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Warum Japans zweite Aktienreihe neue Chancen eröffnet

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Japans Aktien aus der zeiten Reihe im Aufwind
Fotos: BNP Paribas AM, Apobank (Montage Cash.)
Japans Nebenwerte profitieren von steigenden Löhnen, Governance-Reformen und der wachsenden Binnennachfrage.

Japans Wirtschaft gewinnt nach Jahrzehnten der Deflation an Schwung. Neben steigenden Löhnen und Preisen treiben Reformen den Wandel voran. Davon könnten vor allem kleinere börsennotierte Unternehmen profitieren, die internationale Investoren bislang kaum beachten.

Japan – entweder hört man derzeit immer wieder begeisterte Reiseberichte oder man hat die außergewöhnliche Mischung aus Tradition und technologischer Innovationskraft bereits selbst erlebt. Doch nicht nur als Reiseziel durchläuft das Land eine Renaissance, sondern auch wirtschaftlich und politisch. Und diese strukturellen Veränderungen kommen natürlich auch an den Kapitalmärkten an.

Nach Jahrzehnten der Deflation gewinnen japanische Unternehmen wieder zunehmend Vertrauen in ihre Preissetzungsmacht. Verbraucher akzeptieren höhere Preise und die Löhne steigen so kräftig wie seit rund drei Jahrzehnten nicht mehr. Gewinne können so wieder stärker über Umsatzwachstum statt über Kostensenkungen gesteigert werden. Gestützt wird diese Entwicklung von einer wachstumsorientierten Politik, die einen sehr aktiven fiskalischen Kurs fährt. Kurz gesagt: Der japanische Binnenmarkt ist im Auftrieb!


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Es sind in erster Linie weniger die allseits bekannten Großkonzerne der ersten Reihe wie Toyota oder Sony, die davon profitieren, sondern vielmehr die kleineren, deren Geschäft eng an den Binnenmarkt und die heimische Nachfrage geknüpft ist. Dabei geht es nicht um eine Wette gegen die großen japanischen Konzerne, sondern um den Ergänzungsgedanken: Während Large Caps häufig die globale Wettbewerbsfähigkeit Japans widerspiegeln, bieten Small Caps einen direkteren Zugang zu den Entwicklungen innerhalb des Landes.

Aufwärtspotenzial noch lange nicht ausgereizt

Eine entscheidende Frage für Investoren lautet nun natürlich: Inwiefern hat der Markt die Entwicklungen schon eingepreist bzw. wie groß ist das Aufwärtspotenzial? Zur Einordnung: Japan verfügt über mehr als 3.500 börsennotierte Unternehmen im Small- und Mid-Cap-Segment, viele davon mit spezialisierten Geschäftsmodellen und starken Marktpositionen in Nischen. Viele dieser Unternehmen stehen bislang weder bei internationalen Investoren noch bei Analysten so wirklich auf dem Zettel. Die Qualität einzelner Unternehmen wird vom Markt also oft erst mit Verzögerung erkannt. Für ein aktives Fondsmanagement sind das ideale Voraussetzungen.

Gleichzeitig spielen Reformen im Bereich der Unternehmensführung, im Fachjargon „Corporate Governance“ genannt, derzeit eine große Rolle am japanischen Aktienmarkt. Neben schlechten makroökonomischen Bedingungen hatten japanische Small Caps in der Vergangenheit zwei weitere Probleme. Eines davon betraf ebenso Large Caps: ineffiziente Kapitalallokation, die über viele Jahre hinweg zu einem Bewertungsabschlag japanischer Aktien geführt hat.

Das andere Problem im kleinen Segment ist mangelnde Sichtbarkeit. Seit Juni 2026 fordern überarbeitete Corporate-Governance-Richtlinien Unternehmen dazu auf, ihre Kapitaleffizienz zu überprüfen und die Kommunikation mit Investoren zu intensivieren. Den japanischen Aufschwung gibt es nicht erst seit gestern, aber bis hierhin bevorzugen Investoren eben bekanntere Large Caps mit etablierten Kommunikationsmechanismen. Mit zunehmender Sichtbarkeit der Fortschritte bei Corporate Governance und operativer Geschäftsentwicklung dürfte sich das ändern.

Breites Chancenfeld abseits der bekannten Namen

Doch wo genau im Segment befinden sich nun die attraktivsten Chancen? Besonders interessant erscheinen derzeit mehrere Bereiche. Dazu zählen exportorientierte Unternehmen aus der KI- und Halbleiter-Wertschöpfungskette, die nicht im Rampenlicht der großen Technologieunternehmen stehen, aber die notwendige physische Infrastruktur für den KI-Boom liefern. Beispiele sind Hersteller von Halbleiterausrüstung, elektronischen Komponenten, Materialien oder optischen Technologien, wie etwa Fujikura, ein Anbieter von Komponenten für optische Kommunikation. Das Unternehmen profitiert von der steigenden Nachfrage nach Infrastruktur für KI-Anwendungen und hat sich von einem spezialisierten Anbieter zu einem deutlich stärker beachteten Unternehmen innerhalb seines Marktsegments entwickelt.

Auch im binnenwirtschaftlich geprägten Bereich entstehen neue Chancen. Konsumnahe Dienstleistungen wie Freizeit, Bekleidung oder Beherbergung können von steigenden Einkommen und einer veränderten Konsumhaltung profitieren. Pal Group Holdings, ein Anbieter von Mode- und Lifestyle-Produkten, zeigt beispielhaft, wie Unternehmen in einem inflationären Umfeld durch erfolgreiche Preisweitergabe ihre Margen verbessern können.

Darüber hinaus könnten Regionalbanken und Infrastrukturunternehmen von höheren Zinsen sowie staatlichen Investitionsprogrammen profitieren. Die japanische Regierung verfolgt langfristige Wachstumsinitiativen, die unter anderem Investitionen in Bereiche wie Digitalisierung, Halbleiter, Energieversorgung, Verteidigung und Gesundheitswesen fördern sollen.

Ergänzung oder Portfolioanker?

Trotz dieser Chancen sollten japanische Small Caps nicht isoliert betrachtet werden. Große japanische Unternehmen bleiben ein wichtiger Bestandteil eines Japan-Engagements. Viele von ihnen sind globale Marktführer und profitieren von internationalen Handels- und Investitionszyklen.

Small Caps erfüllen eine andere Funktion. Ihre Ertragsquellen sind häufig stärker mit der japanischen Binnenwirtschaft verbunden. Sie bieten Zugang zu spezialisierten Geschäftsmodellen, regionalen Marktführern und Unternehmen, die weniger stark von globalen Währungs- oder Exportzyklen abhängig sind.

In diesem Sinne sind japanische Small Caps insbesondere aus Diversifikationssicht interessant. Ihre Kursentwicklung ist stärker von den großen internationalen Aktienmärkten entkoppelt. Sie reagieren weniger sensibel auf globale Nachfrage, Zinsen und Wechselkurse als japanische Standardwerte. Dadurch können sie zusätzliche Renditequellen erschließen und das Risiko eines einseitigen Japan-Engagements reduzieren.

Aktive Auswahl bleibt entscheidend

Größe allein ist allerdings keine Investmentthese. Entscheidend sind Geschäftsmodell, Bilanzqualität, Bewertung, Managementqualität und die Fähigkeit eines Unternehmens, langfristig tragfähiges Wachstum zu erzielen. Gerade in diesem Segment spielt aktives Management daher eine wichtige Rolle. Ein disziplinierter Auswahlprozess kann helfen, Unternehmen zu identifizieren, die das Potenzial besitzen, vom Markt neu bewertet zu werden. Besonders interessant sind dabei häufig Firmen, die über starke Marktpositionen in Nischen verfügen, eine hohe Preissetzungsmacht besitzen oder von langfristigen strukturellen Trends profitieren.

Wie bei jeder Geldanlage bleiben natürlich auch Risiken bestehen. Eine dauerhaft zu hohe Inflation könnte die Kaufkraft der Verbraucher belasten, steigende Energiepreise wären für das rohstoffarme Japan eine Herausforderung und auch die Umsetzung staatlicher Investitionspläne muss sich erst beweisen. Zudem bleibt die Entwicklung des Yen ein wichtiger Einflussfaktor. Erst kürzlich erlitt die japanische Währung einen derartigen Wertverfall gegenüber dem US-Dollar, dass beide Länder sich zu proaktiven Gegenmaßnahmen genötigt sahen. 

Dennoch spricht vieles dafür, dass Japans Aktienmarkt heute breiter betrachtet werden sollte als noch vor einigen Jahren. Hinter den bekannten Großkonzernen wächst eine neue Generation spezialisierter Unternehmen heran, die von einem veränderten wirtschaftlichen Umfeld profitiert – mit spannenden Perspektiven für Anleger.

Die Autoren: Shunsuke Sean Park, Investment-Spezialist bei BNP Paribas AM, und Timo Steinbusch, Leiter Portfoliomanagement bei der Apobank


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