Glück gehabt: Naturgefahren kosteten Versicherer im ersten Halbjahr 2026 nur 950 Millionen Euro

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Jörg Asmussen, GDV, Hauptgeschäftsführer
Foto: GDV
Jörg Asmussen, GDV-Hauptgeschäftsführer: "Die geringen Schäden im ersten Halbjahr waren schlicht Glück."

Im ersten Halbjahr 2026 blieben die versicherten Naturgefahrenschäden in Deutschland mit 950 Millionen Euro deutlich unter dem langjährigen Mittel. Vor allem weil größere Winterstürme ausblieben. Doch der GDV warnt: Der Klimawandel schreitet voran, und der Blick auf die Langzeitdaten zeigt, wohin die Reise geht.

Die versicherten Schäden durch Naturgefahren sind im ersten Halbjahr 2026 vergleichsweise niedrig ausgefallen. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) summierten sich die Schäden auf rund 950 Millionen Euro – ein Wert, der in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass größere Winterstürme ausblieben. GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen ordnet die Zahlen ein: „950 Millionen Euro Naturgefahrenschäden sind für ein erstes Halbjahr vergleichsweise wenig. Vor allem größere Winterstürme sind ausgeblieben.“


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Auf Sturm und Hagel entfielen rund 400 Millionen Euro versicherte Sachschäden. Weitere Elementargefahren wie Starkregen und Überschwemmung verursachten Schäden von rund 200 Millionen Euro – doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. In der Kraftfahrtversicherung belief sich der Schadenaufwand durch Naturgefahren auf rund 350 Millionen Euro. Insgesamt entspricht die Halbjahresbilanz damit dem Niveau des ersten Halbjahres 2025, als ebenfalls Schäden von rund 950 Millionen Euro registriert wurden – allerdings mit einer anderen Verteilung: Damals entfielen 500 Millionen Euro auf Sturm und Hagel und 100 Millionen Euro auf weitere Elementargefahren in der Sachversicherung.

Klimawandel treibt Elementarschäden langfristig nach oben

Trotz der vergleichsweise ruhigen Schadenbilanz warnt Asmussen vor Selbstzufriedenheit: „Auch dieser Hitzesommer mit Temperaturrekord zeigt, dass der Klimawandel weiter voranschreitet. Einzelne Unwetter können jederzeit hohe Schäden verursachen. Die geringen Schäden im ersten Halbjahr waren schlicht Glück.“ Der Langzeittrend bestätigt diese Einschätzung: Die Elementarschäden in der Sachversicherung sind im Zehnjahresmittel von rund 1,4 Milliarden Euro (2000 bis 2009) auf rund 2,4 Milliarden Euro (2016 bis 2025) gestiegen.

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der GDV bei einem durchschnittlichen zweiten Halbjahr mit Sturm- und Hagelschäden – einschließlich der landwirtschaftlichen Pflanzenversicherung – von rund zwei Milliarden Euro. Zum Vergleich: In einem statistisch durchschnittlichen Jahr wären auf Basis des heutigen Versicherungsbestands und Preisniveaus Schäden von rund 3,1 Milliarden Euro zu erwarten. Bei Elementargefahren prognostiziert der GDV für 2026 Schäden von rund einer Milliarde Euro, während der langjährige Durchschnittswert bei rund 1,8 Milliarden Euro liegt.

In der Kraftfahrtversicherung erwartet der Verband für das Gesamtjahr rund 300.000 Schadenfälle durch Naturgefahren sowie einen Schadenaufwand von 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro. Die Prognose für das zweite Halbjahr fällt leicht überdurchschnittlich aus, weil im Juli mehr Schäden als üblich angefallen sind.

GDV fordert Naturgefahren-Gesamtkonzept mit Opt-out-Lösung

Die Versicherungswirtschaft drängt auf ein strukturiertes Naturgefahren-Gesamtkonzept, das auf drei Säulen ruht: einem flächendeckenden, aber freiwilligen Versicherungsschutz mit Opt-out-Regelung, verbindlichen Vorgaben für Prävention und Klimafolgenanpassung sowie einer öffentlich-privaten Partnerschaft für Extremrisiken. Konkret fordert der GDV rechtliche Anforderungen für risikobewusstes Planen und Bauen, einen Baustopp in Überschwemmungsgebieten, einen bundesweiten Naturgefahrenausweis, die gezielte Entsiegelung von Flächen sowie eine Klima-Gefährdungsbeurteilung als Bestandteil von Baugenehmigungsverfahren.


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