„Die Regulierung kann das gefährliche Gefühl eines sicheren Produktes geben“

Marcus H. Schiermann ist als Inhaber und Aufsichtsratsvorsitzender der Unternehmer hinter dem Pflegeheimspezialisten Immac und der HKA Hanseatische Kapitalverwaltung AG sowie der DFV AG. Cash. sprach mit ihm über seine Erfahrungen mit der Regulierung.

"Anleger sind oft emotional, die Regulierung kann dem Anleger auch das Gefühl eines sicheren Produktes geben. Dies hingegen ist gefährlich. Jede Sachwertbeteiligung bleibt eine unternehmerische Beteiligung."
„Anleger sind oft emotional, die Regulierung kann dem Anleger auch das Gefühl eines sicheren Produktes geben. Dies hingegen ist gefährlich. Jede Sachwertbeteiligung bleibt eine unternehmerische Beteiligung.“

Cash.: Die Hanseatische war im Herbst 2013 das erste Unternehmen, das eine Zulassung der Finanzaufsicht BaFin als Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) erhielt. Was ist Ihr Resümee nach drei Jahren?

Schiermann: Grundsätzlich erleben wir eine Professionalisierung des Marktes. Einerseits verfügte die Hanseatische recht früh über die KVG-Lizenz, aber dies führte andererseits nicht sofort zu einem Wiedereintritt in den Markt. Viele Details zur Regulierung der neuen AIF-Produkte standen noch aus, sodass es weitere Zeit benötigte, die ersten AIF zu konzipieren. Wir mussten bis heute lernen, dass sich durch die Regulierung eine völlig neue Unternehmensgrundlage ergeben hat. Die logistischen Prozesse haben sich verändert, die Prospektierungen und Genehmigungszeiten für die Produkte ebenso. Für die Hanseatische als Mengenanbieter eher kleiner Fonds stellt das eine enorme Veränderung dar. Gerade für uns sind effiziente Abläufe zwischen dem Einkauf eines Objektes und dem Emissionsbeginn von sehr hoher Bedeutung.

Wie viele alternative Investmentfonds (AIFs) hat die Hanseatische seitdem aufgelegt?

Seit 2013 haben wir insgesamt elf AIFs aufgelegt, davon sechs Publikums-AIFs als Portfolio- und Objekt-AIFs für Privatanleger und semiprofessionelle Anleger sowie fünf Spezial-AIFs für semiprofessionelle und professionelle Anleger. Für 2016 und Anfang 2017 planen wir, abhängig von den Genehmigungsverfahren, noch bis zu sechs AIFs, wovon drei Publikums- und drei Spezial-AIFs werden sollen.

Zuletzt haben Sie auch die BaFin kritisiert. Was sind Ihre wesentlichen Kritikpunkte?

Es wäre zu einfach, der BaFin die Verantwortung für die Marktveränderung zu geben. Wir sind in einem neuen Markt zu neuen Bedingungen tätig. Diese Bedingungen wurden durch das KAGB geschaffen und bereits mehrfach angepasst. Auch die BaFin musste hierfür erst Prozesse entwickeln und Erfahrungen machen. Grundsätzlich muss unsere Branche lernen, mit einer für sie neuen Aufsicht umzugehen. Kritisiert habe ich an verschiedenen Stellen den Kommunikationsprozess mit der BaFin und den Faktor Zeit, welcher für ein Unternehmen natürlich von hoher Bedeutung ist. Ich denke aber, dass die gemeinsamen Prozesse mit der BaFin immer kontinuierlicher und planbarer verlaufen werden.

Seite zwei: „Mehr Initiative von der BaFin

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