Das Dilemma des Verteidigungssektors zeigt sich besonders deutlich in Krisenzeiten.
Einerseits profitiert die Branche von einem strukturellen Nachfrageboom, der durch die globale Sicherheitslage angetrieben wird. Europa nimmt die USA zunehmend als unberechenbaren Partner wahr. Deshalb investieren viele Staaten in eigene, unabhängige Rüstungsindustrien und Lieferketten, um im Krisenfall selbstständiger zu sein. Das gilt auch für Deutschland.
Andererseits verschärfen sich die makroökonomischen Rahmenbedingungen. Geopolitische Spannungen treiben Ölpreise, Inflation und Anleiherenditen nach oben. Das verteuert die ohnehin energieintensive Produktion und macht die Aufnahme von Fremdkapital deutlich teurer. Besonders problematisch ist das beim Ausbau neuer Produktionskapazitäten. Anleger müssen diese beiden Entwicklungen gegeneinander abwägen.
Rheinmetall veröffentlicht am Dienstag seine Q3-Zahlen. Sie dürften zeigen, wie sich der deutsche Rüstungskonzern in diesem Umfeld schlägt und ob strategische Anpassungen erforderlich sind. Anleger wollen sehen, dass sich der strukturelle Nachfrageboom auch in den Zahlen widerspiegelt.
Die Rheinmetall-Aktie liegt seit Jahresbeginn rund 35 Prozent im Minus. Nach einer vierjährigen Rally und einer Vervielfachung des Kurses sind solche Schwankungen nicht ungewöhnlich. Für eine Erholung müsste der Unternehmensausblick die Erwartungen übertreffen, um wieder mehr Käufer anzulocken. Anleger sollten daher besonders auf Aussagen zum Umsatzwachstum, zur Marge und zum Auftragsbestand achten.
Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.













