Altersvorsorgedepot: Wer profitiert am meisten und wie viel, wer am wenigsten?

Das Wort Altersvorsorge unter der Lupe
Foto: stock.adobe.com/vegefox.com
Beispielrechnungen zeigen, für wen sich das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 lohnt und für wen eher nicht.

Ab 2027 soll das Altersvorsorgedepot die bisherige Riester-Rente ersetzen. Staatliche Zulagen und steuerliche Vorteile könnten vor allem jungen Menschen deutlich höhere Vermögen im Alter bringen. Doch die neue Förderung hat auch Grenzen.

Die Reform der privaten Altersvorsorge ist beschlossen: Der Bundesrat hat am 8. Mai die Einführung des sogenannten Altersvorsorgedepots bestätigt. Ab 2027 soll das neue Modell die bisherige Riester-Rente ersetzen und ETF-Sparen erstmals umfassend mit staatlichen Zulagen und Steuervorteilen verbinden.

Nach Angaben der Geldanlage-Plattform growney können Sparerinnen und Sparer künftig bis zu 540 Euro Zulagen pro Jahr erhalten. Hinzu kommen Zuschläge für Eltern und junge Menschen. Ziel ist es, die private Altersvorsorge attraktiver zu machen und stärker auf kapitalmarktbasierte Anlagen auszurichten.

Beispielrechnungen von growney zeigen allerdings deutliche Unterschiede je nach Alter, Familienstand und Sparverhalten. Grundlage der Berechnungen ist jeweils der Vergleich mit einem weltweit investierenden ETF-Portfolio mit einer durchschnittlichen Rendite von 6,5 Prozent pro Jahr.

Junge Sparer profitieren besonders stark

Am größten fällt der Vorteil bei jungen Anlegerinnen und Anlegern aus. Ein 22-Jähriger mit einem monatlichen Sparplan von 100 Euro kann laut growney bis zum Renteneintritt ein Vermögen von rund 381.900 Euro aufbauen. Bei einem klassischen ETF-Sparplan wären es dagegen etwa 214.770 Euro. Die monatliche Auszahlung im Ruhestand läge damit rund 710 Euro höher.

Auch 30-Jährige profitieren deutlich. Mit einem Kind und einem Sparplan von 100 Euro im Monat ergibt sich laut Berechnungen ein Plus von rund 530 Euro bei der späteren monatlichen Auszahlung. Ohne Kind, aber mit 150 Euro Sparrate, liegt der Vorteil bei etwa 475 Euro monatlich.

Mit zunehmendem Alter sinkt der Effekt jedoch deutlich. Für 40-Jährige mit zwei Kindern und einer monatlichen Sparrate von 200 Euro errechnet growney noch einen Vorteil von rund 260 Euro pro Monat im Ruhestand.

Kaum Vorteile kurz vor der Rente

Weniger attraktiv ist das Altersvorsorgedepot laut growney für Menschen mit kurzer Ansparphase. Bei einem 50-Jährigen ohne Kinder und mit monatlich 300 Euro Sparrate ergibt sich trotz höherem Vermögen kaum ein Unterschied bei der späteren Auszahlung. Das Altersvorsorgedepot erreicht zwar rund 247.000 Euro Vermögen gegenüber 196.500 Euro beim ETF-Sparplan. Durch die vollständige Besteuerung der Auszahlungen bleibt am Ende jedoch lediglich ein Vorteil von rund vier Euro pro Monat.

„Der Zinseszins-Effekt und die staatlichen Zulagen wirken sich besonders stark aus, wenn der Vertrag möglichst lange besteht. Deswegen sehen wir bei jungen Menschen schon einen hohen Effekt, auch wenn sie monatlich nur 100 Euro ins Altersvorsorgedepot einzahlen“, sagt Thimm Blickensdorf, Geschäftsführer der Geldanlage-Plattform growney.

Growney sieht deshalb vor allem bei Menschen ab 40 Jahren eine genaue Abwägung notwendig. Wer nur noch 20 Jahre oder weniger bis zur Rente hat, könne von Zulagen und Zinseszinseffekt deutlich weniger profitieren.

Begrenzte Flexibilität bleibt ein Nachteil

Weitere Nachteile sieht growney bei der eingeschränkten Verfügbarkeit des Kapitals. Auszahlungen vor dem 65. Lebensjahr gelten als förderschädlich. In diesem Fall müssen Zulagen und steuerliche Vorteile zurückgezahlt werden. Zudem sind im Rentenalter ausschließlich monatliche Auszahlungen vorgesehen.

Auch Anlegerinnen und Anleger, die den Sparerfreibetrag bislang nicht ausschöpfen, profitieren laut den Berechnungen nur eingeschränkt. Bei klassischen ETF-Sparplänen seien Auszahlungen flexibler und häufig steuerlich günstiger.

Grenzen gibt es zudem bei der Einzahlung. Für die staatliche Förderung müssen mindestens zehn Euro pro Monat eingezahlt werden. Gleichzeitig sind die jährlichen Einzahlungen auf 6.840 Euro begrenzt. Einmalige größere Investitionen, etwa aus Erbschaften oder Sonderzahlungen, lassen sich damit nur eingeschränkt abbilden.

Als mögliche Alternative nennt growney steueroptimierte ETF-Rentenversicherungen. „Was viele gar nicht wissen: Schon jetzt gibt es Möglichkeiten, sich Steuervorteile und Flexibilität zu sichern. Eine smarte Kombination von ETF-Geldanlage und Versicherung macht das möglich“, sagt Blickensdorf.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen