KI ist aus Sicht von Morningstar keine kurzfristige Übertreibung am Kapitalmarkt. In einer aktuellen Analyse verweist das Researchhaus auf stabile Fundamentaldaten, eine anhaltend hohe Nachfrage nach Halbleitern sowie robuste Investitionen in Rechenzentren und Infrastruktur.
„Die Entwicklung von KI hat noch viel Potenzial, und Anleger sollten das Beste daraus machen, solange diese Chancen bestehen“, sagt Michael Field, Chef-Aktienstratege bei Morningstar. „Da die Bewertungen in letzter Zeit stagnieren oder sogar sinken, haben sich für Anleger Chancen in diesem Bereich eröffnet. Aktuell wird KI mit dem größten Abschlag seit 2019 gehandelt, was den jetzigen Zeitpunkt zu einem fantastischen Einstiegspunkt macht.“
Nach Einschätzung von Morningstar sollten Investoren jedoch differenziert vorgehen. Besonders aussichtsreich seien Infrastrukturunternehmen, die als sogenannte „Picks-and-Shovels“-Anbieter die technische Grundlage für KI-Anwendungen liefern. Dazu zählen unter anderem Anbieter von Chips, Rechenleistung und technischer Infrastruktur.
Infrastrukturwerte im Fokus der Analyse
Die Studie zeigt zudem eine starke Konzentration vieler KI-Fonds auf große US-Technologiekonzerne. „KI-Fonds konzentrieren sich weiterhin auf US-amerikanische Mega-Cap-Tech-Unternehmen. Abgesehen von Namen wie ASML und SAP sind europäische Unternehmen kaum vertreten“, erklärt Field.
Außerhalb der Vereinigten Staaten sieht Morningstar insbesondere China als wichtigen Standort für die Entwicklung von KI-Technologien. Viele europäische Fondsmanager würden chinesische Titel jedoch meiden. Gründe seien regulatorische Unsicherheiten und eingeschränkter Marktzugang. „Wenn überhaupt investieren viele Fondsmanager nur in große Unternehmen wie Baidu und Alibaba, wodurch kleinere, innovativere Akteure weitgehend unzugänglich bleiben“, so Field.
Nach Angaben von Morningstar blieb die Zurückhaltung gegenüber chinesischen KI-Aktien bislang ohne größere Nachteile für Anleger. Gemessen am CSI Artificial Intelligence Index entwickelten sich chinesische KI-Werte seit 2022 schwächer als vergleichbare Unternehmen aus Industrieländern.
Gleichzeitig verzeichnen KI-Fonds in Europa laut Analyse weiterhin hohe Mittelzuflüsse. Die verwalteten Vermögen bewegen sich demnach nahe ihrer historischen Höchststände. Entscheidend sei deshalb, wie konsequent Fonds das Thema tatsächlich umsetzen.
Unterschiede zwischen KI-Fonds nehmen zu
„Während der ‚SaaSpocalypse‘ im Februar wichen die Wertentwicklungen zweier prominenter KI-Fonds um 14 Prozentpunkte voneinander ab“, erklärt Kenneth Lamont, Principal bei Morningstar. „Um Anlegern zu helfen, sich in dem komplexen Umfeld zurechtzufinden, haben wir ein Bewertungssystem entwickelt, das Fonds mit starker Fokussierung auf den KI-Kernbereich von solchen unterscheidet, die eher auf periphere KI-Anwender ausgerichtet sind.“
In diesem Ranking schneidet der First Trust Artificial Intelligence ETF besonders stark ab. Für Lamont zählt der Fonds derzeit zu den überzeugenderen Möglichkeiten, um am KI-Markt teilzuhaben, solange die Bewertungen attraktiv bleiben.
Zugleich sieht Morningstar wachsende Herausforderungen für aktive Fondsmanager. „Aber KI wird auch zum Opfer ihres eigenen Erfolgs. Da KI-Marktführer mittlerweile den Technologiesektor dominieren, hat sich die Überschneidung mit breiten Technologieindizes seit 2019 mehr als verdoppelt. Das legt die Messlatte für aktive Differenzierung höher und erhöht den Druck auf die Anbieter, ihre Prämie zu rechtfertigen“, sagt der Experte.














