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Extreme Hitze kostet Europa mehr Wachstum als eine blockierte Meerenge

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Klimakrise versus Ölkrise
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Klimaschäden belasten Wachstum und Renditen. Pensionsfonds können den Umbau zu einer widerstandsfähigen Wirtschaft fördern.

Extreme Hitze hat Europas Wirtschaftsleistung binnen zwölf Monaten um 1,1 Prozent geschmälert. Damit übersteigen die Schäden bereits das Worst-Case-Szenario einer blockierten Straße von Hormus. Für langfristige Anleger wird die Klimakrise zum zentralen Risikofaktor.

Spannungen rund um die Straße von Hormus dominieren die Schlagzeilen. Laut einer Analyse der Europäischen Kommission könnten die Öl- und Gaspreise bis Ende 2027 um 20 % über dem Vorkrisenniveau liegen. Im Worst-Case-Szenario würde das BIP der EU um 0,7 % sinken. Allerdings kommt der größere wirtschaftliche Schaden aus einer anderen Richtung: Die extreme Hitze hat Europas BIP in den vergangenen zwölf Monaten bereits um 1,1 % geschmälert. 24 zusätzliche Hitzetage belasteten Produktivität, Gesundheit und Einkommen. Die Botschaft für Anleger ist klar: Nicht geopolitische Schocks, sondern Klimarisiken sind die wahren BIP-Killer.

Hitze wird zum Produktivitäts- und Wirtschaftsrisiko

Die Hitzewellen in Europa haben zwischen Juli 2025 und August 2026 bereits 1,6-mal mehr BIP-Schäden verursacht als das Worst-Case-Szenario der blockierten Straße von Hormus. Haupttreiber ist der Einbruch der Arbeitsproduktivität: Extreme Hitze führt zu mehr Fehlzeiten, Erkrankungen und Erschöpfung – und damit zu einer weniger leistungsfähigen Belegschaft. Allein in vier europäischen Ländern forderten die Hitzewellen zudem rund 35.000 zusätzliche Todesopfer. Wie stark die Wirtschaft betroffen ist, hängt auch von der Anpassungsfähigkeit eines Landes ab. Spanien und Italien konnten ihre Produktivität vergleichsweise stabil halten, während weniger gut vorbereitete Länder größere Einbußen verzeichneten. In Polen ist der Produktivitätsverlust an einem heißen Tag beispielsweise 3,4-mal höher als in Italien. Arbeitsbedingungen werden damit zu einem wichtigen Indikator für die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit von Unternehmen. Beschäftigte in klimatisierten oder gut isolierten Büros können ihre Leistung eher aufrechterhalten. In heißen Arbeitsumgebungen – etwa in Lagerhallen – sinkt die Produktivität dagegen deutlich. Die Klimakrise ist damit nicht nur ein Umwelt- und Gesundheitsrisiko, sondern zunehmend auch ein direktes Unternehmens- und BIP-Risiko.

Hadewych Kuiper, Triodos

Hadewych Kuiper (Foto: Gijs de Kruijf)

Sommer ade, hallo „nasse Tage“ – jede Jahreszeit verstärkt den BIP-Verlust

Der bislang berechnete BIP-Rückgang von 1,1 % berücksichtigt nur die Folgen extremer Hitze in Europa – Schäden durch Starkregen und Überschwemmungen sind noch nicht eingerechnet. Der vorausgesagte Super-El Niño könnte das globale BIP laut Ökonomen um bis zu 6,4 % bzw. rund 7 Billionen US-Dollar reduzieren. Allein die jüngsten Sturzfluten verursachten weltweit erhebliche soziale und wirtschaftliche Schäden und zerstörten Vermögenswerte, die in der BIP-Statistik nicht vollständig erfasst werden. Die Klimakrise wirkt damit über alle Jahreszeiten hinweg: Hitze, Starkregen und Überschwemmungen summieren sich zu einem stetig wachsenden Belastungsfaktor für die Wirtschaft. Studien zufolge wird jeder zusätzliche Grad Celsius das globale BIP um rund 20 % mindern. Steigt die Durchschnittstemperatur in den kommenden vier bis zehn Jahren wie erwartet um 1,5 °C, droht damit ein BIP-Verlust von bis zu 30 %. Klimaextreme sind damit kein saisonales Phänomen, sondern ein strukturelles Risiko für Wachstum und Vermögen.

Lockerer Klimaschutz verschärft die wirtschaftlichen Risiken

Die Klimakrise belastet die Wirtschaft bereits, während sich das globale BIP-Wachstum verlangsamt. Extremwetterereignisse schwächen die Produktivität und erhöhen die wirtschaftlichen Schäden. Dennoch lockern Politiker unter dem Druck kurzfristiger Wachstumsziele zunehmend Klimaschutzvorgaben – auch auf EU-Ebene, etwa bei Nachhaltigkeitsberichterstattung, unternehmerischen Sorgfaltspflichten und der Taxonomie. Vereinfachungen können sinnvoll sein. Werden zentrale Standards jedoch ausgehöhlt, sinkt der Anpassungsdruck auf Unternehmen, während Klimarisiken weiter steigen. Kurzfristige Deregulierung verbessert die Wettbewerbsfähigkeit nicht – sie verschiebt die Kosten der Klimakrise in die Zukunft und erhöht damit die Risiken für Wirtschaft und Kapitalmärkte.

Pensionsfonds als Hebel für nachhaltiges Wachstum

Pensionsfonds verwalten weltweit mehr als 68,3 Billionen US-Dollar – rund 74 % des globalen BIP. Damit verfügen ihre Anlageentscheidungen über größeren Einfluss auf die Wirtschaft als politische Appelle allein. Als langfristig orientierte Investoren müssen Pensionsfonds Klima-, Natur- und soziale Risiken berücksichtigen, die künftige Renditen und Unternehmenswerte bedrohen. Nachhaltigkeit ist deshalb kein Zusatzthema, sondern Teil professionellen Risikomanagements. Dafür reicht passives Investieren nicht aus. Pensionsfonds müssen Lieferketten prüfen, Unternehmen zum Wandel bewegen und problematische Geschäftsmodelle konsequent hinterfragen. Ihre Kapitalallokation kann entscheidend dazu beitragen, Klimaanpassung, Emissionsminderung und widerstandsfähige Wirtschaftsstrukturen voranzutreiben

Klimaschutz ist entscheidend für langfristige Renditen

Eine verfehlte Transformation zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft könnte die Renditen von Pensionsfonds bis 2050 weltweit um bis zu 33 % schmälern. Gleichzeitig droht die Klimakrise, das globale BIP um rund 30 % zu reduzieren – ein Vielfaches des weltweiten Einbruchs von 3,4 % während der COVID-19-Pandemie. Die Folgen werden sich jedoch erst über Jahre vollständig zeigen. Wir stehen bei der Klimakrise heute dort, wo wir bei COVID-19 im Jahr 2020 standen: Die größten wirtschaftlichen Schäden liegen noch vor uns. Jetzt ist der Zeitpunkt zu handeln – entschlossen, gemeinsam und vorausschauend.

Autorin Hadewych Kuiper ist Managing Director bei Triodos Investment Management (IM).


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