Die Wirtschaft hat dem Iran-Krieg und den gestiegenen Energiepreisen bislang besser standgehalten als befürchtet. Zugleich fiel der Inflationsanstieg geringer aus als erwartet. Entwarnung bedeutet das jedoch nicht: Die hartnäckige Teuerung hält die Zentralbanken weiterhin in Alarmbereitschaft, während steigende Renditen und hohe Energiekosten die Märkte belasten.
Nach Einschätzung von Nadège Dufossé, Global Head of Multi-Asset bei Candriam, haben Unternehmen und Volkswirtschaften Wege gefunden, die Folgen der Energiekrise abzufedern. Dazu zählen umgeleitete Transportwege, der Abbau von Lagerbeständen und ein zusätzliches Ölangebot aus Regionen außerhalb des Nahen Ostens.
Das Wachstum überrascht dadurch sowohl in Europa als auch in den USA positiv. Mit Blick auf den Winter bleiben jedoch Schwachstellen: Begrenzte Raffineriekapazitäten könnten die Verarbeitung des verfügbaren Rohöls erschweren. Gleichzeitig erhöhen die niedrigen Füllstände der europäischen Gasspeicher das Risiko neuer Preisschübe.
Unternehmensgewinne wachsen auf breiterer Basis
Unterstützung für die Aktienmärkte kommt von den Unternehmensgewinnen. Das Wachstum beschränkt sich nicht mehr allein auf die großen Technologiekonzerne, sondern erfasst zunehmend weitere Branchen. Davon profitieren vor allem Unternehmen aus den Bereichen Elektrifizierung und Automatisierung sowie ausgewählte Industriewerte.
Investitionsprogramme sorgen in diesen Segmenten für zusätzliche Nachfrage. Ob sich die positive Entwicklung fortsetzt, dürfte die nächste Berichtssaison zeigen. Entscheidend wird sein, ob die Unternehmen trotz höherer Energie- und Finanzierungskosten ihre Margen halten können.
Am Anleihemarkt haben sich die Rahmenbedingungen bereits verändert. Steigende Emissionsvolumina der Staaten treffen auf einen wachsenden Kapitalbedarf für Infrastruktur, Verteidigung und die Transformation der Wirtschaft. Das zusätzliche Angebot setzt die Kurse unter Druck und treibt die Renditen nach oben.
Candriam setzt bei Anleihen auf Europa
Candriam bevorzugt in diesem Umfeld europäische Kernstaatsanleihen und Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating. Bei US-Hochzinsanleihen ist der Vermögensverwalter dagegen zurückhaltend, da die höheren Renditen das Risiko schwächerer Schuldner zunehmend sichtbar machen könnten.
Aktien bleiben im Portfolio leicht übergewichtet. Regional favorisiert Candriam Japan und die Schwellenländer. Nach der vorangegangenen Rally hat das Unternehmen einzelne Risiken reduziert und einen Teil der Gewinne gesichert. Die inhaltliche Überzeugung bei ausgewählten Anlagen bleibt bestehen, das dafür eingesetzte Risikobudget fällt jedoch geringer aus.













