Anzeige
8. April 2011, 17:47
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Schrumpfkur durch Vertriebsregulierung?

Die Löwer-Kolumne

Die Einteilung geschlossener Fonds und ihrer Anleger in Risikoklassen, die sich aus der geplanten Gesetzesnovelle zur Vertriebsregulierung ergibt, dürfte Vermittlern die Arbeit deutlich erschweren.

L Wer-neu-127x150 in Schrumpfkur durch Vertriebsregulierung?

Cash-Kolumnist Stefan Löwer

Zum einen wird es nicht wenige Anleger abschrecken, wenn die Fonds tatsächlich im Regelfall in die zweithöchste Risikokategorie eingestuft werden müssen, wie TPW-Anwalt Jörg Mühlenkamp sagt. Schließlich argumentieren vor allem Immobilienfonds meist mit dem Punkt “Sicherheit”. Zum anderen ist es künftig schlicht untersagt, einem Anleger ein Produkt außerhalb seiner Risikoklasse zu vermitteln.

In diesem Fall darf der Anleger wohl allenfalls dann zeichnen, wenn er unterschreibt, dass er sich gegen den ausdrücklichen Rat des Vermittlers an dem Fonds beteiligt. Der Verzicht auf die Beratung, die Erfassung der Vermögensverhältnisse und die Dokumentation ist auch auf Kundenwunsch nicht mehr möglich. Das dürfte den Vertriebserfolg nicht eben beflügeln.

Daraus resultiert ein weiteres Problem für den Vertrieb: Die Risikoeinstufung muss der Vermittler selbst erledigen und dokumentieren. Wenn er dabei einen Fehler macht oder bewusst eine falsche Klassifizierung vornimmt, um Kunde und Produkt in Einklang zu bringen, droht wiederum die Haftung. Das Motto “Was nicht passt, wird passend gemacht” birgt hohe Risiken. Dabei gibt es künftig wohl keine Unterscheidung zwischen Vermittlern und Beratern mehr – ein breites Einfallstor für Anwälte von Anlegern, die Verluste aus ihren Investments auf Dritte abwälzen wollen.

Gleiches gilt in Zusammenhang mit den Vermögensanlagen-Informationsblättern (VIB), die künftig zu jedem Fonds auf maximal drei Seiten die wesentlichen Merkmale und Risiken zusammenfassen müssen. Anders als die Prospekte werden diese „Beipackzettel“ nicht von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) geprüft und gebilligt, sondern müssen lediglich dort hinterlegt werden.

Daraus ergibt sich ein weiteres Spielfeld für Anlegeranwälte. Bei Verlustfonds werden sie die Prospekte im Nachhinein haarklein durchflöhen und behaupten, dieser oder jener Umstand sei im VIB falsch oder unvollständig dargestellt worden, der Vermittler hätte das merken und den Anleger darüber aufklären müssen. Diese Gefahr droht dem Vertrieb vor allem dann, wenn bei dem für den Beipackzettel verantwortlichen Initiator – wie nicht selten bei fehlgeschlagenen Fonds – nichts mehr zu holen ist.

Seite 2: Bafin-Prüfung wird keine Rechtssicherheit bringen

Weiter lesen: 1 2

Anzeige

1 Kommentar

  1. […] full post on Cash.Online: News- und Serviceportal für Finanzdienstleistungen Share and […]

    Pingback von Schrumpfkur durch Vertriebsregulierung? | xxl-ratgeber — 10. April 2011 @ 19:49

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform - IDD

Ab dem 15. Dezember im Handel!

Cash. 12/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Flaggschiff-Fonds – IDW S4-Standard – Crowdinvesting – Bankenwelt

Versicherungen

Mehr Pflegebedürftige in 2015 – zwei Millionen werden zu Hause gepflegt

Immer mehr Menschen sind pflegebedürftig. Wie das Statistische Bundesamt am Montag berichtete, waren Ende 2015 in Deutschland 2,86 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes. Das waren 8,9 Prozent beziehungsweise 234.000 Menschen mehr als im Dezember 2013.

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Beratung ist nicht alles

Wie viel ist Beratung in der Baufinanzierung wert? “Gute” Beratung wird zunehmend zum erwarteten Standard – wie stellt man sich darauf ein?

Kolumne von Joachim Leuther, BS Baugeld Spezialisten

mehr ...

Investmentfonds

Versorgeraktien stehen unter Strom

In den vergangenen Jahren wurden Versorger an der Börse massiv abgestraft. Dabei werden diese Firmen besonders von der Elektromobilität profitieren. Gastkommentar von Uwe Zimmer, z-invest Gmbh

mehr ...

Berater

BCA: Wüstenbecker verkauft Aktien

Wie der Oberurseler Maklerpool BCA mitteilt, veräußern Unternehmensgründer Jens Wüstenbecker und die Wüstenbecker GmbH & Co. KG ihre Aktien an der BCA AG. Vorübergehend übernimmt demnach die BBG aus Bayreuth das gesamte Aktienpaket. Mittelfristig soll es an weitere Unternehmen aus der Versicherungs- und Investmentbranche veräußert werden.

mehr ...

Sachwertanlagen

Klumpe Rechtsanwälte: Neue Struktur, mehr Service

Die 1982 von Rechtsanwalt Werner Klumpe gegründete Anwaltskanzlei KSP mit Sitz in Köln firmiert seit dem 1. Januar 2017 unter dem Namen “Klumpe Rechtsanwälte” und hat sich neu positioniert.

mehr ...

Recht

Rentenberater muss Gewerbesteuer zahlen

Die Einkünfte eines selbstständigen Rentenberaters unterliegen der Gewerbesteuer. Sein Berufsbild entspricht nicht den Vergleichsberufen Steuerberater oder Rechtsanwalt. Dies entschied das Finanzgericht Düsseldorf in einem aktuellen Urteil.

mehr ...