12. September 2017, 07:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Bürgerversicherung: Schädlicher Reformeifer

Die Idee hinter der Bürgerversicherung klingt gut: Alle Bürger zahlen Beiträge für eine einzige große Krankenversicherung. Die Mehreinnahmen ermöglichen eine preiswerte und hochwertige Versorgung für jedermann. Es sind aber Zweifel angebracht, ob dieses Konzept auch in 20 Jahren noch finanzierbar sein wird.

 Die Wald-Kolumne

Bürgerversicherung: Schädlicher Reformeifer

“Die Politik sollte die Balance zwischen GKV und PKV nicht leichtfertig aufs Spiel setzen – das duale System arbeitet zum Nutzen aller.”

Bürgerversicherung – das Wort klingt nach einer guten Idee. Wer sie propagiert, weiß nach Umfragen eine Mehrheit der Deutschen hinter sich. Gut möglich also, dass so ein wohlklingendes Reformprojekt bei der Bundestagswahl Wählerstimmen bringt.

Die Grundidee klingt ja auch überzeugend: Deutlich mehr Menschen als bisher entrichten solidarisch Beiträge zu einer einzigen großen Krankenversicherung. Die Mehreinnahmen sollen dann eine preiswerte und zugleich medizinische hochwertige Versorgung für jedermann sicherstellen.

Aber gewinnt unsere Gesellschaft tatsächlich, wenn der Gesetzgeber einen Systemwechsel vollzieht? Wird das Konzept auch noch in 20 Jahren finanzierbar sein, unter Beibehaltung der versprochenen guten Leistungen? Gesundes Misstrauen ist angebracht.

PKV-Anbieter spielen bedeutende Rolle im dualen Gesundheitssystem

Vor allem aufgrund unseres sehr guten Gesundheitssystems stieg die Lebenserwartung der Deutschen in den letzten Jahrzehnten. Nicht nur leben wir länger, sondern auch aktiver als jemals zuvor. Daher überrascht es nicht, dass 86 Prozent der Deutschen mit der medizinischen Versorgung sehr zufrieden oder zufrieden sind.

Die privaten Krankenversicherer (PKV) spielen dabei eine bedeutende Rolle im dualen Gesundheitssystem. Arztpraxen und Krankenhäuser arbeiten nur wegen der Einnahmen aus der PKV wirtschaftlich. Der Wettbewerb beider Systeme sorgt zudem dafür, dass die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht unbegrenzt gekürzt werden können.

Ein Beispiel aus dem Ausland zeigt, dass ein einheitliches System nicht unbedingt die Garantie für eine bestmögliche Gesundheitsversorgung ist. In Großbritannien existiert mit dem “National Health Service (NHS)” eine Bürgerversicherung, die die Labour Partei 1948 einführte. Sie wird zentralistisch gesteuert, ja dirigiert, mit teilweise bestürzenden Folgen.

Computer berechnen dort, ob sich eine bestimmte Behandlung aufgrund der zu erwartenden Restlebenszeit noch rechnet. Lange Wartezeiten in Praxen und Kliniken dominieren seit Jahren die Schlagzeilen. Wer es sich irgendwie leisten kann, kauft sich deshalb eine bessere private Versorgung im Ausland hinzu.

Seite zwei: Finanzierungslücke der GKV

Weiter lesen: 1 2 3

Ihre Meinung



 

Versicherungen

„Mit einem Freibetrag Altersarmut gezielt bekämpfen“

Nahezu alle Grundsicherungsempfänger sollen von einer Ausweitung des Freibetrags für Altersvorsorgeeinkommen profitieren. Wer mit Beiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung vorgesorgt hat, soll bis zu 200 Euro zusätzlich zur Grundsicherung im Alter bekommen. Das sieht die #ArbeitLohntSichRente der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) vor, die heute in Berlin veröffentlicht wurde.

mehr ...

Immobilien

Nur 1,8 Wohnungen je 1.000 Einwohner

Lediglich rund 1,8 Neubauwohnungen je 1.000 Einwohner wurden im Mehrfamilienhaussegment im Jahr 2018 in Deutschland gebaut. Mit rd. 148.000 gezählten Neubauwohnungen konnte das Ergebnis aus dem Jahr 2017 um 6,2 % gesteigert werden. Eine Analyse auf Ebene der deutschen Stadt- und Landkreise von Engel & Völkers Commercial zeigt, dass der Anteil der Wohnungen in Immobilien mit mehr als drei Wohneinheiten im Verhältnis zu den Baugesamtfertigstellungen der Ein- und Zweifamilienhäuser seit dem Jahr 2011 (ca. 35 %) im Jahr 2018 auf rd. 51,5 % gestiegen ist.

mehr ...

Investmentfonds

Sachwertanlagen bieten Renditevorsprung

„Die Niedrigzinsphase hält weiter an und die Abkühlung in der Wirtschaft führt zu wenig Freude an den Börsen“, prognostiziert Johannes Sczepan, Geschäftsführer der Finanzberatungsgruppe Plansecur, für 2019. Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Plansecur-Chef sogenannte Alternative Investment Fonds (AIF) „als Bestandteil eines Portfolios, sofern es zum individuellen Anlagekonzept passt“.

mehr ...

Berater

Personalnotstand im Asset-, Property- und Transaction Management

Der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft setzt sich zunehmend auch in Bereichen des Immobilienmanagements fort. Als Resultat der insgesamt gestiegenen Neubautätigkeit über sämtliche Assetklassen hinweg, steigt die Anzahl der fertiggestellten bzw. gehandelten Immobilien stetig und damit der Bedarf an Asset- und Property Managern sowie Acquisition- und Transaction Managern. An qualifizierten Kandidaten herrscht jedoch bundesweit erheblicher Mangel.

mehr ...

Sachwertanlagen

Finanzvorstände müssen bei digitalen Strategien deutlich aufholen

Gerade einmal jedes zweite Unternehmen im deutschsprachigen Raum hat die Prozesse in seiner Finanzabteilung zumindest in Ansätzen standardisiert und automatisiert, obwohl fast alle CFOs dies als maßgebliche Voraussetzung zur erfolgreichen Effizienzsteigerung sehen. Tatsächlich im Einsatz sind Automationstechnologien wie Robotic Process Automation (RPA) sogar nur in jedem sechsten Unternehmen. Dies sind Ergebnisse der Horváth & Partners CFO-Studie 2019.

mehr ...

Recht

Versicherungspolicen: Wo es Steuern zurückgibt

In diesem Jahr verlängert sich erstmalig die Frist zur Abgabe der Steuererklärung auf den 31. Juli. Besonders Steuererklärungs-Muffel wird die zwei-monatige Fristverlängerung freuen. Dabei kann man mit den richtigen Tipps und Kniffen durchaus eine ganze Menge der gezahlten Steuern wiederbekommen. Dies gilt auch für die abgeschlossenen Versicherungspolicen.

mehr ...