Trotz der turbulenten Entwicklung am Goldmarkt im ersten Quartal blieb die physische Nachfrage solide und rechtfertigt eine langfristig konstruktive Einschätzung. Mit weiterer Volatilität am Papiermarkt muss allerdings gerechnet werden, analysiert Carsten Menke, Head Next Generation Research bei Julius Bär:
Sitzungen der US-Notenbank sind immer zentral für den Goldmarkt. Obwohl sie gegen Ende des Handels am Mittwoch für einige Volatilität sorgten, reagierten die Preise kaum auf die weithin erwartete Entscheidung, die Zinsen unverändert zu lassen. Dies könnte auch die Erkenntnis widerspiegeln, dass externe Faktoren – der Iran-Krieg und seine Auswirkungen auf die Energiepreise und die Inflation – den Kurs der US-Geldpolitik bestimmen könnten. Die Goldpreise fielen, als die Ölpreise stiegen, was darauf hindeutet, dass der Markt steigende Inflationsrisiken und eine mögliche Reaktion der Zentralbank stärker fürchtet als zunehmende Wachstumsrisiken.
Solche kurzfristigen und mitunter starken Schwankungen spiegeln typischerweise die Bewegungen am Papiermarkt wider, nicht am physischen Markt. Sie sind das Ergebnis von Positionsglättungen durch spekulative Terminhändler und Trendsurfer, nicht durch Anleger, die nach sicheren Häfen suchen. Viele Anleger stufen diese Bewegungen als verzerrendes Element ein, doch man sollte die Bedeutung des Papiermarkts als einflussreicher Faktor für die Preisentwicklung von Gold nicht unterschätzen.
Die ersten Monate dieses Jahres sind ein typisches Beispiel dafür. Es war eine Achterbahnfahrt für die Preise, die von rund 4.300 US-Dollar pro Unze auf über 5.500 US-Dollar pro Unze stiegen und dann auf bis zu 4.100 US-Dollar pro Unze fielen – wenn auch nur sehr kurzzeitig. Dies geschah, obwohl die physische Nachfrage, insbesondere von Investoren und Zentralbanken, sehr solide blieb. Wie der World Gold Council am Mittwoch berichtete, lag die Investitionsnachfrage im ersten Quartal dieses Jahres weiterhin deutlich über 500 Tonnen.
Innerhalb dieses Segments glich die rekordhohe Nachfrage nach Barren und Münzen, die oft mit Privatanlegern in Verbindung gebracht wird, die etwas schwächere Nachfrage nach physisch gedeckten Produkten aus. Die Käufe der Zentralbanken legten erneut zu, möglicherweise aufgrund des Preisrückgangs. Insgesamt kauften Anleger und Zentralbanken fast 780 Tonnen Gold, was den viertgrößten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen darstellt und rund 65 % der Gesamtnachfrage ausmacht. Im Gegensatz dazu sank die Nachfrage nach Schmuck auf 300 Tonnen, den niedrigsten Wert, der jemals in einem ersten Quartal verzeichnet wurde. Der Rückgang der Schmucknachfrage ist ein charakteristisches Merkmal des aktuellen Gold-Bullenmarktes. Er sollte nicht als Zeichen von Schwäche gewertet werden, da preisunempfindliche Käufer – also Investoren und Zentralbanken – preisempfindliche Käufer verdrängen. Investoren und Zentralbanken sind preisunempfindlich, da sie in der Regel eine bestimmte Goldallokation in ihren Portfolios anstreben. Verbraucher, die Schmuck kaufen wollen, sind hingegen preissensitiv, da sie sich ein Stück entweder leisten können oder nicht.
Die strukturellen Grundlagen des physischen Marktes bleiben somit bestehen und untermauern unsere langfristig konstruktive Einschätzung für Gold. Dennoch dürfte es noch etwas dauern, bis der jüngste Schock überwunden ist. Kurzfristige Volatilität, die vom Papiermarkt ausgeht, ist ein ständiger Begleiter und tritt typischerweise in Zeiten starker Preistrends stärker in den Vordergrund.













