Rheinmetall baut sein Geschäft mit weltraumgestützter militärischer Aufklärung weiter aus. Weniger als ein Jahr nach der Beauftragung hat das Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall Iceye Space Solutions nach eigenen Angaben einen wichtigen Meilenstein beim Satellitenprogramm SPOCK 1 für die Bundeswehr erreicht.
Die deutschen Streitkräfte erhalten direkten Zugriff auf mehrere speziell für sie vorgesehene Synthetic-Aperture-Radar-Satelliten (SAR). Damit kann die Bundeswehr die Satelliten eigenständig für Aufklärungsaufgaben einsetzen. Rheinmetall Iceye Space Solutions betreibt die Satelliten und soll die Konstellation weiter ausbauen.
SPOCK 1 steht für „SAR-Spacesystem for persistent operational tracking Stufe 1“ und bildet die erste Stufe eines nationalen Radaraufklärungssystems. Die Technologie ermöglicht eine weitgehend wetter- und tageszeitunabhängige Beobachtung aus dem All. Nach Angaben von Rheinmetall soll sie insbesondere zum Schutz der Brigade Litauen sowie zur Überwachung der NATO-Ostflanke eingesetzt werden.
Satellitenproduktion in Neuss angelaufen
Parallel dazu hat Rheinmetall Iceye Space Solutions die Produktion von SAR-Satelliten in Neuss aufgenommen. Dort bündelt das Unternehmen Produktion, Integration, Tests und Qualitätssicherung. Perspektivisch sollen am Standort mehrere Dutzend Satelliten pro Jahr gefertigt und für ihren Einsatz im Erdorbit vorbereitet werden.
Rheinmetall baut damit ein vergleichsweise junges Geschäftsfeld weiter aus. Im Juni hatte der Konzern angekündigt, gemeinsam mit Iceye und mehreren deutschen New-Space-Unternehmen eine Infrastruktur für eine souveräne weltraumgestützte Aufklärung aufzubauen. Anfang Oktober brachte Rheinmetall zudem gemeinsam mit dem italienischen Raumfahrtunternehmen Argotec erstmals einen Satelliten zur militärischen Luftraumüberwachung ins All.
Gleichzeitig zeichnet sich eine weitere Expansion am Boden ab. Rheinmetall und der französische Bahnkonzern Alstom haben sich grundsätzlich über die Zukunft des Alstom-Lokomotivwerks in Kassel verständigt. Alstom bestätigte gegenüber der „Hessenschau“ eine grundsätzliche Einigung. Auch Rheinmetall bestätigte eine Verständigung über wesentliche Eckpunkte. Ein endgültiger Vertrag steht allerdings noch aus.
Alstom-Werk könnte Rheinmetall zusätzliche Kapazitäten bringen
Damit konkretisieren sich die seit Monaten bekannten Übernahmepläne. Rheinmetall ist unmittelbar neben dem Alstom-Werk in Kassel vertreten und will seine Kapazitäten in Nordhessen deutlich erweitern. Nach Angaben des Konzerns ist es das gemeinsame Ziel, dass Beschäftigte des Alstom-Standorts künftig bei Rheinmetall Landsysteme in Kassel arbeiten können. Über die konkreten Konditionen wird noch verhandelt.
Der Standort besitzt eine lange industrielle Tradition. Seit mehr als 175 Jahren werden in Kassel Lokomotiven gebaut. Alstom nennt mehr als 35.000 dort produzierte Lokomotiven und derzeit mehr als 650 Beschäftigte am Standort.
Die mögliche Übernahme ergänzt Rheinmetalls Expansion in der Region. Ende August hatte der Konzern angekündigt, am Kassel Airport ein neues Logistikzentrum aufzubauen. Geplant ist eine rund 30.000 Quadratmeter große Anlage. Rheinmetall beziffert das vorgesehene Investitionsvolumen auf einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag.














