Rheinmetall, RENK oder Hensoldt: Welche Rüstungsaktie hat den besten Cashflow?

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Modellpanzer im Fokus vor unscharfem Börsenchart mit roten und grünen Kurskerzen im Hintergrund – Symbolbild für Rüstungsaktien.
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Wachstum allein überzeugt Anleger nicht mehr – zunehmend rückt die Frage in den Fokus, wie viel operatives Wachstum tatsächlich als Cash bei den Unternehmen ankommt.

Rheinmetall, RENK und Hensoldt melden Rekordzahlen zum Halbjahr 2026. Doch der Cashflow der Rüstungsaktien zeigt große Unterschiede: Nur ein Titel hat im ersten Halbjahr bereits Geld verdient statt gebunden. Ein Vergleich von Wachstum, Marge und Bewertung.

Die deutsche Rüstungsindustrie boomt: Steigende Verteidigungsbudgets in Deutschland und Europa, das EU-Beschaffungsprogramm SAFE und milliardenschwere Einzelaufträge treiben Umsatz und Auftragsbücher von Rheinmetall, RENK und Hensoldt auf historische Höchststände. An der Börse spiegelt sich das in Bewertungen wider, die deutlich über dem Marktdurchschnitt liegen. Der Cashflow der Rüstungsaktien liefert dabei allerdings ein differenzierteres Bild als die reinen Wachstumsraten. Für Finanzberater, Vermittler und Vermögensverwalter stellt sich damit eine entscheidende Frage: Wer aus dem Trio wandelt Wachstum tatsächlich in Cash um – und wer verbucht das Wachstum vorerst nur auf dem Papier? Ein Blick auf die Halbjahreszahlen 2026, die alle drei Unternehmen in der ersten Augustwoche vorgelegt haben, liefert Antworten und einige Überraschungen.

Wachstum: Rheinmetall enteilt, Hensoldt beschleunigt, RENK hält das Tempo

Rheinmetall bleibt der mit Abstand am schnellsten wachsende der drei Konzerne. Der Umsatz kletterte im ersten Halbjahr um 39 Prozent auf 5.227 Millionen Euro, im zweiten Quartal allein sogar um rund 69 Prozent auf 3.289 Millionen Euro. Getragen wurde das Wachstum von Großaufträgen für Fahrzeugsysteme, Munition und Luftverteidigung sowie von der im Februar 2026 übernommenen Marinesparte.

Hensoldt legte ebenfalls kräftig zu: Der Umsatz stieg um 23,6 Prozent auf 1.167 Millionen Euro, getrieben von Sensorik- und Aufklärungssystemen für Deutschland und weitere europäische Kunden.

RENK wächst dagegen moderat: Der Umsatz kletterte lediglich um 2,7 Prozent auf 637,2 Millionen Euro. Das Unternehmen betont, diese Entwicklung verlaufe planmäßig und orientiere sich an den Auslieferungsplänen der Kunden. Das eigentliche Wachstumssignal liefert deshalb nicht der aktuelle Umsatz, sondern der Auftragseingang, der im weiteren Verlauf des Artikels eine größere Rolle spielt.

Marge: Drei Konzerne, drei unterschiedliche Kennzahlen

Ein Vergleich der Profitabilität verlangt Vorsicht, denn die drei Unternehmen berichten unterschiedliche Ergebnisgrößen. Rheinmetall weist ein operatives Ergebnis aus, das im ersten Halbjahr um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro zulegte. Die operative Marge stieg dadurch von 12,1 auf 15,0 Prozent, im zweiten Quartal isoliert sogar auf 17,1 Prozent.

RENK berichtet ein bereinigtes EBIT von 98,2 Millionen Euro, ein Plus von 10,1 Prozent. Das entspricht einer bereinigten EBIT-Marge von 15,4 Prozent und einem Anstieg um 100 Basispunkte gegenüber dem Vorjahr.

Hensoldt wiederum stellt auf das bereinigte EBITDA ab, das um 28,5 Prozent auf 137 Millionen Euro anstieg. Die daraus resultierende Marge von 11,8 Prozent wirkt im Vergleich niedrig, ist jedoch nicht direkt mit den EBIT-Margen von Rheinmetall und RENK vergleichbar, da das EBITDA anders als das EBIT keine Abschreibungen enthält. Zudem ist das Hensoldt-Geschäft saisonal stark auf das zweite Halbjahr ausgerichtet: Für das Gesamtjahr peilt der Konzern eine bereinigte EBITDA-Marge von 18,5 bis 19,0 Prozent an, deutlich mehr als im ersten Halbjahr erreicht wurde.

Wer allein die Prozentzahlen nebeneinanderlegt, vergleicht also Äpfel mit Birnen. Belastbarer ist der Blick auf die jeweilige Entwicklung gegenüber dem Vorjahr, und hier verbessern sich alle drei Unternehmen spürbar.

Cashflow: Nur RENK verdient im ersten Halbjahr bereits Geld

Hier liegt der eigentliche Unterschied zwischen den drei Titeln. Der freie Cashflow zeigt, ob operatives Wachstum tatsächlich Liquidität erzeugt oder ob es zunächst nur auf dem Papier steht, während Working Capital und Vorleistungen Kapital binden.

Rheinmetall verzeichnete im ersten Halbjahr einen operativen Free Cashflow von minus 1.616 Millionen Euro, nach bereits negativen minus 631 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einer Verschlechterung um 985 Millionen Euro. Das Unternehmen begründet dies mit einer Verschiebung von Kundenanzahlungen, dem Aufbau von Vorräten für die Kapazitätserweiterung sowie hohen Forderungen aus zum Quartalsende fakturierten Umsätzen. Auf der Bilanzpressekonferenz am 6. August äußerte das Management die Erwartung, für das Gesamtjahr eine Cash-Konversionsrate von über 40 Prozent zu erreichen, da sich Lagerbestände im weiteren Jahresverlauf in Umsatz umwandeln und Anzahlungen eingehen sollen. Die Bilanz bleibt dabei robust: Ende 2025 wies Rheinmetall noch eine positive Nettofinanzposition von 369 Millionen Euro aus, der Konzern ist also praktisch schuldenfrei. Der Cash-Abfluss im ersten Halbjahr 2026 zehrt diesen Puffer allerdings spürbar an.

Hensoldt lag mit einem bereinigten Free Cashflow von minus 136 Millionen Euro ebenfalls im negativen Bereich, verbesserte sich damit aber gegenüber dem Vorjahreswert von minus 181 Millionen Euro. Bemerkenswert: Das Unternehmen hob im Juni 2026 seine Cashflow-Prognose für das Gesamtjahr an, von rund 40 auf rund 50 Prozent Konversion des bereinigten EBITDA. Begründet wird dies vor allem mit höheren Kundenanzahlungen im Zuge beschleunigter Beschaffungsprozesse in Deutschland.

RENK ist der einzige der drei Titel, der im ersten Halbjahr 2026 bereits einen positiven freien Cashflow auswies. Nach Angaben aus der Bilanzpressekonferenz verbesserte er sich deutlich auf rund 42 Millionen Euro, nach 11,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Cash-Konversionsrate auf Zwölfmonatsbasis lag zuletzt bei 65,9 Prozent, nach 59 Prozent zu Jahresbeginn. Diese Zahlen stammen nicht aus der offiziellen Pressemitteilung, sondern aus Berichten zur Analysten- und Investorenkonferenz und sollten deshalb mit der gebotenen Vorsicht behandelt werden, bis sie im Halbjahresfinanzbericht bestätigt sind.

Wichtig für die Einordnung: Die drei Konzerne definieren Cash Conversion nicht zwangsläufig identisch, weshalb ein Eins-zu-eins-Vergleich der Prozentwerte nur bedingt aussagekräftig ist. Der grundsätzliche Befund bleibt trotzdem bestehen: Nur RENK hat den Sprung ins Cash-Positive bereits geschafft, während Rheinmetall und Hensoldt operativ noch Kapital binden.

Was bedeutet Cash Conversion?
Die Cash-Conversion-Rate beschreibt, welcher Anteil des operativen Ergebnisses, je nach Unternehmensdefinition EBIT oder EBITDA, tatsächlich in freien Cashflow umgewandelt wird. Werte deutlich unter 100 Prozent oder sogar im negativen Bereich sind bei wachstumsstarken Industrieunternehmen nicht ungewöhnlich, wenn hohe Vorleistungen für Kapazitätsausbau, Vorräte oder Forderungen finanziert werden müssen. Entscheidend für Anleger ist weniger der Momentaufnahmewert als der Trend: Nähert sich die Kennzahl im Zeitverlauf der 100-Prozent-Marke, wandelt ein Unternehmen Wachstum zunehmend in tatsächlich verfügbare Liquidität um, etwa für Dividenden, Schuldenabbau oder Zukäufe.

Auftragsbestand: Sichtbarkeit für Jahre

Alle drei Unternehmen vermelden Rekord-Auftragsbestände. Rheinmetall führt mit einem sogenannten Rheinmetall Backlog von 80,5 Milliarden Euro, nach 56,0 Milliarden Euro im Vorjahr, ein Plus von 44 Prozent. Diese Kennzahl schließt neben klassischen Auftragsbeständen auch erwartete Abrufe aus Rahmenverträgen ein. Das Book-to-Bill-Verhältnis liegt bei über 3.

Hensoldt kommt auf einen Auftragsbestand von gut 10 Milliarden Euro, erstmals über dieser Marke, nachdem sich der Auftragseingang im ersten Halbjahr auf 2.812 Millionen Euro verdoppelte, nach 1.405 Millionen Euro im Vorjahr. Das Book-to-Bill-Verhältnis stieg auf 2,4.

RENK verzeichnet einen Auftragsbestand von 7,4 Milliarden Euro, nach 6,7 Milliarden Euro Ende 2025, bei einem Auftragseingang von 1.195,1 Millionen Euro im ersten Halbjahr, ein Plus von 29,7 Prozent, und einem Book-to-Bill-Verhältnis von 1,9. Der Auftragseingang im zweiten Quartal war mit 612,8 Millionen Euro der höchste in der Unternehmensgeschichte. Zusätzlichen Rückenwind soll die im Juli angekündigte Übernahme des britischen Getriebespezialisten David Brown Defence liefern, die das Auftragsbuch bis 2030 um rund 700 Millionen britische Pfund erweitern soll. Das Closing wird für das vierte Quartal 2026 erwartet.

Für alle drei Unternehmen gilt: Der Auftragsbestand liefert mehrjährige Umsatzsichtbarkeit, sagt aber nichts darüber aus, wann und in welchem Tempo sich diese Aufträge tatsächlich in Cashflow übersetzen. Genau das ist der Punkt, an dem sich Rheinmetall und Hensoldt derzeit noch beweisen müssen.


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Bewertung: Wachstum hat seinen Preis, bei Hensoldt am meisten

An der Börse zahlen Anleger für alle drei Titel deutliche Wachstumsprämien. Rheinmetall bringt bei einem Aktienkurs von rund 1.150 bis 1.200 Euro eine Marktkapitalisierung von etwa 53,5 Milliarden Euro auf die Waage. Das Forward-KGV für 2026 liegt nach Analystenschätzungen bei etwa 32, für 2027 sinkt es auf rund 22, ein Hinweis darauf, dass der Markt mit einer deutlichen Gewinnbeschleunigung rechnet. Das EV/EBITDA liegt bei rund 28.

RENK kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 5 Milliarden Euro. Das Forward-KGV für 2026 wird von Analysten unterschiedlich beziffert, Schätzungen reichen von etwa 27 bis über 50, je nach zugrunde gelegter Gewinnprognose. Diese Schwankungsbreite zeigt, wie unsicher die Konsensschätzungen bei einem Unternehmen sind, dessen Ergebnis maßgeblich vom Timing großer Aufträge abhängt.

Hensoldt ist mit einer Marktkapitalisierung von etwa 9,3 Milliarden Euro der gemessen an der Gewinnbewertung teuerste der drei Titel: Das Forward-KGV für 2026 liegt je nach Quelle zwischen 44 und 53, das aktuelle, nachlaufende KGV bei fast 89. Mehrere Analysten weisen darauf hin, dass Hensoldt im Vergleich zu Rheinmetall und RENK trotz ähnlicher Wachstumsgeschichte spürbar teurer bewertet ist. Die Prämie muss sich über Margenausweitung und Auftragsumsetzung in den kommenden Jahren erst noch rechtfertigen.

Kennzahlen im Überblick (H1 2026)

KennzahlRheinmetallRENK GroupHensoldt
Umsatz5.227 Millionen Euro (+39 Prozent)637,2 Millionen Euro (+2,7 Prozent)1.167 Millionen Euro (+23,6 Prozent)
ErgebnisgrößeOperatives Ergebnis: 786 Millionen Euro (+74 Prozent)Bereinigtes EBIT: 98,2 Millionen Euro (+10,1 Prozent)Bereinigtes EBITDA: 137 Millionen Euro (+28,5 Prozent)
Marge H115,0 Prozent (operativ)15,4 Prozent (bereinigtes EBIT)11,8 Prozent (bereinigtes EBITDA)
Freier Cashflow H1minus 1.616 Millionen Eurorund plus 42 Millionen Euro*minus 136 Millionen Euro (bereinigt)
Cash-Konversion (Ziel/Ist)über 40 Prozent Ziel für Gesamtjahr 2026 (Aussage Earnings Call)*65,9 Prozent auf Zwölfmonatsbasis*rund 50 Prozent des bereinigten EBITDA, Ziel für Gesamtjahr
Auftragsbestand80,5 Milliarden Euro (+44 Prozent)7,4 Milliarden Euromehr als 10 Milliarden Euro (erstmals)
Book-to-Bill H1über 3x1,9x2,4x
Marktkapitalisierungrund 53,5 Milliarden Euro*rund 5,0 Milliarden Euro*rund 9,3 Milliarden Euro*
Forward-KGV 2026erund 32x (2027e: rund 22x)*rund 27 bis 55x (Quellen schwanken)*rund 44 bis 53x (Quellen schwanken)*
EV/EBITDArund 28x*keine Angabekeine Angabe
Bilanz / LeverageNetto-Cash-Position: plus 369 Millionen Euro (Ende 2025)Neuer Kreditrahmen: 1,05 Milliarden Euro (Juli 2026)Leverage-Ziel Gesamtjahr 2026: rund 1,5x netto/EBITDA
*Werte mit Sternchen stammen aus Analysten- beziehungsweise Marktdatenquellen und schwanken je nach Erhebungszeitpunkt und -methode. Sie sind nicht mit letzter Präzision aus den offiziellen Halbjahresberichten verifizierbar.
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