Die betriebliche Altersversorgung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Was lange Zeit vor allem als Pflichtangebot vieler Arbeitgeber galt, entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Instrument zur Mitarbeiterbindung und Fachkräftesicherung. Unternehmen investieren stärker in Vorsorgelösungen, Beschäftigte zeigen mehr Bereitschaft zur Eigenvorsorge – und zugleich steigen die Anforderungen an digitale Prozesse, nachhaltige Kapitalanlage und flexible Versorgungskonzepte.
Welche Entwicklungen den Markt derzeit prägen, welche Rolle fondsgebundene und nachhaltige Lösungen spielen und warum Digitalisierung zum entscheidenden Erfolgsfaktor geworden ist, darüber spricht Cash. mit Ute Thoma, Leiterin Betriebliche Vorsorge bei der Bayerischen. Im Interview erläutert sie, weshalb nachhaltige Kapitalmarktstrategien inzwischen den Standard in der bAV bilden, wie digitale Prozesse die Akzeptanz bei Unternehmen und Mitarbeitenden erhöhen und warum Unterstützungskassen künftig an Bedeutung gewinnen könnten.
Wie hat sich das Firmenkundengeschäft in den letzten Jahren verändert?
Thoma: Die betriebliche Altersversorgung wird heute deutlich bewusster genutzt. Wir entwickeln für Unternehmen Lösungen, die zu ihrer Belegschaft passen – und die im Alltag auch wirklich ankommen.
Denn bAV entfaltet ihren Wert erst, wenn Mitarbeitende sie aktiv nutzen. Genau das sehen wir: Arbeitgeber investieren zunehmend über das gesetzliche Minimum hinaus, und auch die Beschäftigten sind eher bereit, selbst vorzusorgen. Kurz gesagt: bAV ist vom Nebenprodukt zum echten Baustein der Mitarbeiterbindung geworden.
Welche Produkte spielen im Bereich der betrieblichen Vorsorge die größte Rolle?
Thoma: Fondsgebundene Lösungen haben konventionelle Produkte inzwischen klar überholt.
Bei uns fließen bereits 56 Prozent der Fondsanlagen in der bAV in nachhaltige Strategien nach Artikel 8 und 9 der Offenlegungsverordnung. Gleichzeitig ist auch unser Sicherungsvermögen – als einziger Anbieter in Deutschland – nach Artikel 8 klassifiziert.
Das zeigt: Kapitalmarkt und Nachhaltigkeit sind heute kein Gegensatz mehr, sondern der Standard in der betrieblichen Vorsorge.
Wie wichtig ist Digitalisierung als Erfolgsfaktor – und wie positionieren Sie sich im Wettbewerb?
Thoma: Digitalisierung entscheidet darüber, ob bAV funktioniert oder liegen bleibt. Sie macht ein komplexes Thema verständlich und sorgt dafür, dass Prozesse schnell laufen – wir policieren Neugeschäft innerhalb von 48 Stunden. Digitale Anbindungen, etwa über den XEMPUS Manager, helfen zusätzlich, die Umsetzung im Unternehmen zu vereinfachen.
Inhaltlich setzen wir klar auf nachhaltige, kapitalmarktorientierte Lösungen. Gleichzeitig gehen wir mit Unterstützungskassen einen Schritt weiter: Sie ermöglichen flexible und auch größere Versorgungskonzepte, die über Standardlösungen hinausgehen.
Interview: Frank O. Milewski, Cash.















