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19. Oktober 2012, 17:00
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Dossier: Versicherungsreport 2012

Die Versicherer in Deutschland befinden sich in steinigem Gelände: Hohe regulatorische Anforderungen, unruhige Kapitalmärkte und wechselwillige Kunden sorgen dafür, dass die Assekuranz auch im nächsten Jahr zahlreiche Anhöhen zu erklimmen hat.

Die Lebensversicherung in Deutschland ist weiter unter Druck

Für die Branche war es ein Mutmacher zur rechten Zeit: Die US-Ratingagentur Fitch gab Anfang Oktober bekannt, dass sie am stabilen Ausblick für die deutschen Lebensversicherer festhalten werde. Man sei der Auffassung, dass die Anbieter den gegenwärtigen Herausforderungen gut gewachsen seien und erwarte deshalb keine wesentliche Zahl von Ratingänderungen in den nächsten zwölf bis 24 Monaten.

Diese positive Nachricht kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mini-Zinsen am Kapitalmarkt den Unternehmen zunehmend Kopfzerbrechen bereiten. Die teilweise weit in der Vergangenheit verkauften Produkte müssen schließlich auch in der Niedrigzinsphase finanziert werden. Schätzungen der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) besagen, dass die Lebensversicherer im kommenden Jahr mit ihren Anlagen einen durchschnittlich garantierten Rechnungszins von 3,2 bis 3,4 Prozent zu erwirtschaften haben.

Enges regulatorisches Korsett

Zudem halten rückwirkende Gerichtsurteile und neue Gesetzesinitiativen, wie zuletzt zur Riester-Rente, die Anbieter in Atem. „Überregulierung, Bürokratie und das Festlegen von Rahmenbedingungen, etwa Beteiligung an Bewertungsreserven, erschweren aus Branchensicht das Handeln der Lebensversicherer“, meint Bharat Bhayani, Partner der Actuarial & Insurance Services beim Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte.

Angesichts dieses engen regulatorischen Korsetts freut sich die Branche über jede Lockerungsmaßnahme. So wurde die Verschiebung des Finanzregelwerks Solvency II auf das Jahr 2015 mit großer Erleichterung aufgenommen.

Dies gilt auch für Frank Hilbert, Vorstandssprecher der Hannoverschen Lebensversicherung, der sich gemeinsam mit Thomas Voigt, Chef der VHV Allgemeine (großes Foto), den Fragen von Cash. stellte:

Welche Herausforderung wird die Assekuranz in Deutschland im nächsten Jahr voraussichtlich am stärksten beschäftigen?

Die Lebensversicherung in Deutschland ist weiter unter Druck

Frank Hilbert, Hannoversche Leben

Hilbert: Im Lebensversicherungsbereich sind das sicherlich die anhaltende Niedrigzinsphase und das herausfordernde Kapitalmarktumfeld.

Voigt: Auch im Kompositbereich beschäftigen uns die Auswirkungen der europäischen Schuldenkrise. Insbesondere in der Kfz-Versicherung muss die sich abzeichnende Tendenz hin zu vernünftigen, risikogerechten Tarifierungen weiter verfolgt werden. Die VHV hat frühzeitig auf Ertragsstärke und Profitabilität gesetzt hat, so dass wir uns auch in einem weiterhin herausfordernden Wirtschafts- und Marktumfeld gut aufgestellt sehen. Bereits im vergangenen Jahr lag der Fokus unserer strategischen Ausrichtung auch auf den Sparten Sach-, Haftpflicht-, Unfall- und Technische Versicherung. Wir haben deren Anteil am Gesamtgeschäft erfolgreich ausgebaut und das streben wir auch im nächsten Jahr an.

Die EU-Richtlinie Solvency II muss nun doch erst ab 2015 angewendet werden. Wie bewerten Sie die Verschiebung?

Hilbert: Das Ziel von Solvency II ist eindeutig richtig und wichtig. Die VHV Gruppe ist gut aufgestellt für die geplanten Solvency II-Regelungen. Wir verfolgen seit vielen Jahren eine auf Substanzstärkung gerichtete Geschäftspolitik und investieren hier überdurchschnittlich. So sind etwa die Eigenmittel kontinuierlich ausgebaut worden. Dass aufgrund von weiteren Tests Erfahrungen gesammelt werden, begrüßen wir. Qualität sollte vor Zeitplan gehen, um sinnvolle und sachgerechte Modelle zu finden.

Infolge der Euro- und Staatsschuldenkrise bleibt das Zinsniveau auf dauerhaft niedrigem Niveau. Wie richten Sie vor diesem Hintergrund Ihre Garantieproduktpolitik in der Lebensversicherung aus?

Hilbert: Grundsätzlich ist es legitim, vor dem Hintergrund der allgemeinen Rahmenbedingungen über Abschnittsgarantien nachzudenken. Fest steht, dass Garantien – die Kernkompetenz der Versicherer – weiterhin wichtig für die Branche bleiben. Die Hannoversche legt aber seit einigen Jahren ihren Produktschwerpunkt auf die Absicherung biometrischer Risiken, bei denen Zinsgarantien keine wesentliche Rolle spielen.

Seite zwei:Jahresendgeschäft über Normalmaß“

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