Der Wettbewerb der Banken um Spareinlagen verschärft sich. Derzeit bieten vier Geldhäuser Neukunden für einen begrenzten Zeitraum einen Tagesgeldzins von mindestens vier Prozent – noch Mitte Mai gab es auf dem Markt kein einziges Angebot in dieser Größenordnung. Das zeigt eine aktuelle Auswertung von über 800 Banken und Sparkassen durch das Vergleichsportal Verivox.
Den höchsten Zins bietet derzeit die Digitalbank Revolut: Neukunden erhalten für bis zu vier Monate 4,25 Prozent. Der hohe Aktionszins gilt allerdings nur für Guthaben bis 25.000 Euro, und nach Ablauf der Neukundenkondition fällt der reguläre Satz für Kunden mit einem kostenlosen Konto auf 1,25 Prozent.
„Bei der Auswahl des passenden Angebots sollten Anleger gut auf die genauen Konditionen achten. Banken wie Revolut haben die Werbewirkung hoher Tagesgeldzinsen erkannt und nutzen sie als Vertriebsinstrument, um Kunden zum Abschluss weiterer Produkte zu bewegen“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Kombi-Angebote mit Girokonto sind vor allem für Verbraucher interessant, die ohnehin auf der Suche nach einem neuen Konto sind. Wer in erster Linie nach hohen Zinsen fürs Ersparte Ausschau hält, ist mit einem reinen Tagesgeldkonto oft am besten bedient.“
Renault Bank, Chase und Ayvens Bank ohne Girokonto-Pflicht
Weniger Einschränkungen gelten bei drei weiteren Anbietern, die ebenfalls die Vier-Prozent-Marke überschreiten. Für jeweils vier Monate zahlen Neukunden bei der Renault Bank 4,1 Prozent und bei Chase, dem deutschen Ableger der amerikanischen Großbank J.P. Morgan, vier Prozent. Die niederländische Ayvens Bank bietet ebenfalls vier Prozent, allerdings begrenzt auf drei Monate. Bei allen drei Instituten ist kein zusätzliches Girokonto erforderlich, und die Zinsen gelten auch für höhere Guthaben.
| Bank | Aktionszins (Neukunden) | Aktionsdauer | Regulärer Zins (danach) | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Revolut | 4,25 % | 4 Monate | 1,25 % | Girokonto-Pflicht; Kartenzahlung erforderlich; max. 25.000 Euro |
| Renault Bank | 4,10 % | 4 Monate | 2,00 % | Kein Girokonto erforderlich; kein Guthabenlimit |
| Chase (J.P. Morgan) | 4,00 % | 4 Monate | 2,00 % | Kein Girokonto erforderlich; kein Guthabenlimit |
| Ayvens Bank | 4,00 % | 3 Monate | 2,30 % | Kein Girokonto erforderlich; kein Guthabenlimit |
| Scalable Capital | 2,60 % (dauerhaft, Bestandskunden) | – | Anlage auch bei Partnerbanken im Ausland oder in Geldmarktfonds möglich | |
| Ascory Bank | 2,50 % (dauerhaft, Bestandskunden) | – | Höchster Bestandskundenzins unter deutschen Banken | |
| Quelle: Verivox | ||||
Auch nach Auslaufen der Neukundenkonditionen fallen diese Angebote vergleichsweise wenig ab. Bestandskunden erhalten bei Chase und der Renault Bank je zwei Prozent, die Ayvens Bank zahlt 2,3 Prozent. Damit sind diese Produkte auch für Sparer attraktiv, die ihr Geld nicht laufend von einer Bank zur nächsten verschieben möchten.
„Bei vielen Neukundenangeboten sinken die Zinsen nach den ersten Monaten so stark, dass Sparer dann erneut die Banken wechseln müssen, um weiterhin lukrative Erträge zu erzielen“, sagt Oliver Maier. „Wer nicht so oft wechseln möchte, achtet beim Zinsvergleich deshalb am besten auf attraktive Bestandskundenzinsen.“
Bestandskunden profitieren kaum von der Tagesgeld-Zinsrally
An der Mehrheit der Bestandskunden ist die aktuelle Zinsbewegung beim Tagesgeld bislang weitgehend vorbeigegangen. Bundesweit verfügbare Angebote lagen zuletzt bei 1,33 Prozent und bringen aktuell im Schnitt 1,4 Prozent Zinsen – ein Plus von 0,07 Prozentpunkten. Nur bei 20 Prozent aller Tagesgeldangebote haben die Anbieter die regulären Bestandskundenzinsen überhaupt angehoben.
Bei Sparkassen und Volksbanken sind die Aufschläge noch geringer ausgefallen. Genossenschaftsbanken zahlen im Schnitt 0,48 Prozent, Sparkassen 0,42 Prozent – jeweils nach einem Anstieg von lediglich 0,04 Prozentpunkten. Wer auf der Suche nach dem höchsten Bestandskundenzins unter deutschen Banken ist, wird derzeit bei der Ascory Bank aus Hamburg fündig: Sie bietet 2,5 Prozent. Der Münchener Online-Broker Scalable Capital zahlt sogar 2,6 Prozent, allerdings können Spargelder dort auch bei Partnerbanken im Ausland oder in Geldmarktfonds angelegt werden.
„An der Mehrheit der treuen Bestandskunden läuft die Zinsrally beim Tagesgeld bislang komplett vorbei“, sagt Oliver Maier. „Anders als bei den Neukundenangeboten und auch beim Festgeld gilt eine Erhöhung der Bestandskundenzinsen nicht nur für neues Geschäft, sondern auch für alle Gelder, die bereits bei der Bank angelegt sind. Aus diesem Grund wirken sich selbst kleine Zinsanpassungen sehr stark auf die Kosten aus und die Geldhäuser geben die gestiegenen Leitzinsen nur zögerlich weiter.“
Festgeldzinsen überholen den EZB-Einlagensatz
Beim Festgeld verlief die Entwicklung deutlich dynamischer. Zweijährige Anlagen lagen zuletzt noch bei durchschnittlich 2,32 Prozent, aktuell stehen sie bei 2,55 Prozent – ein Plus von 0,23 Prozentpunkten. Bemerkenswert dabei: Der maßgebliche Einlagezinssatz der Europäischen Zentralbank beläuft sich derzeit auf 2,25 Prozent. Banken zahlen Festgeldanlegern damit bereits mehr, als sie selbst erhalten, wenn sie Kundengelder bei der Notenbank parken – und das selbst dann, wenn die EZB die Leitzinsen beim nächsten Termin wie erwartet um ein Viertelprozent anhebt.
„Die Zinsen für festverzinsliche Sparanlagen werden nicht nur durch die Geldpolitik der Währungshüter, sondern darüber hinaus stark von den Zinsen am Kapitalmarkt beeinflusst“, sagt Oliver Maier. „Banken nutzen fest angelegte Spargelder zur Gegenfinanzierung ihrer ausgegebenen Kredite und verdienen an der Zinsdifferenz. Wenn sie sich das Geld dafür an den Anleihe- oder Geldmärkten beschaffen, ist das wegen der sehr hohen Renditen dort mitunter sogar noch teurer.“













