Der Goldpreis notiert am Mittwochvormittag rund 18 Prozent unter seinem Rekordhoch, im März lag der Abstand zeitweise sogar bei 27 Prozent. Trotz dieser starken Schwankungen liegt das Edelmetall seit Jahresbeginn noch immer rund 6 Prozent im Plus. Dabei sollte man berücksichtigen, dass der Goldpreis zuvor drei Jahre in Folge gestiegen ist. Kurz- bis mittelfristige Gewinnmitnahmen sind in diesem Umfeld nicht ungewöhnlich, sondern eher ein gesunder Teil des Trends.
Der starke Rückgang im März hatte mehrere Ursachen, darunter Liquiditätsengpässe, ein stärkerer US-Dollar und wieder aufkommende Zinssorgen, die gemeinsam eine Abwärtsspirale auslösten. Turbulenzen an den Aktienmärkten zwangen Investoren dazu, Gold zu verkaufen, um Margin Calls zu bedienen – ein Phänomen, das als „Margin-Call-Paradox“ bekannt ist. Aktuell belasten vor allem die gestiegenen Ölpreise. Sie dämpfen die Hoffnung auf Zinssenkungen, treiben die Inflation nach oben und lassen die Anleiherenditen steigen.
Für einen nachhaltigen Anstieg des Goldpreises braucht es daher idealerweise eine Kombination aus Zinssenkungen der Fed, fallenden Renditen und einem schwächeren US-Dollar. Kurzfristig ist dieses Szenario mit erheblichen Hürden verbunden. Sollte jedoch absehbar werden, wie und wann der Iran-Konflikt gelöst wird und die Ölpreise wieder fallen, dürften auch die Inflationserwartungen und Anleiherenditen nachgeben. Das würde den Dollar unter Druck setzen, Gold für internationale Anleger attraktiver machen und dem Preis neuen Auftrieb geben. Das Bild kann sich also schnell drehen.
Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.













