24. April 2014, 08:30

“Es sind auch immer Emotionen im Spiel”

Sebastian Holfelder, Geschäftsführer der Holfelder & Schüssel Assekuranzmakler und Jungmakler des Jahres 2012 in der Kategorie “Betriebsübernahme“, erläutert im Gespräch mit Cash.Online, warum eine Betriebsübernahme emotional belastender ist als formal und worauf bei der Bestandsübertragung geachtet werden sollte.

Betriebsübernahme

“Wenn man das gesamte Prozedere betrachtet haben wir bis hin zum endgültigen Ausscheiden des Übergebenden mit zehn Jahren kalkuliert.”

Cash.Online: Der Schlüssel zu einer reibungslosen Betriebsübernahme ist die frühzeitige Planung. Welchen Zeithorizont haben Sie vorgesehen?

Holfelder: Wenn man das gesamte Prozedere betrachtet und auch die nicht sichtbaren Ereignisse und die vorbereitenden Planungen mit einbezieht, haben wir bis hin zum endgültigen Ausscheiden des Übergebenden mit zehn Jahren kalkuliert.

Man muss bedenken, dass im Vorfeld viel gesprochen werden muss, denn es geht hierbei nicht nur um die Unternehmensnachfolge an sich, es geht meist um einen Generationenwechsel.

Dabei sind auch immer Emotionen im Spiel, besonders innerhalb der Familie. Wichtig ist, dass beide Seiten mit einem guten Gefühl und einer fairen Vereinbarung in den Übernahmeprozess gehen. Es gilt hierbei sowohl finanzielle als auch emotionale Ansprüche zu berücksichtigen.

So kann man mit Geld nicht das Gefühl wegkaufen, langsam “nutzlos” zu werden, wenn man sein Lebenswerk abgibt. Solche Dinge benötigen Zeit. So ist es auch für den Erwerber wichtig, dem Übergebenden genügend Zeit zu lassen, sich zu lösen. Ansonsten besteht das Risiko, dass sich der Übergebende später immer wieder einmischt. Diese Unruhe bekämen schlussendlich auch die Mandanten zu spüren.

Zudem ist es sehr aufwendig, Verträge zu entwerfen, steuerliche und rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten, Nachbesserungen vorzunehmen etc. Die Korrespondenz mit den Versicherern ist ebenfalls zeitaufwändig. So hat jeder Versicherer seine eigene Ansicht zur Rechtsnachfolge, zum Datenschutz und zur Bestandsübertragung. Wir beschäftigen uns bis heute mit diesen Aspekten.

Worauf sollte bei der Bestandsübertragung geachtet werden?

Es ist sehr wichtig, sich im Vorfeld eine Einwilligungserklärung zur Rechtsnachfolge jedes Mandanten zu holen, sofern man nicht ohnehin bereits eine entsprechende Klausel im Maklervertrag hat. Das macht vieles einfacher, gerade in der Verhandlung mit größeren Versicherern.

Es ist vorteilhaft, ein “Paket” mit Unterlagen anzulegen, mit denen man den Großteil der Anforderungen der meisten Versicherer abdeckt. Dazu empfiehlt sich noch ein vorgefertigtes Schreiben, welches genau erklärt, was bei der Firmenübernahme vor sich geht und genau Auskunft über die zukünftig verantwortliche Person gibt.

Allerdings sollten hier gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Manche Versicherer gehen meiner Meinung nach deutlich zu weit und dringen zu tief in die Privatsphäre ein.

Seite zwei: Wie wurde die Betriebsübernahme kommuniziert?

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