Die Nachfrage nach heimischer KI ist groß, die Zahlungsbereitschaft deutlich geringer. Laut Bitkom würden 96 Prozent der Unternehmen bevorzugt KI-Anwendungen deutscher Anbieter nutzen. Fast zwei Drittel (64 Prozent) wären jedoch nicht bereit, dafür einen höheren Preis oder einen geringeren Funktionsumfang in Kauf zu nehmen. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten im Auftrag des Digitalverbands. Der Verband hat die Ergebnisse zum Auftakt des Digital-Gipfels der Bundesregierung veröffentlicht.
„Deutschland und Europa dürfen bei KI nicht nur Anwender sein, wir müssen auch Anbieter werden. Es gibt eine breite Nachfrage nach souveräner KI, aber entsprechende Angebote müssen unabhängig vom Standort des Anbieters im Wettbewerb bestehen“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
Aus seiner Sicht braucht es dafür ausreichende Rechenkapazitäten, Zugang zu Daten und eine Regulierung, die Innovationen unterstützt. Hinzu komme ein Staat, der als Vorreiter selbst KI aus Deutschland und Europa einsetze. Vom Digital-Gipfel müsse das klare Signal ausgehen, dass Deutschland KI nicht nur nutzen, sondern auch selbst entwickeln und wirtschaftlich erfolgreich machen wolle. Die Politik müsse dafür jetzt die richtigen Prioritäten setzen.
Herkunft des KI-Anbieters wird zum Auswahlkriterium
Bei der Auswahl eines KI-Anbieters spielt der Standort für die meisten Unternehmen eine Rolle. Neun von zehn Befragten (87 Prozent) halten das Herkunftsland für wichtig. Deutschland liegt in der Gunst klar vorn. Auch europäische Anbieter gewinnen an Zuspruch. Frankreich verbessert sich im Vergleich zum Vorjahr von 38 auf 46 Prozent. Anbieter aus anderen EU-Ländern kommen auf 43 Prozent, nach 40 Prozent vor einem Jahr.
Die USA verlieren dagegen spürbar. Nur noch 41 Prozent der Unternehmen würden bevorzugt KI aus den Vereinigten Staaten nutzen, vor einem Jahr waren es 51 Prozent. Chinesische KI wollen noch 12 Prozent bevorzugt einsetzen, nach 18 Prozent im Jahr 2025.
Digitale Souveränität: Was die Wirtschaft von der Politik fordert
An die Bundespolitik richtet die Wirtschaft klare Erwartungen. 97 Prozent der Unternehmen fordern höhere Investitionen in Schlüsseltechnologien. Ebenso viele wünschen sich eine dringende Stärkung der digitalen Souveränität. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) sind der Meinung, Deutschland brauche mehr Hyperscaler, also sehr große Cloud-Anbieter.
„Digitale Souveränität entscheidet sich nicht daran, wo wir KI einkaufen, sondern daran, ob wir selbst in der Lage sind, Schlüsseltechnologien zu entwickeln und erfolgreich auf den internationalen Märkten zu positionieren. Deutschland muss und kann eigene KI-Angebote dort stark machen, wo wir besondere Kompetenzen haben, etwa bei industriellen Anwendungen bis hin zu spezialisierten KI-Lösungen für Unternehmen“, sagt Wintergerst.
Dafür müssten Entwicklung und Einsatz von KI gezielt gefördert und die Rahmenbedingungen für Investitionen und Innovationen verbessert werden. Jetzt komme es laut dem Bitkom-Präsidenten darauf an, dass aus diesem Anspruch politische Prioritäten werden.













