Anzeige
6. Februar 2018, 11:18
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Provisionsverbot: “Die Mär von der regelmäßig schlechten Finanzberatung”

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) fordert mit Blick auf die offensichtlich positiven Erfahrungen in den Niederlanden auch hierzulande einmal mehr ein Provisionsverbot. Rechtsanwalt Norman Wirth, Kanzlei Wirth-Rechtsanwälte, nimmt exklusiv für Cash.Online zu der Forderung des VZBV Stellung.

Norman-Wirth-Tippgeber-1 in Provisionsverbot: Die Mär von der regelmäßig schlechten Finanzberatung

Norman Wirth: “Die deutsche Politik – wie auch Brüssel – hat sich klar zum Provisionssystem bekannt.”

Unverbesserlich dogmatisch wird als Einstieg wieder die Mär von der regelmäßig schlechten und fehlerhaften Finanzberatung bemüht, die die armen Verbraucher seit Jahren in die Altersarmut führt. Belastbare, wissenschaftliche Statistiken können nicht vorgelegt werden. Dazu kommt einmal mehr die tatsachenignorierende Glorifizierung des Provisionsverbotes in Großbritannien.

Beratungslücke in Großbritannien

Unsere Verbraucherschützer sind offensichtlichen die Einzigen, die noch nichts von der tatsächlichen Beratungslücke dort seit Einführung des Provisionsverbotes gehört haben. Verbraucher mit mittlerem und geringem Einkommen können sich in Großbritannien keine Honorarberatung leisten und fallen in eine Beratungslücke. So das Ergebnis eines Berichts des britischen Finanzministerium HM Treasury sowie der Aufsichtsbehörde Financial Conduct Authority.

Wie auch schon beim apodiktisch eingefärbten Blick der “Verbraucherschützer” auf die britischen Erfahrungen kann wohl auch bei dem niederländischen  Bericht unterstellt werden, dass hier einige wenige, die eigene Dogmatik unterstützende Punkte herausgegriffen wurden. Ein kurzer Blick in einen der in Bezug genommenen niederländischen Berichte zeigt, dass es sich dort um nicht repräsentative Stichproben handelt.

Klares Bekenntnis zum Provisionssystem

Die deutsche Politik – wie auch Brüssel mit seinen Vorgaben über die IDD und MiFid II – hat sich klar zum Provisionssystem bekannt. Wir haben gerade erst lang, ernsthaft, ausführlich und sehr kontrovers das Thema Provisionsverbot diskutiert und der Gesetzgeber ist nach einer ausführlichen Abwägung zu einem richtigen Ergebnis gekommen. Richtig für die Verbraucher, die auch bei der Grundabsicherung von Risiken und Altersvorsorge eine gute Beratung wollen und benötigen. Richtig auch für die die vielen qualifiziert und in Kundeninteresse arbeitenden Finanzdienstleister, die für ihre Tätigkeit auch angemessen vergütet sein sollen. Wir werden auch weiterhin eine friedliche Koexistenz der Vergütungssysteme habe.

Schlechte und fehlerhafte Finanzberatung in Verbraucherzentralen

Das Problem mit solchen Statements des Bundesverband Verbraucherzentralen zu diesem Thema ist, dass man ihnen ohne valide Quellenüberprüfung seit längerem kein Wort mehr glaube kann, da dort regelmäßig Fakten aus dem Zusammenhang gerissen werden. Es bleibt einmal mehr der Hinweis in Richtung der Verbraucherzentralen, dass sie sich – obwohl bei Ihnen Versicherungs- und Finanzanlagenberatung stattfindet – als außerhalb des Regulierungsregimes stehen sehen. Anzunehmen, dass sie auch die von der IDD vorgeschriebene jährliche Weiterbildungspflicht von 15 Stunden für ihre eigenen BeraterInnen nicht als erforderlich ansehen.

Daher: Ich befürchte auch weiterhin schlechte und fehlerhafte Finanzberatung mit ernstzunehmenden Folgen für die Altersvorsorge der Verbraucherinnen und Verbraucher in den Verbraucherzentralen.

Foto: Wirth-Rechtsanwälte

Norman Wirth von der Kanzlei Wirth-Rechtsanwälte ist Geschäftsführender Vorstand des AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V.

 

Mehr Beiträge zum Thema:

Beenken: “Ausschließlichkeitsvertreter und Großvermittler haben einen gewissen Vorteil”

LV-Provisionsdeckel: Vorfinanzierung der Bestandscourtage als Ausweg?

“Der Einzelkämpfer ist bereits heute ein Auslaufmodell”

LV-Provisionsdeckel: Drei Szenarien und ihre Auswirkung auf die Vergütung

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

BPK 2017: HanseMerkur legt deutlich zu

Die HanseMerkur Versicherungsgruppe hat auf ihrer diesjährigen Bilanzpressekonferenz die Unternehmenszahlen präsentiert. Vorstandsvorsitzender Eberhard Sautter zeigt sich angesichts eines schwierigen Jahres 2017 hochzufrieden mit den Ergebnissen.

mehr ...

Immobilien

Stärkster Preisanstieg bei Wohnimmobilien seit Mitte 2017

Die unstete Preisentwicklung der letzten Monate bei Wohnimmobilien setzte sich auch im März fort: Ausgerechnet die Preise für Neubauhäuser, die in den letzten zwölf Monaten immer angestiegen waren, gingen im März 2018 im Vergleich zum Vormonat um 0,22 Prozent zurück. Derweil stiegen die Preise für Bestandshäuser und Eigentumswohnungen mit jeweils über einem Prozent vergleichsweise deutlich.

mehr ...

Investmentfonds

Draghi lässt sich von gestiegenen Rohstoffpreisen nicht beeindrucken

Der zunehmende Inflationsdruck führt dazu, dass einige Marktteilnehmer befürchten, die Europäische Zentralbank könnte den Leitzins schneller als bisher erwartet anheben. Doch es gibt Gründe, die dafür sprechen, dass die Geldpolitik zunächst expansiv bleibt.  Gastbeitrag von Carsten Mumm, Donner & Reuschel 

mehr ...

Berater

Ex-Sparkassenchef muss doch nicht vor Gericht

Der ehemalige Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon muss doch nicht vor Gericht. Der frühere bayerische Finanzminister soll per Strafbefehl zu 140 Tagessätzen wegen Steuerhinterziehung verurteilt werden, wie Oberstaatsanwältin Anne Leiding ankündigte. Darauf hätten sich die beteiligten Parteien in einem Rechtsgespräch geeinigt.

mehr ...

Sachwertanlagen

HSH-Abwicklungsbank sieht Schifffahrtskrise durchschritten

Die Abwicklungsgesellschaft der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein für faule Schiffskredite der HSH Nordbank hat im Jahr 2017 einen Verlust von 44,4 Millionen Euro gemacht und damit das Minus deutlich reduziert.

mehr ...

Recht

Bürgschaften sind keine nachträglichen Anschaffungen

Wird ein Gesellschafter im Insolvenzverfahren als Bürge für Verbindlichkeiten der Gesellschaft in Anspruch genommen, so kann er dies nicht mehr als nachträgliche Anschaffungskosten werten und somit auch nicht mehr steuermindernd geltend machen. Dies entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in einem aktuellen Urteil (Aktenzeichen: IX R 36/15). Gastbeitrag von Holger Witteler, Kanzlei Husemann, Eickhoff, Salmen & Partner

mehr ...