4. Mai 2017, 09:06
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Fiktive Berufsunfähigkeit: Leistungspflicht des Versicherers

Wird ein Versicherter bedingungsgemäß berufsunfähig ohne dass der Versicherer dies anerkennt, muss letzterer seine Leistung rückwirkend ab dem Moment erbringen, in dem die sogenannte “fiktive Berufsunfähigkeit” vorlag. In einem aktuellen Streitfall belief sich die Nachzahlung auf 473.150 Euro.

Fiktive Berufsunfähigkeit

Durch einen Bandscheibenvorfall wurde der Versicherte länger als sechs Monate berufsunfähig.

Liegt eine fiktive Berufsunfähigkeit vor, ist der Versicherer zur Zahlung einer Berufsunfähigkeitsrente verpflichtet. Dies ist die Quintessenz eines aktuellen Urteils des Landgerichts (LG) München vom 20. April 2017 (AZ.:23 O 12413/15).

In dem Streitfall zwischen Versicherter und Versicherer geht es um die Zahlung der Leistung aus einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ).

Versicherer verneint Berufsunfähigkeit

Der Mann der Versicherungsnehmerin, der in dem BUZ-Vertrag mitversichert ist, erlitt im November 2011 einen Bandscheibenvorfall und war, wie ein Sachverständiger bestätigte, bis zu seiner Operation im März 2015 länger als sechs Monate bedingungsgemäß zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig.

Die Versicherungsgesellschaft verneinte eine vorliegende Berufsunfähigkeit, führte allerdings auch kein Nachprüfungsverfahren durch, um sich im Rahmen dessen von ihrer Leistungspflicht befreien zu können.

Nachprüfungsverfahren ist unterblieben

Laut LG München ist der Versicherer bei dem Vorliegen einer Berufsunfähigkeit verpflichtet, seine Leistungspflicht anzuerkennen. Unterlässt er dies, “so ist er so zu behandeln, als habe er den Anspruch umfassend anerkannt, und kann sich von dem zu unterstellenden bedingungsgemäßen Anerkenntnis nur im Wege des Nachprüfungsverfahrens lösen”.

Da das Nachprüfungsverfahren unterblieben sei und die “fiktive” Berufsunfähigkeit feststehe, sei die Versicherungsgesellschaft rückwirkend zur Erbringung ihrer vertraglichen Leistung verpflichtet.

In diesem Fall beziffert sich der Streitwert, den der Versicherer an den Versicherungsnehmer nachzahlen muss, auf 473.150,90 Euro. (nl)

Foto: Shutterstock

 

Mehr aktuelle Artikel:

BU-Schutz: Die fünf größten Irrtümer

Vorerkrankung versus BU-Grund: Knackpunkt Kausalität

BGH-Urteil: Anlagevermittlung versus Anlageberatung

Ihre Meinung



 

Versicherungen

E-Scooter: Viele Kopfverletzungen nach Unfällen

E-Tretroller gelten als Sinnbild für neue urbane Mobilität. Doch aktuelle Daten aus den USA zeigen: Wer mit einem E-Scooter unterwegs ist, riskiert ernsthafte Verletzungen, vor allem am Kopf.

mehr ...

Immobilien

Baubeginne in den USA auf dem höchsten Stand seit 13 Jahren

Die Zahl der Wohnungsbaubeginne in den USA ist im Dezember deutlich stärker als erwartet gestiegen. Diese legten im Monatsvergleich um 16,9 Prozent zu, wie das Handelsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Dies ist der stärkste Anstieg seit Oktober 2016. Analysten hatten im Mittel lediglich mit einem Anstieg um 1,1 Prozent gerechnet.

mehr ...

Investmentfonds

Barrick Gold: Produktion übertrifft Erwartungen

Der kanadische Goldproduzent Barrick Gold hat die vorläufigen Produktionszahlen für sein viertes Quartal gemeldet. Dabei konnte der Konzern, ehemals der größte Goldproduzent der Welt, die Erwartungen der Analysten übertreffen.

mehr ...

Berater

Börsen-Rekord: Google-Mutter Alphabet knackt Billionen-Marke

Googles Mutterkonzern Alphabet ist an der Börse erstmals mehr als eine Billion Dollar wert. Der Internet-Gigant knackte die magische Marke und schaffte als viertes US-Unternehmen eine dreizehnstellige Marktkapitalisierung.

mehr ...

Sachwertanlagen

Habona erreicht Vollinvestition des Einzelhandelsfonds 06

Der Frankfurter Fondsinitiator und Asset Manager Habona Invest hat für seinen Einzelhandelsfonds 06 zum Jahresende 2019 sechs weitere Nahversorgungsimmobilien mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 44 Millionen Euro und einer Gesamtmietfläche von circa 19.500 Quadratmetern erworben.

 

mehr ...

Recht

IVD: Berliner Mietendeckel stoppen

Die Zahl von Baugenehmigungen in Berlin ist drastisch gesunken. Für den IVD Bundesverband ein deutliches Zeichen und eine Folge des kürzlich installierten Mietendeckels.

mehr ...