Rosinen, Zitronen und viel Neuland

Betrachtet man die einzelnen Länder beziehungsweise regionalen Büromärkte, sind dabei folgende Einschätzungen hervorhebenswert:

– In vielen Ländern Europas ist das Immobilienvermögen der offenen Fonds im Vergleich zum Gesamtmarkt zu unbedeutend, als dass von den Fondsverkäufen signifikante Effekte auf die Marktentwicklung ausgehen würden. Dies gilt etwa für Großbritannien, Schweden, Finnland, Österreich, Spanien und Ungarn. Hier ergeben sich für potenzielle Kaufinteressenten sogar eher Chancen als Risiken.

– Ganz anders sieht die Situation in den Niederlanden aus, da insbesondere in den Hauptstandorten Amsterdam, Rotterdam und Utrecht in großem Stil Fondsobjekte abverkauft werden müssen. Dies gestaltet sich nicht nur wegen der momentanen Flaute am niederländischen Investmentmarkt, sondern auch wegen der starken Konzentration der Fondsobjekte in problembehafteten dezentralen Lagen als schwierig (vor allem in Amsterdam). Wenigstens hält sich der Leerstand in den Bürogebäuden der untersuchten Fonds noch in Grenzen. Das besonders hohe Investmentüberangebot in Rotterdam erklärt sich dadurch, dass hier viele Großimmobilien im Wert ab 60 Millionen Euro von den Fonds gehalten und künftig am Investmentmarkt angeboten werden.

– Luxemburg weist neben Rotterdam das stärkste Missverhältnis zwischen Fondsinvestments und vergangenen Transaktionsvolumina auf. Die Investmentaktivitäten wurden am Markt von Luxemburg in den letzten Jahren jedoch durch den Mangel an geeigneten Anlageobjekten beschränkt: Da sich gut die Hälfte des Investmentvolumens der elf Fonds auf neuere, nahe der Innenstadt beziehungsweise auf dem Kirchberg gelegene Objekte bezieht, dürften die Fondsverkäufe den Luxemburger Investmentmarkt sogar beleben. Die Preise für Büroimmobilien in Bertrange, wo sich der Großteil der peripheren Investments in Luxemburg konzentriert, werden dagegen unter Abwärtsdruck geraten.

– Deutschland nimmt eine Zwischenstellung ein: Das zusätzliche Investmentangebot im Zuge der Fondsauflösung erscheint grundsätzlich verkraftbar, wenn man einmal vom Fall Berlin absieht, wo insbesondere am Potsdamer Platz und Umgebung sehr viele Fondsobjekte auf den Markt geworfen werden. Auffällig ist, dass viele der deutschen Fondsobjekte – auch aufgrund ihres relativ hohen Baualters – einen vergleichsweise hohen Leerstand aufweisen. Zudem haben sie ihren Mikrostandort in einigen Märkten, wie zum Beispiel Frankfurt, häufig in hinsichtlich Wiedervermietung und Verkauf schwierigen Teilmärkten. Dies steht einer Erholung der Preise im Bürosegment jenseits von Core möglicherweise entgegen. Die großen regionalen Unterschiede in den Kennziffern (beispielsweise Berlin vs. München) verdeutlichen aber, dass der Trend innerhalb Deutschlands nicht einheitlich verlaufen wird.

Seite 4: Ile de France ist besonders betroffen

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