Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für die deutsche Wirtschaft 2026 ein Wachstum von 1,3 Prozent. Im Juli-Update lag die Prognose noch bei 0,7 Prozent. Diese Anpassung findet sich im World Economic Outlook, der am 13. Oktober 2026 veröffentlicht wurde. Sie deckt sich mit der Herbstprojektion der Bundesregierung vom 8. Oktober, die für 2026 ebenfalls 1,3 Prozent und für 2027 1,1 Prozent Wachstum ausweist. Entscheidend für Anleger ist die Begründung: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zufolge lassen sich etwa zwei Drittel dieser Aufwärtskorrektur auf öffentliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung zurückführen, das restliche Drittel entfällt auf die Exportnachfrage. Von diesem Kurswechsel profitieren bereits einzelne Rüstungsaktien und Baukonzerne.
Für die Eurozone rechnet der IWF 2026 mit einem Wachstum von 1,1 Prozent und damit 0,2 Punkte mehr als im Juli. Für 2027 sagt er dem Euroraum 1,2 Prozent voraus, der Weltwirtschaft 2026 ein Plus von 3,1 Prozent. Die deutsche Wirtschaft wächst der Prognose zufolge somit etwas stärker als der Euroraum im Durchschnitt.
Zwei Investitionstöpfe: Sondervermögen und Verteidigungshaushalt
Hinter dem Wachstumsschub stehen zwei verfassungsrechtlich abgesicherte Investitionsprogramme. Mit einer Grundgesetzänderung änderte der Gesetzgeber die Artikel 109, 115 und 143h. Seit diesem Zeitpunkt greift die Schuldenbremse nicht mehr für Verteidigungsausgaben, die ein Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts überschreiten. Im Zuge derselben Verfassungsänderung richtete der Gesetzgeber außerdem ein mit 500 Milliarden Euro ausgestattetes Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität ein, das auf zwölf Jahre angelegt ist: 300 Milliarden Euro fließen in die Bundessäule, 100 Milliarden Euro in den Klima- und Transformationsfonds und weitere 100 Milliarden Euro an Länder und Kommunen.
Parallel dazu stehen für den Verteidigungshaushalt 2026 insgesamt rund 108,2 Milliarden Euro zur Verfügung, wie der Bundestag mitteilt. 82,69 Milliarden Euro davon kommen aus dem Einzelplan 14, weitere 25,51 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Bundeswehr. Zusammen entspricht die Summe rund 2,5 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts von 2024 - und übersteigt den Haushaltsansatz von 2025 um 21,71 Milliarden Euro. Künftig wollen die Nato-Staaten außerdem fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung investieren, davon mindestens 3,5 Prozentpunkte in Kernverteidigungsausgaben.
| Programm | Volumen | Zeitraum | Aufteilung |
|---|---|---|---|
| Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität | 500 Milliarden Euro | zwölf Jahre, seit 2025 | 300 Milliarden Euro Bundessäule, 100 Milliarden Euro Klima- und Transformationsfonds, 100 Milliarden Euro Länder und Kommunen |
| Verteidigungshaushalt 2026 | rund 108,2 Milliarden Euro | 2026 | 82,69 Milliarden Euro Einzelplan 14 plus 25,51 Milliarden Euro Sondervermögen Bundeswehr |
| Nato-Ausgabenziel | fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts | keine Angabe | davon mindestens 3,5 Prozentpunkte Kernverteidigungsausgaben |
Warum die Milliarden bislang nur langsam abfließen
Zwischen Beschluss und tatsächlicher Wirkung liegt allerdings eine deutliche Verzögerung. Der Investitions- und Innovationsbeirat beim Bundesfinanzministerium legte dazu am 9. Juni 2026 einen Bericht vor. Demnach waren bis Ende April 2026 lediglich 28 Prozent der für das Jahr eingeplanten Sondervermögens-Mittel tatsächlich verausgabt. Lediglich 2,7 Prozent davon flossen in die Zukunftsbereiche Forschung, Digitalisierung und Bau. Bei den Bundesländern fiel die Abflussquote dem gleichen Bericht zufolge mit nur einem Prozent sogar noch geringer aus. Von den 100 Milliarden Euro, die für Länder und Kommunen reserviert sind, waren bis Mitte 2026 laut Deutschem Städte- und Gemeindebund erst rund 500 Millionen Euro tatsächlich abgeflossen.
Noch deutlicher fällt die Kritik des ifo-Instituts aus. Dessen Berechnungen zufolge erhöhte sich die Kreditaufnahme über das Sondervermögen im Jahr 2025 um 24,3 Milliarden Euro, wohingegen die realen Investitionen des Bundes im Vergleich zu 2024 nur um 1,3 Milliarden Euro stiegen. Die Differenz von rund 23 Milliarden Euro floss den Berechnungen zufolge nicht in zusätzliche Investitionen.
Diese Rüstungsaktien profitieren von Rekordauftragsbüchern
Bei einzelnen Rüstungskonzernen zeigen sich die Effekte bereits in den Geschäftszahlen. Rheinmetall verbuchte im ersten Halbjahr 2026 einen Konzernumsatz von 5,227 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 39 Prozent. Das operative Ergebnis kletterte um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro. Im zweiten Quartal 2026 knackte der Auftragsbestand zum ersten Mal die Schwelle von 80 Milliarden Euro und belief sich auf 80,4 Milliarden Euro. Allerdings musste der Konzern seine Umsatzprognose für 2026 nach unten korrigieren, nachdem das Verteidigungsministerium das Fregatten-Programm F126 gestrichen hatte: Statt bislang 14,0 Milliarden Euro erwartet Rheinmetall nun eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Das Beispiel zeigt, wie schnell politische Entscheidungen einzelne Rüstungsaktien treffen können.
Bei Hensoldt hat sich der Auftragseingang im ersten Halbjahr 2026 auf 2,812 Milliarden Euro verdoppelt. Dabei knackte der Auftragsbestand erstmals die Zehn-Milliarden-Euro-Grenze und lag bei 10,36 Milliarden Euro. Von den Bundeswehr-Investitionen profitieren jedoch nicht nur Rüstungsaktien, sondern auch Baukonzerne. Gemeinsam mit Partnern sicherte sich Hochtief den Auftrag zum Bau des neuen Campus der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg, ein Vorhaben mit einem Volumen von rund einer Milliarde Euro. Auf Hochtief selbst entfällt davon ein Anteil im mittleren dreistelligen Millionenbereich.
| Unternehmen | Kennzahl | Wert |
|---|---|---|
| Rheinmetall | Umsatz erstes Halbjahr 2026 | 5,227 Milliarden Euro (plus 39 Prozent) |
| Rheinmetall | Operatives Ergebnis erstes Halbjahr 2026 | 786 Millionen Euro (plus 74 Prozent) |
| Rheinmetall | Auftragsbestand zweites Quartal 2026 | 80,4 Milliarden Euro |
| Rheinmetall | Umsatzprognose 2026 (gesenkt) | 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro |
| Hensoldt | Auftragseingang erstes Halbjahr 2026 | 2,812 Milliarden Euro (verdoppelt) |
| Hensoldt | Auftragsbestand | 10,36 Milliarden Euro |
| Hochtief | Auftrag Bundeswehr-Campus Hamburg | rund eine Milliarde Euro Gesamtprojekt |
Wie stark sich die Erwartungen an Rüstungsaktien seit Kriegsbeginn verschoben haben, zeigt der Kursverlauf von Rheinmetall. Am 23. Februar 2022, am Vorabend des russischen Angriffs auf die Ukraine, notierte das Papier noch bei 96,8 Euro. Bis zum Herbst 2026 kletterte der Kurs auf rund 968 Euro - das Zehnfache.
Institutionelle Anleger setzen Infrastruktur bislang zurückhaltend ein
Für Vermögensverwalter stellt sich die Frage, wie weit das Thema in Portfolios bereits abgebildet ist. Der Infrastruktur-Report Deutschland 2026 des Bundesverbands Alternative Investments (BAI) zeigt, dass institutionelle Anleger in Deutschland durchschnittlich 5,6 Prozent ihres Portfolios der Anlageklasse Infrastruktur zuweisen - mehr als im europäischen Mittel mit 4,2 Prozent, aber deutlich weniger als in Kanada, wo der Anteil bei 10,1 Prozent liegt. Als größte Hürden auf dem Weg zu mehr institutionellem Kapital für Infrastrukturprojekte identifiziert der Report fehlende Inhouse-Strategien, die von 45 Prozent der Befragten genannt werden, unzureichende Renditen mit 29 Prozent sowie zu wenige investierbare Projekte mit 27 Prozent.












