Anzeige
18. Februar 2016, 08:22
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Wirkung der EZB-Anleihekäufe auf Vermögenswerte nicht eindeutig

Ob das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) die Einkommens- und Vermögensungleichheit im Euroraum erhöht oder verringert, lässt sich einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zufolge bislang nicht eindeutig klären.

Banken-EZB-Aufsicht-Frankfurt in Wirkung der EZB-Anleihekäufe auf Vermögenswerte nicht eindeutig

EZB-Zentrale in Frankfurt

Kurzfristig dürfte der im Frühjahr 2015 gestartete umfangreiche Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen durch die Zentralbank zu einer Steigerung der Vermögenspreise geführt haben, von der vor allem wohlhabende Haushalte profitieren. Die Vermögensungleichheit sei damit mutmaßlich gestiegen. Ob diese Verteilungswirkung jedoch langfristig anhält oder ausgeglichen wird, hängt unter anderem vom Erfolg der ultralockeren Geldpolitik ab und ist bislang noch nicht abzuschätzen, so die Experten des DIW. Geringverdienende oder verschuldete Haushalte können langfristig profitieren, wenn das Programm zu einer wirtschaftlichen Erholung beiträgt, die zu besseren Beschäftigungschancen und einer höheren Inflation führt.

Abgrenzung und Quantifizierung der Effekte schwierig

Seit März 2015 und mindestens bis März 2017 kauft die EZB für 60 Milliarden Euro im Monat Schuldtitel von Unternehmen und Staaten des Euroraums, um die Deflationsgefahr zu bannen. Inwieweit sie damit auch die Einkommens- und Vermögensungleichheit beeinflusst, wurde bislang noch wenig untersucht. Weil die Zinsänderungen der Zentralbank, aber auch ihre Anleihekäufe das allgemeine Zinsniveau und die Vermögenspreise beeinflussen, kann es zu erheblichen Verteilungswirkungen kommen. Eine genaue Quantifizierung ist jedoch nur schwer möglich, da die Wirkungen der Geldpolitik auf die Vermögensverteilung von anderen – wie etwa konjunkturell bedingten –Wirkungen kaum abzugrenzen sind.

Sechs Wirkungskanäle im Fokus

Die DIW-Wissenschaftler Benjamin Beckers, Kerstin Bernoth und Philipp König haben nun analysiert, auf welchem Wege die expansive Geldpolitik und besonders das Anleihekaufprogramm die Ungleichheit von Einkommen und Vermögen im Euroraum beeinflussen können. Sie konzentrierten sich dabei auf sechs Wirkungskanäle, für die sie teils gegenläufige Trends konstatierten. Wie schwierig eine Bewertung ist, zeigt allein die Analyse des Zinsrisikokanals: So profitieren von einer Zinssenkung Haushalte, die sich verschulden wollen. Andererseits sinken Zinsen auf Guthaben, sofern diese nicht umgeschichtet werden. Gleichzeitig steigen Nachfrage und Preise alternativer Anlageprodukte wie Immobilien sowie Aktien, und auch der Kurswert von langlaufenden, festverzinslichen Anleihen zieht an.

“Wer genau die Gewinner und Verlierer dieser Entwicklung sind, lässt sich ohne weitere Forschung nicht genau sagen. Da Aktien, Anleihen und Immobilien aber hauptsächlich von Vermögenden und nicht von ärmeren Menschen gehalten werden, ist es wahrscheinlich, dass die Vermögensungleichheit zunächst erst einmal steigt”, so die Autoren.

Langfristige Wirkung unklar

Wie sich Anleihekäufe langfristig auswirken, sei jedoch derzeit völlig unklar. “Auf der einen Seite dürften sich exzessive Wertsteigerungen, zum Beispiel bei Aktien, mit der Zeit wieder korrigieren”, so die Autoren. “Auf der anderen Seite können Wertzuwächse und Wertverluste durchaus bei unterschiedlichen Haushalten anfallen und damit auch längerfristige Verteilungswirkungen entfalten.” Weniger vermögende Haushalte könnten allerdings dann profitieren, wenn das Programm erfolgreich dazu beitrage, die Wirtschaft und damit den Arbeitsmarkt und die Inflation zu stabilisieren und zu beleben. Die Wissenschaftler plädieren aufgrund der ungewöhnlichen Größe des Programms dafür, die Verteilungswirkungen näher zu untersuchen und eventuell nachteilige Verteilungswirkungen während eines Ausstiegs aus der ultralockeren Geldpolitik zu berücksichtigen. (fm)

Foto: Shutterstock

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Biotech-Fonds – Kfz-Policen – Versicherungen für Wohneigentum – Family Offices

Ab dem 19. Oktober im Handel.

Cash.Special 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Herausforderungen 2018 – bAV-Reform – Elementarschadenversicherung – Digitale Geschäftsmodelle

Ab dem 24. Oktober im Handel.

Versicherungen

xbAV Beratungssoftware mit neuem Geschäftsführer

Boris Haggenmüller verantwortet als Geschäftsführer seit September 2017 das operative Geschäft der xbAV Beratungssoftware GmbH. Zuvor war er der verantwortliche Prokurist des Tochterunternehmens der xbAV AG.

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Die Service-Champions

Welche Banken bieten deutschen Kunden den besten Kundenservice bei der Baufinanzierung? Die Kölner Beratungsgesellschaft Servicevalue hat Kunden der Banken hierzu befragt. Eine Bank konnte besonders überzeugen und sicherte sich einen “Gold-Rang”.

mehr ...

Investmentfonds

Finanzbranche befürchtet Blasenbildung an Märkten

Die Politik der Europäischen Zentralbank hat bereits zur Blasenbildung an den Finanzmärkten geführt, oder wird dies noch tun. Dessen ist sich die Finanzbranche sicher. Die Mehrheit wünscht sich den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik, hält dies jedoch gleichzeitig für unwahrscheinlich.

mehr ...

Berater

Insurtechs: Die fairsten digitalen Versicherungsmakler aus Kundensicht

Welche digitalen Versicherungsmakler werden von ihren Kunden als besonders fair wahrgenommen? Das Kölner Analysehaus Servicevalue hat gemeinsam mit Focus-Money die Kunden von 24 Anbietern befragt. Neun von ihnen erhielten die Note “sehr gut”.

mehr ...

Sachwertanlagen

IPP-Fonds der Deutschen Finance schütten aus

Der Asset Manager Deutsche Finance aus München kündigt für seine beiden Fonds IPP Institutional Property Partners Fund I und Fund II Auszahlungen für das Geschäftsjahr 2016 an die Privatanleger an.

mehr ...

Recht

IDD: Umsetzung könnte in Teilen verschoben werden

Wie der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. mitteilt, könnte sich der Umsetzungstermin von Teilen der europäischen Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verschieben. Die delegierten Rechtsakte sollen nach dem Willen des europäischen Parlaments demnach erst im Oktober 2018 in Kraft treten.

mehr ...