25. Januar 2017, 08:12
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“Bei Provisionsverbot 45 Prozent weniger Berater innerhalb von vier Jahren”

Cash. sprach mit Markus Kruse, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Assekurata Solutions, über die Auswirkungen eines Provisionsverbots auf die Beraterlandschaft.

Provisionsverbot

Markus Kruse: “Speziell in den niedrigen Einkommensschichten herrscht ein großer Beratungsbedarf.”

Wie würde sich ein Provisionsverbot auf die deutsche Beraterlandschaft auswirken?

Kruse: In unserer Studie “Einfluss der Vermittlerregulierung auf die private Altersvorsorge der deutschen Bevölkerung-Entwicklung eines Szenarios am Beispiel des Provisionsverbots” kommen wir zu dem Ergebnis, dass ein sofortiges Provisionsverbot innerhalb der nächsten vier Jahre einen Beraterrückgang von rund 45 Prozent nach sich ziehen würde. Dies hätte nach unserer Auffassung einen spürbaren Einfluss auf das Angebot an Beratungsleistungen für die Verbraucher. Eine vergleichbare Problematik wird aktuell ja auch in Großbritannien diskutiert, wo eine Studie der britischen Finanzaufsichtsbehörde FCA und des britischen Finanzministeriums im Nachgang zu den getroffenen regulatorischen Maßnahmen eine Beratungslücke konstatiert.

Welche Folgen hätte das für die Versorgung der Verbraucher in Deutschland?

Die Auswirkungen auf die Verbraucher haben wir speziell im Bereich der Altersvorsorge untersucht. Im Vergleich zu den betrachteten Referenzländern Großbritannien und Niederlande hat die eigenverantwortliche Vorsorge in Deutschland eine deutlich größere Bedeutung. Um dieser Eigenverantwortung gerecht zu werden, sind auch die entsprechenden Beratungskapazitäten erforderlich, in qualitativer, aber auch in quantitativer Hinsicht. Speziell in den niedrigen Einkommensschichten herrscht hier ein großer Bedarf. In den Vergleichsländern ist dieser Teil der Bevölkerung spürbar besser durch obligatorische beziehungsweise quasi-obligatorische Altersvorsorgeinstrumente abgesichert.

In der Studie kommen Sie auch zu dem Ergebnis, dass die Kunden in Deutschland ein ungebrochen großes Vertrauen in das Provisionsmodell haben. Woran liegt das?

Auf Basis einer empirischen Erhebung konnten wir zunächst einmal feststellen, dass der Berater für den deutschen Verbraucher eine signifikant höhere Bedeutung hat als in den Referenzländern. Er wird regelmäßig im Vorfeld von Entscheidungen konsultiert, die deutschen Verbraucher haben vergleichsweise häufig einen festen Ansprechpartner und über ihn werden in der Regel auch die Verträge abgeschlossen. Dies spricht grundsätzlich einmal für einen funktionierenden Markt und ist sicherlich auch Ausdruck von Zufriedenheit mit der Dienstleistung der Berater. Mit Blick auf die Vergütung dieser Dienstleistung haben die Befragten, stärker als in den Referenzländern, das Provisionsmodell präferiert.

Lesen Sie das vollständige Interview in der aktuellen Cash.-Ausgabe 2/2017.

Das Interview führte Kim Brodtmann.

Foto: Assekurata

3 Kommentare

  1. Das kommt genauso wenig wie die bescheuerte Bürgerversicherung!

    Kommentar von Jan Lanc — 27. Januar 2017 @ 11:22

  2. Welche Sparten soll den eigentlich das Provisionsverbot umfassen? Nur LV + KV oder auch Sach?

    Kommentar von T.E. — 27. Januar 2017 @ 11:13

  3. Sicherlich interessant, dass IFAs in GBR, die ihre „Kern-Kundschaft“ mit „Financial Planning“ „rundum“ beraten, höhere Einnahmen erzielen.
    Diese Vorgehensweise kann bei uns, egal wie MiFID II / IDD ausgeht, als „betriebswirtschaftliche Beratung von Privathaushalten“ weiterhin rechtssicher gegen Honorar abgerechnet werden, s. eBooks mwsbraun.

    Kommentar von Frank L. Braun — 27. Januar 2017 @ 10:22

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