den Ursachen steigender Schäden äußert sich der Ökonom Eduard Held im Interview mit dem SVV. Versicherte Schäden seien ein denkbar schlechtes Maß, um mögliche Auswirkungen des Klimawandels zu quantifizieren, gibt er zu bedenken. Als Haupttreiber nennt er stattdessen den wachsenden Wohlstand: höhere Vermögenswerte, eine stärkere Versicherungsdurchdringung und eine verletzlichere Infrastruktur. Eine objektive Zunahme der Wetterereignisse selbst sei dafür nicht zwingend nötig.
Was das Treffen in Baden-Baden für die Vertragserneuerung bedeutet
Die Medienkonferenz von Swiss Re mit Camara, da Victoria Lobo und Kaspar Mueller fand im Vorfeld des Rückversicherer-Branchentreffens statt, das vom 18. bis 22. Oktober 2026 in Baden-Baden lief. Dort verhandelt die Branche jährlich die Konditionen für die Vertragserneuerungen zum Jahreswechsel. Für Vermittler und Makler ist dabei vor allem die Dimension der Fahrzeugschäden relevant: über 100.000 beschädigte Fahrzeuge und rund 800 Millionen Franken allein bei Motorfahrzeugen.













