Bürgerversicherung: Schädlicher Reformeifer

Die Idee hinter der Bürgerversicherung klingt gut: Alle Bürger zahlen Beiträge für eine einzige große Krankenversicherung. Die Mehreinnahmen ermöglichen eine preiswerte und hochwertige Versorgung für jedermann. Es sind aber Zweifel angebracht, ob dieses Konzept auch in 20 Jahren noch finanzierbar sein wird.

 Die Wald-Kolumne

Matthias Wald_Swiss Life
„Die Politik sollte die Balance zwischen GKV und PKV nicht leichtfertig aufs Spiel setzen – das duale System arbeitet zum Nutzen aller.“

Bürgerversicherung – das Wort klingt nach einer guten Idee. Wer sie propagiert, weiß nach Umfragen eine Mehrheit der Deutschen hinter sich. Gut möglich also, dass so ein wohlklingendes Reformprojekt bei der Bundestagswahl Wählerstimmen bringt.

Die Grundidee klingt ja auch überzeugend: Deutlich mehr Menschen als bisher entrichten solidarisch Beiträge zu einer einzigen großen Krankenversicherung. Die Mehreinnahmen sollen dann eine preiswerte und zugleich medizinische hochwertige Versorgung für jedermann sicherstellen.

Aber gewinnt unsere Gesellschaft tatsächlich, wenn der Gesetzgeber einen Systemwechsel vollzieht? Wird das Konzept auch noch in 20 Jahren finanzierbar sein, unter Beibehaltung der versprochenen guten Leistungen? Gesundes Misstrauen ist angebracht.

PKV-Anbieter spielen bedeutende Rolle im dualen Gesundheitssystem

Vor allem aufgrund unseres sehr guten Gesundheitssystems stieg die Lebenserwartung der Deutschen in den letzten Jahrzehnten. Nicht nur leben wir länger, sondern auch aktiver als jemals zuvor. Daher überrascht es nicht, dass 86 Prozent der Deutschen mit der medizinischen Versorgung sehr zufrieden oder zufrieden sind.

Die privaten Krankenversicherer (PKV) spielen dabei eine bedeutende Rolle im dualen Gesundheitssystem. Arztpraxen und Krankenhäuser arbeiten nur wegen der Einnahmen aus der PKV wirtschaftlich. Der Wettbewerb beider Systeme sorgt zudem dafür, dass die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht unbegrenzt gekürzt werden können.

Ein Beispiel aus dem Ausland zeigt, dass ein einheitliches System nicht unbedingt die Garantie für eine bestmögliche Gesundheitsversorgung ist. In Großbritannien existiert mit dem „National Health Service (NHS)“ eine Bürgerversicherung, die die Labour Partei 1948 einführte. Sie wird zentralistisch gesteuert, ja dirigiert, mit teilweise bestürzenden Folgen.

Computer berechnen dort, ob sich eine bestimmte Behandlung aufgrund der zu erwartenden Restlebenszeit noch rechnet. Lange Wartezeiten in Praxen und Kliniken dominieren seit Jahren die Schlagzeilen. Wer es sich irgendwie leisten kann, kauft sich deshalb eine bessere private Versorgung im Ausland hinzu.

Seite zwei: Finanzierungslücke der GKV

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