1. November 2017, 08:00
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Arbeitskraftabsicherung: Neue Denk- und Beratungsmuster gefragt

Rund zwei Drittel der Arbeitnehmer in Deutschland verfügen über keinerlei Absicherung ihrer Arbeitskraft. Das ist ein ernstzunehmendes Problem, da es viele Menschen aus gesundheitlichen Gründen nicht schaffen, bis zum offiziellen Rentenalter ihren Job durchgängig auszuüben. Die Wald-Kolumne

Arbeitskraftabsicherung: Neue Denk- und Beratungsmuster gefragt

“Das Ziel der Beratung ist nicht, ein bestimmtes Produkt zu vermitteln, sondern die Versorgungslücke des Kunden zu schließen.”

Etwa jeder Vierte muss vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Das geschieht entweder dauerhaft oder wie in den meisten Fällen für einen begrenzten Zeitraum zum Beispiel auf Grund einer Krebserkrankung und den damit verbundenen Therapiemaßnahmen. Leider haben etwa zwei Drittel der deutschen Arbeitnehmer ihr Einkommen nicht abgesichert.

Nicht nur fehlt eine BU-Versicherung, die klaffende Versorgungslücke wird leider auch mit alternativen Produkten nicht geschlossen. Die Folge: Vermittler werden ihrem gesellschaftlichen Auftrag nicht gerecht, etwa 26 Millionen unversicherten Menschen dabei zu helfen, gut für ihre Zukunft vorzusorgen.

Dabei geht es vor allem darum, auch im Falle eines wegbrechenden Einkommens aus gesundheitlichen Gründen weiterhin selbstbestimmt und flexibel finanziell agieren zu können. Die Gründe für diese Entwicklungen sind vielfältig, aber eines ist sicher: Die Finanz- und Versicherungsbranche ist nicht ganz unschuldig daran.

Alternative Produkte schließen Versorgungslücke

Über lange Jahre hat die Branche den Bedarf nach Arbeitskraftabsicherung fast ausschließlich über die private Berufsunfähigkeitsversicherung gedeckt, statt auch alternative Produkte im Markt zu positionieren und so alle Bevölkerungsgruppen adäquat abzusichern. Die Beratung folgte dem Verständnis, dass die BU-Versicherung alleiniger Maßstab ist, während alle anderen Produkte den Charakter zweiter, dritter oder vierter Wahl haben.

Die Folge: enttäuschte Erwartungen bei Menschen, die eine private BU-Versicherung aufgrund eines niedrigen Einkommens oder wegen Vorerkrankungen nicht abschließen konnten und daraus resultierende Versorgungslücken.

Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder eine Grundfähigkeitsversicherung mit einer höheren versicherten Rente und einer Laufzeit bis zum Renteneintrittsalter kann beispielsweise für die Vorsorge eines Kunden oftmals sinnvoller sein als eine private Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer zu niedrigen BU-Rente und einer kürzeren Laufzeit. Auch die Absicherung des privaten Krankentagegeldes sollte bei alledem nicht vernachlässigt werden.

Der Begriff “alternative Produkte” wird oft verwendet und ist letztlich falsch gewählt. Alternative Produkte sollten in der Kundenberatung nicht nur als Alternativen zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung dargestellt werden, sondern auch als mögliche komplementäre Produkte. Je nach Kundensituation und -bedarf schließen alternative Produkte eine Versorgungslücke, die sogar trotz einer bestehenden privaten Berufsunfähigkeitsversicherung besteht.

 

Seite zwei: Die richtigen Fragen stellen

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5 Kommentare

  1. Vielen Dank Peter es ist richtig, die Vermittler werden zu Regulativen, denn sie haften für die Ihnen in der Tragweite unbekannten Vermittlungen. Vermittler und Verbraucher verlieren. Verbraucherzentralen kümmern sich nicht um Qualität und vermitteln sogar an eigene Vermittler, obwohl sie die Vermittler alle gemeinschaftlich Absprachen, denn sie sind ja nur Courtagegeil. Dass wir damit alle über einen Kamm geschoren werden und unser Geld erst nach fünf Jahren verdient haben, ist den Herrschaften egal. Sie haben, 13 Monatsgehälter, kassieren Zuwendung vom Staat als auch Honorar vom Kunden ohne entsprechenden Vertrag.

    Kommentar von Frank Dietrich — 2. November 2017 @ 09:27

  2. Scheinbar läuft der Umsatz in den “Alternativmodellen” nicht so, wie gewünscht.. daher schickt man mal ein “schwereres Kaliber” an die Front, wenn schon das Jahrelange Dauerbombardement von F&B den Anbietern nicht den erhofften Umsatz in diesen Segmenten bringt.

    Leidtragende dieser ganzen Marketingaktionen? Wieder mal die Üblichen:
    Potentielle Kunden werden verunsichert, abgeschreckt und auf der anderen Seite die Makler, die derartige BU-Ersatz-Produkte (im Besten Glauben) an ihren Kunden verkaufen.

    Welcher Makler ist denn medizinisch vorbelastet genug, um seinem Kunden z.B. die unterschiedlichen “KREBS” Definitionen in den diversen DD Policen zu erläutern und – noch wichtiger! – Haftungssicher zu dokumentieren?

    Kommentar von Peter Wolnitza — 2. November 2017 @ 09:21

  3. Da hat Hr. Kemnitz natürlich uneingeschränkt recht. Mit der ständigen Diversifizierung, begonnen hat dies wie so oft mit den Beamten die in der Kfz-und anderen Versicherungen Sonderrechte einforderten. Wer so Konservativ ist und ausgeschlafen Aut fährt, soll weniger Unfälle verursachen. Nur wenn es um den Ruhestand geht, müssen Beamte früher als der normale Rentner in den Ruhestand. Mit anderen Worten: Diese müssen ja auch unter extremen Gesundheitlichen Zuständen auto gefahren sein Aktuell sind wir soweit das, aus meiner Sicht einige Vorstände für einen kurzen zeitlichen Vorteil, um aufzufallen, immer neue “günstigere” Tarife auf den Matkt bringen. Abgesehen von einer unüberschaubaren Vielfalt immer “besserer Tarife, bleibt das Versicherungsprinzip auf der Strecke. Bald werden die Banken auch Einzelabsicherungen anbieten.
    Heute sind wir soweit das nicht nur die PLZ sondern u.U. auch die direkte Adresse in der Hausratversicherung unterschiedliche Tarife erfordert. Gleichwohl sind es diesselben Vorstände die echte Innovationen von außen abblocken, das Ihr Geschäft ohne diesen Krampf deutlich erhöhen würde. Dies wird aber vom Management abgeblockt. Alles kranke Detailfuzzelei. Der große Wurf a la Silicon Valley ist Fehlanzeige. Mit deutschen Managern nicht zu machen.

    Kommentar von Wilfried Strassnig Versicherungsmakler — 1. November 2017 @ 17:19

  4. Richtig. Wessen Hand mich nähert…..! auch gibt es keine Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Das sollte auch langsam in den Geschäftsetagen durchgedrungen sein. Auch im Rest kann ich meinem Kollegen nur Recht geben. Hier werden schöne Reden geschwungen, die gänzlich ohne Nachhaltigkeit sind und den realen Hintergrund vermissen lassen. Auch ist es ein gesellschaftliches Problem, das Risiko weit früher wahrzunehmen und nicht erst auf das Ergreifen eines Berufes zu warten, wie manche Verbraucherschützer schon empfohlen haben. Schauerlich!

    Kommentar von Frank Dietrich — 1. November 2017 @ 13:04

  5. Ich kann durchaus verstehen, dass ein Vertriebsleiter einer Versicherungsgesellschaft so argumentiert.

    Aber was hilft einem Verbraucher, der „nur“ berufsunfähig wird – dadurch aber trotzdem Job und Einkommen verliert, eine Erwerbsunfähigkeits- oder Grundfähigkeitsversicherung? Richtig – gar nichts! Im Gegenteil – dann müssten die Beiträge für diese so genannten Alternativen sogar noch weiterbezahlt werden.

    Und wenn sich heute ganze Berufsgruppen keinen ausreichenden BU-Schutz mehr leisten können, dann ist das in erster Linie das Verschulden der Versicherungsbranche. Schließlich waren es die BU-Versicherer, die mit ihrer ausufernden Berufsgruppendifferenzierung den Beitrag für Akademiker und Büroangestellte immer preiswerter – für handwerklich bzw. körperlich Tätige aber immer teurer bis unbezahlbar gemacht haben.

    Produkte mit löchrigem Versicherungsschutz können das dadurch entstandene Problem nicht lösen.

    Kommentar von Gerd Kemnitz — 1. November 2017 @ 11:32

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