14. Oktober 2016, 12:16
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Zinskommentar: Spannung vor viertem Quartal

Die lockere Geldpolitik der FED und der Europäischen Zentralbank führt Anfang Oktober zu einem Bestzins für zehnjährige Hypothekendarlehen von 0,68 Prozent – und erreicht damit ein neues Rekordtief. Gastkommentar von Stephan Gawarecki, Dr. Klein & Co. AG.

Dr -Klein-Stephan-Gawarecki in Zinskommentar: Spannung vor viertem Quartal

“Gerade im vierten Quartal könnten sich die Notenbanken und auch die Staatsanleihen bewegen, was sich dann auch wiederum auf die Baufinanzierungszinsen auswirken würde.”

Die Anspannung war an den US-Börsen spürbar, auch wenn ein Großteil der Experten davon ausging, dass Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank (FED), eher vorsichtig agieren und damit die Anhebung des amerikanischen Leitzinses zumindest vertagen würde. Was sie auch tat: Der Leitzins bleibt vorerst gleich.

Die Stimmen der so genannten “Tauben”, also jener Marktteilnehmer, die für eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik argumentieren, fanden somit erneut Gehör. Zu deren gewichtigsten Argumenten zählen die stagnierende Inflationsrate und die noch unsichere Lage am Arbeitsmarkt. Kriterien, wegen der Yellen in der Vergangenheit die Konjunkturerwartungen zwei Mal in Folge nach unten korrigieren musste.

Aufschwung in Sicht

Ein Aufschwung scheint jedoch in Sicht: Jüngst berichteten amerikanische Medien, dass die heimische Wirtschaft in größerem Maße wachse als aufgrund von Unsicherheiten hinsichtlich des Präsidentschaftswahlkampfes angenommen. Nun scheint zumindest dieses Argument ausgehebelt. Außerdem brachte Yellen aktuell den Ankauf von Unternehmensanleihen ins Gespräch.

Die EZB hatte schon im Juni damit begonnen, Unternehmensanleihen zu erwerben, um weiter günstiges Geld in den Markt zu pumpen. Damit sollen die Voraussetzungen für Kredite optimiert werden, um vermehrt Investitionen zu generieren und auf diese Art die Wirtschaft zu beflügeln. Anders als in Europa müsste in den USA für den Ankauf von Unternehmensanleihen jedoch noch eine Gesetzesänderung erfolgen.

Steigerung der Verbraucherpreise in Deutschland

Im September stieg die deutsche Inflationsrate auf 0,7 Prozent und damit um 0,3 Prozentpunkte zum Vormonat und rangiert auf einem deutlich höheren Niveau als im Vorjahr (September 2015: 0,0 Prozent).

So zaghaft diese Entwicklung auch ist, sie könnte als Frucht der EZB-Politik gewertet werden. Der gewünschte Kreislauf – geringer Leitzins, günstige Kredite, Unterstützung der Wirtschaft, mehr Geld im Umlauf – hat eine Erhöhung der Inflation zur Folge. Der Zielwert der EZB liegt allerdings bei zwei Prozent.

Anfang Oktober wurden Spekulationen laut, nach denen die EZB einen sukzessiven Austritt aus ihren Käufen von Bundesanleihen plane. Die EZB dementierte diese Gerüchte. Doch am Markt bleibt ein Stück Verunsicherung zurück.

Würde sich die EZB aus dem Anleihekaufprogramm zurückziehen oder auch die US-Notenbank ihre Referenzzinssätze erhöhen, könnten langfristig die Kurse der Bundesanleihen sinken, ihre Rendite und damit ihre Zinsen würden steigen, was sich wiederum auf die Baufinanzierungszinsen auswirkt.

Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken.

Ziko Oktober 2016 Cs6 Drklein 300 in Zinskommentar: Spannung vor viertem Quartal

Baufinanzierungszinsen weiterhin sehr günstig

Im September war die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen erstmals seit Juli wieder im positiven Bereich zu verzeichnen. Derzeit dotiert sie jedoch wieder im negativen Bereich. Durch diese Entwicklung – hin zu wieder geringeren Renditen – werden niedrige Bauzinsen begünstigt.

Im Oktober finden unsere Kunden nochmals günstigere Zinsen vor, ein erneutes Allzeittief. Gerade im vierten Quartal könnten sich die Notenbanken und auch die Staatsanleihen bewegen, was sich dann auch wiederum auf die Baufinanzierungszinsen auswirken würde. Doch der Zusammenhang zwischen EZB-Leitzins und den Baufinanzierungszinsen ist kein direkter, und auch eine Veränderung der Renditen der Staatsanleihen zeigt sich nur verzögert.

Autor Stephan Gawarecki ist Vorstandssprecher der Dr. Klein & Co. AG, Lübeck.

Foto: Dr. Klein

Ihre Meinung



 

Versicherungen

“Sie können Ihre Kunden mit ‘MeinPlan Kids’ lebenslang begleiten”

Die Lebensversicherung von 1871 a. G. München (LV 1871) bringt mit „MeinPlan Kids“ zum Start der DKM eine neue Anlagelösungen für Kinder auf den Markt. Damit können Eltern, Großeltern oder Paten genauso wie Freunde der Familie für ein Kind vorsorgen – unabhängig vom Versicherungsnehmer.

mehr ...

Immobilien

Mieter sparen sich arm

Die Ersparnisse von deutschen Mietern schmelzen dahin: Laut einer aktuellen Postbank Umfrage legen sie ihr Geld im Vergleich zu Immobilienbesitzern seltener gewinnbringend an. So öffnet sich die finanzielle Schere zwischen Mietern und Eigentümern immer weiter.

mehr ...

Investmentfonds

Berater der Zukunft

Aus einer Dienstleistung, die bisher den Vermögenden vorbehalten war, sollte durch Robo Advisor ein Anlageprodukt für alle entstehen. Wie sieht es heute aus? Ein Beitrag von Sven Keese, Partner, und Fabian Neumann-Holbeck, Projektleiter bei disphere interactive GmbH.

mehr ...

Berater

Neuer Ärger für Deutsche Bank

Die Deutsche Bank sieht sich mit neuen Vorwürfen zu früheren Geschäften in China konfrontiert. In den Jahren 2002 bis 2014 soll sich Deutschlands größtes Geldhaus mit Hilfe von Geschenken und Gefälligkeiten Zugang zu führenden Politikern und Managern in China verschafft haben, berichten “Süddeutsche Zeitung”, WDR und “New York Times” unter Berufung auf eine Auswertung von bankinternen Unterlagen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Weiteres Projekt nur für institutionelle Investoren

Die Warburg-HIH Invest Real Estate hat für den offenen Spezial-AIF „Deutschland Selektiv Immobilien Invest“ die Gebäudeteile Dock A + Dock B des Neubauprojektes “The Docks” in Frankfurt am Main erworben. Für den Nachfolgefonds müssen die Investoren etwas Kleingeld mitbringen.

mehr ...

Recht

Roland: Die Wahrheit über die häufigsten Rechtsirrtümer

Eric Schriddels, Partneranwalt der Roland Rechtsschutz-Versicherungs-AG von der Kanzlei Kaiser und Kollegen, klärt in einer aktuellen Presse-Information des Versicherers über die häufigsten Rechtsirrtümer auf. Welche das sind, lesen Sie hier.

mehr ...