22. Juni 2011, 19:17
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Baufertigstellungen nur geringfügig gestiegen

Im Jahr 2010 wurden in Deutschland knapp 160 000 Wohnungen fertig gestellt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das lediglich 845 Wohnungen oder 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Angesichts der schwachen Zahlen, fordert der BFW von der Politik einen stabilen Investitionsrahmen für die Branche.

Umbau-abschluss-richtfest-127x150 in Baufertigstellungen nur geringfügig gestiegen Auch nach Interpretation von Destatis weisen die Zahlen ausgehend von dem in 2009 erreichten niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung nur eine leichte Erholung im Wohnungsbau. “Der Wohnungsneubau liegt seit Jahren unter dem tatsächlichen Bedarf. In Deutschland müssten jährlich rund 250.000 Wohnungen neu gebaut werden. 2010 waren es jedoch lediglich 160.000, also rund 100.000 Wohnungen weniger als benötigt, um ausgewogene Mietmärkte zu gewährleisten” kritisiert Walter Rasch, Präsident des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW)

In neu errichteten Wohngebäuden wurden 2010 laut Destatis insgesamt rund 140 000 Wohnungen fertig gestellt (plus 2,6 Prozent gegenüber dem Jahr 2009). Dabei nahmen die Fertigstellungen von Wohnungen in Einfamilienhäusern um 2,7 Prozent, die von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern um drei Prozent zu. In Zweifamilienhäusern hingegen gab es den Statistikern zufolge einen Rückgang um 2,8 Prozent.

BFW-Chef Rasch warnt angesichts der Zahlen, die Grenzen der sozialen Belastbarkeit zu beachten: “Eine weitere Verschärfung der energetischen Anforderungen wie durch eine neue EnEV sind sowohl für Interessenten von Wohneigentum als auch für Mieter nicht verkraftbar. Im Neubaubereich ist es nicht mehr möglich, für alle Mietmärkte qualifizierten Neubau anzubieten. Nicht nur die Grundstückspreisentwicklung, sondern auch überzogene technische Anforderungen an Energie-, Brand- und Schallschutz sowie Zusatzanforderungen an das neue Marktsegment altersgerechtes Wohnen sind so preisbestimmend, dass kostendeckende Neubaumieten auch in schwachen Regionen mit marktüblichen Grundstückspreisen bei circa neun Euro pro Quadratmeter liegen müssen. Damit wird der Neubau, der bereits nach jetzigem Standard erheblich optimierte Energiebilanzen aufweist, zusätzlich reduziert. Vor allem auf dem Mietwohnungsmarkt in Wachstumsregionen droht eine neue Versorgungslücke. Preisgünstiger Wohnraum wird zur Mangelware”, erklärt Rasch.

Auch auf die Wohneigentumsquote hätten die verschärften energetischen Anforderungen erhebliche Auswirkungen. Während laut BFW die Kaufkraft seit 2002 nur noch um vier Prozent zunahm, stiegen die Preise für neue Wohngebäude um 16,5 Prozent, wobei mit jeder Verschärfung der EnEV die Schere weiter auseinander gehe. Damit würden immer weitere Schichten von Wohneigentum ausgeschlossen, so Rasch.

Von der Politik fordert der BFW-Präsident neben einem klaren politischen Signal, an der EnEV 2009 mittelfristig festzuhalten, steuerliche Anreize auch für den Neubau zu schaffen. Rasch schlägt eine Verdopplung der linearen Absetzung für Abnutzung (AfA) von bisher zwei auf vier Prozent vor. Zudem dürfe die Politik den Ersatz-Neubau nicht länger stiefmütterlich behandeln: “Ersatz-Neubau sollte im Rahmen der KfW-Förderprogramme gleichberechtigt mit Augenmaß gefördert werden, damit gewährleistet wird, dass nicht mehr sanierungswürdige Gebäude durch einen zukunftssicheren Neubau ersetzt werden. Im Einzelfall kann dies die wirtschaftlichere Alternative gegenüber der energetischen Sanierung sein”, sagt der BFW-Präsident. (te)

Foto: Shutterstock

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