Platinmarkt dreht 2026 ins Plus – doch die Reserven bleiben knapp

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Platinbarren
Foto: stock.adobe.com/Maksym Yemelyanov
Der Platinmarkt steuert 2026 auf einen Überschuss zu. Reserven bleiben knapp, während KI die Industrienachfrage stärkt.

Nach drei Jahren mit hohen Defiziten dürfte der Platinmarkt 2026 einen Überschuss erreichen. Entspannung bringt das jedoch kaum: Die oberirdischen Bestände bleiben niedrig, während KI-Anwendungen die industrielle Nachfrage antreiben. Entscheidend wird nun das Verhalten der Investoren.

Trevor Raymond, CEO des World Platinum Investment Council: „Der Wechsel zu einem prognostizierten Platinmarktüberschuss im Jahr 2026 ist überwiegend auf Investitionsabflüsse in der ersten Jahreshälfte zurückzuführen, die vor dem Hintergrund der gestiegenen makroökonomischen und geopolitischen Unsicherheit erfolgten. Der geringfügige prognostizierte Überschuss folgt auf drei aufeinanderfolgende Jahre mit einem erheblichen Defizit und trägt kaum dazu bei, die Abhängigkeit des Platinmarktes von den außergewöhnlich knappen und zunehmend illiquiden oberirdischen Beständen zu verringern. Dies geschieht zu einer Zeit, in der die strategische Bedeutung von Platin, insbesondere seine zunehmende Verwendung in der KI- und Rechenzentrumsinfrastruktur, weiter wächst. Wir gehen davon aus, dass sich Platin weiterhin im Einklang mit der allgemeinen Stimmung gegenüber Edelmetallen entwickeln wird, was ein Aufwärtspotenzial für die Nachfrage nach Platininvestitionen im weiteren Verlauf des Jahres bedeuten könnte, insbesondere, wenn Zinserhöhungen ausbleiben oder niedriger als erwartet ausfallen.“

·       Prognostizierter Platinmarktüberschuss von 265 koz für das Gesamtjahr 2026 spiegelt Investitionsabflüsse im 1. Halbjahr 2026 wider, die mit erhöhter geopolitischer und makroökonomischer Unsicherheit verbunden sind.  

·       Netto-Desinvestition von 83 koz ist für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert. 

·       Ein Rückgang der Schmucknachfrage um 15 % wird erwartet, da höhere Preise und ein schwacher Binnenkonsum den Markt in China belasten. 

·       Prognostiziertes Wachstum der Industrienachfrage von 5 % für das Gesamtjahr 2026 gleicht einen Rückgang der Automobilnachfrage um 4 % aus. 

·       Das auf über 1,4 Mio. Unzen revidierte Defizit für 2025 verringert die oberirdischen Bestände weiter – selbst mit dem prognostizierten Überschuss werden sie bis Ende 2026 nur noch für 3,4 Monate zur Deckung der weltweiten Nachfrage ausreichen. 


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Der World Platinum Investment Council – WPIC® – veröffentlicht heute sein Platinum Quarterly für das zweite Quartal 2026 mit einer aktualisierten Prognose für das Gesamtjahr 2026. 

Im 2. Quartal 2026 verzeichnete der Platinmarkt im zweiten Quartal in Folge einen Überschuss von 244 koz. Das Gesamtangebot blieb im Jahresvergleich mit 1.906 koz (+1 %) weitgehend stabil, während die Gesamtnachfrage im Jahresvergleich um 16 % (−308 koz) auf 1.663 koz zurückging. Abflüsse aus börsengehandelten Fonds (ETFs) in Höhe von 234 koz, die zu einer Netto-Desinvestition von 121 koz führten, waren der größte Einzelfaktor für den Quartalsüberschuss. Das Wachstum der Industrienachfrage um 6 % im Jahresvergleich (+33 koz) auf 600 koz konnte unterdessen die schwächer als erwartete Schmucknachfrage mit einem Rückgang um 32 % im Jahresvergleich (−215 koz) auf 456 koz sowie die geringere Automobilnachfrage von 729 koz (−6 %, –49 koz) im Jahresvergleich nicht ausgleichen. 

Für das Gesamtjahr 2026 wird ein Platinmarktüberschuss von 265 koz prognostiziert, da sich die Abflüsse aus ETFs umkehren und den Überschuss von 548 koz aus der ersten Jahreshälfte teilweise ausgleichen. Das Gesamtangebot wird voraussichtlich aufgrund des Wachstums im Recyclingbereich im Jahresvergleich um 2 % (+123 koz) auf 7.353 koz steigen. Die Gesamtnachfrage wird voraussichtlich um 18 % (−1.582 koz) im Jahresvergleich auf 7.089 koz sinken, was hauptsächlich auf eine deutlich geringere Investitionsnachfrage im Vergleich zum Vorjahr zurückzuführen ist. 

Die Auswirkung des erwarteten geringfügigen Überschusses im Jahr 2026 auf die oberirdischen Bestände (AGS) wird durch eine Anpassung für das Vorjahr gemildert, wodurch sich das geschätzte Defizit für 2025 auf 1.440 koz (+249 koz gegenüber unserer vorherigen Schätzung) erhöhte. Prognosen zufolge werden die AGS im Jahr 2026 auf 2.010 koz bis zum Jahresende ansteigen, was einer Deckung der weltweiten Nachfrage für etwas mehr als 3,4 Monate entspricht.

Recycling liefert das gesamte für 2026 prognostizierte Wachstum des Platin-Gesamtangebots von 2 %

Im 2. Quartal 2026 sank das Minen-Gesamtangebot im Jahresvergleich um 2 % (−26 koz) auf 1.441 koz. Das Recyclingaufkommen stieg im Jahresvergleich um 9 % auf 466 koz (+37 koz), wobei ein höheres Recyclingaufkommen bei Autokatalysatoren und in der Industrie den starken Rückgang bei Altplatin mehr als ausglich. 

Im Gesamtjahr 2026 wird mit einem im Vergleich zum Vorjahr weitgehend unveränderten Minenangebot von 5.551 koz gerechnet, da moderate Zuwächse in Südafrika durch Rückgänge in anderen Regionen ausgeglichen werden. Das Recyclingaufkommen wird voraussichtlich im Jahresvergleich um 8 % (+133 koz) auf 1.802 koz steigen und sich nach einem starken, preisbedingten Jahresauftakt in der zweiten Jahreshälfte 2026 abschwächen. 

Die Automobilnachfrage zeigt sich widerstandsfähig gegenüber dem Gegenwind durch den US-Iran-Konflikt und die Schwäche in China. 

Die Ölpreisvolatilität und der breitere Inflationsdruck im Zusammenhang mit dem US-Iran-Konflikt haben zu einer Senkung der prognostizierten Produktion von leichten Nutzfahrzeugen (LDV) beigetragen. Diese wird für 2026 nun voraussichtlich um 1 % im Jahresvergleich zurückgehen, wobei sich der Rückgang auf Fahrzeuge mit Katalysatoren konzentriert. Folglich haben sich die Aussichten für die Automobilnachfrage nach Platin für das Jahr 2026 abgeschwächt, obwohl sich die Trends regional zunehmend unterscheiden. China und in geringerem Maße Europa sind für einen Großteil des Rückgangs verantwortlich, während Nordamerika und Indien durch Hybridisierung, Präferenz der Verbraucher für größere Fahrzeuge mit höherer Platinbeladung und eine stärkere Produktion von Nutzfahrzeugen einen teilweisen Ausgleich schaffen. 

Infolgedessen wird die weltweite Automobilnachfrage nach Platin voraussichtlich um 4 % im Jahresvergleich (−136 koz) auf 2.904 koz sinken, was eine relativ moderate Herabstufung (−2 %, −55 koz) gegenüber unserer vorherigen Prognose darstellt.

Höhere Edelmetallpreise und Bedenken hinsichtlich der Lebenshaltungskosten belasten weiterhin die Schmucknachfrage. 

Für das Gesamtjahr 2026 wird ein Rückgang der Platinschmucknachfrage um 15 % im Jahresvergleich auf 1.883 koz prognostiziert. Der Rückgang konzentriert sich auf China, wo die Umkehrung des letztjährigen Lageraufbaus, die schwache Verbrauchernachfrage und eine erneute Handelspräferenz für Gold voraussichtlich zu einem starken Einbruch bei der Herstellung führen werden. Auch für Japan und Indien wird eine Abschwächung prognostiziert, da höhere Platinpreise und eine schwächere zugrunde liegende Nachfrage den Konsum verringern. Im Gegensatz dazu bleiben Europa und Nordamerika vergleichsweise widerstandsfähig, gestützt durch die Nachfrage im Hochzeitssegment und den nach wie vor erheblichen Preisabschlag von Platin gegenüber Gold.

Prognose für Wachstum der Industrienachfrage aufgrund von KI-bezogenen Glas- und Elektroanwendungen angehoben. 

Für das Gesamtjahr 2026 wird ein Anstieg der Industrienachfrage um 5 % (+119 koz) im Jahresvergleich auf 2.385 koz prognostiziert, was einer Anhebung um 7 % (+147 koz) gegenüber unserer vorherigen Prognose entspricht, da KI-Anwendungen die Nachfrage im Glas- und Elektrobereich ankurbeln. 

Das Wachstum der Nachfrage im Jahresvergleich in den Sektoren Glas (+23 %, +98 koz), Chemie (+9 %, +50 koz), Medizin (+4 %, +11 koz), Elektro (+19 %, +19 koz) und Wasserstoff (+8 %, +6 koz) wird die geringere Nachfrage im Erdölsektor (−28 %, −50 koz) mehr als ausgleichen. Letztere wird durch die anhaltenden Störungen der Schifffahrt in der Straße von Hormus negativ beeinflusst, während der russische Raffineriesektor aufgrund von Drohnenangriffen der Ukraine unter Druck steht. 

Gegenwind für Edelmetallmärkte beeinträchtigt die Nachfrage nach Platininvestitionen.

Das geopolitische und makroökonomische Umfeld belastete im 2. Quartal 2026 Platin und den breiteren Edelmetallkomplex, da die Anleger angesichts der Erwartung eines höheren Zinsumfelds sinkende Kurse verzeichneten. Dies äußerte sich in ETF-Liquidationen in Höhe von 234 koz und einem deutlichen Rückgang der Nachfrage nach Barren und Münzen im Jahresvergleich (−71 %, −91 koz). Insgesamt verzeichnete das Quartal eine Netto-Desinvestition von 121 koz.

Für das Gesamtjahr 2026 wird eine Netto-Desinvestition von 83 koz prognostiziert. Obwohl für die zweite Jahreshälfte ETF-Zuflüsse prognostiziert werden, werden diese die erheblichen Liquidationen der ersten sechs Monate des Jahres 2026 nur teilweise ausgleichen, was für das Gesamtjahr zu einem prognostizierten Nettoabfluss aus ETFs von 389 koz führt. Ebenso wird erwartet, dass die Börsenbestände im Gesamtjahr 2026 um 112 koz abgebaut werden, was eine teilweise Umkehrung des starken Lageraufbaus des Vorjahres widerspiegelt, da die Sorgen vor Zöllen nachlassen. Unterdessen wird für das Gesamtjahr 2026 ein Rückgang der Investitionen in Platinbarren und -münzen um 22 % (−89 koz) auf 313 koz prognostiziert, wobei in den meisten Märkten eine gewisse Erholung erwartet wird.

Trevor Raymond, CEO des World Platinum Investment Council, fügt hinzu: „Der geringfügige prognostizierte Überschuss für 2026 ist im Kontext des makroökonomischen Gegenwinds in der ersten Hälfte dieses Jahres zu sehen. Viele Bereiche der Platinnachfrage zeigen sich weiterhin widerstandsfähig. Die Automobilnachfrage bleibt vergleichsweise robust und die Industrienachfrage hat sich weiter verstärkt, wobei die weltweiten Entwicklungen im Bereich der KI die zunehmend wichtige Rolle von Platin hervorheben. China hat bis 2030 fast 300 Milliarden US-Dollar für den Ausbau der KI-Infrastruktur vorgesehen. Zusammen mit dem privat finanzierten Ausbau der KI-Technologie in den USA, der derzeit auf 500 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, entsteht so eine neue Nachfrage nach Metallen der Platingruppe für eine Vielzahl von Anwendungen. Dies ist eine spannende Zeit für den Sektor, die wir aufmerksam verfolgen werden.“


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