„Harvest Now, Decrypt Later“: Wie Quantencomputer Finanzdaten zur Zeitbombe machen

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Quantencomputer
Foto: adobe.stock/Aiden
Sind Quatencomputer eine Gefahr für Versicherer?

Leistungsfähige Quantencomputer gibt es noch nicht – und dennoch könnten Finanzdaten, die heute übertragen werden, künftig angreifbar sein. Andreas Gerhardt, CEO des Netzinfrastrukturanbieters GlobalConnect Deutschland, erklärt, warum Banken und Versicherungen ihre Sicherheitsarchitektur neu denken sollten.

Die Gefahr beginnt, bevor der Quantencomputer da ist. Darauf macht Andreas Gerhardt, CEO des Netzinfrastrukturanbieters GlobalConnect Deutschland, aufmerksam. Sein Argument: Angreifer könnten bereits heute verschlüsselte Daten abfangen und speichern – in der Hoffnung, sie mithilfe künftiger Quantencomputer nachträglich zu entschlüsseln.


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Dieses als „Harvest Now, Decrypt Later“ bekannte Szenario mache Quantensicherheit zu einem strategischen Thema für den Finanzsektor, und zwar nicht erst in einigen Jahren, sondern schon heute.

Langfristiger Datenschutz als besondere Herausforderung

Kaum eine Branche verarbeite so viele sensible Informationen mit so langen Schutzfristen wie Banken und Versicherungen, schreibt Gerhardt. Kontodaten, Transaktionen, Vertrags- und Kundendaten müssten teils über Jahrzehnte zuverlässig geschützt sein. Genau das mache die Branche besonders exponiert: Wer erst reagiere, wenn leistungsfähige Quantencomputer tatsächlich verfügbar seien, könnte zu spät kommen.

Die entscheidende Frage sei daher nicht, wann ein kryptografisch relevanter Quantencomputer entstehe. Wichtiger sei, wie lange die heute übertragenen Informationen vertraulich bleiben müssten – und ob die bestehende Infrastruktur dem standhalte.

Zwei Ansätze für Quantensicherheit

Technologisch zeichneten sich derzeit zwei Wege ab, so Gerhardt. Post-Quantum Cryptography (PQC) setzt auf kryptografische Verfahren, die auch Angriffen durch Quantencomputer standhalten sollen. Ihr wesentlicher Vorteil: Sie lasse sich grundsätzlich auf bestehender Kommunikationsinfrastruktur einsetzen. Für Unternehmen bedeute das eine schrittweise Migration, verbunden mit einer gründlichen Bestandsaufnahme aller genutzten kryptografischen Systeme und ihrer Abhängigkeiten.

Der zweite Ansatz, Quantum Key Distribution (QKD), nutze quantenphysikalische Prinzipien für den Schlüsselaustausch. Abhörversuche auf dem Quantenkanal seien aufgrund physikalischer Eigenschaften erkennbar. QKD erfordere allerdings leistungsfähige Glasfaserverbindungen, was die Netzinfrastruktur direkt in die Sicherheitsstrategie einbeziehe. PQC und QKD seien dabei keine konkurrierenden Technologien: Je nach Schutzbedarf und Anwendungsfall könnten beide unterschiedliche Rollen in einer künftigen Sicherheitsarchitektur übernehmen, betont Gerhardt.

Glasfaser rückt in die Sicherheitsstrategie

Lange sei Glasfaser vor allem mit Bandbreite und Übertragungsgeschwindigkeit verbunden worden. Diese Perspektive greife inzwischen zu kurz, so Gerhardt. Leistungsfähige Glasfasernetze bildeten nicht nur die Basis für Cloud Computing, KI-Anwendungen und Echtzeitdatenverarbeitung; sie könnten künftig auch die Grundlage für quantensichere Kommunikationsnetze bilden. „Entscheidend ist weniger die Frage, wann leistungsfähige Quantencomputer kommen“, sagt Gerhardt. „Unternehmen sollten sich vielmehr fragen, welche ihrer heutigen Daten auch dann noch sicher sein müssen – und ob ihre Infrastruktur darauf vorbereitet ist.“

Was Banken und Versicherungen jetzt tun sollten

Gerhardt plädiert nicht für einen kurzfristigen Komplettumbau bestehender Sicherheitsarchitekturen. Stattdessen solle Quantensicherheit Teil der langfristigen IT- und Infrastrukturstrategie werden. Ein erster Schritt sei eine Bestandsaufnahme: Welche Daten erforderten besonders langen Schutz? Über welche Netze würden sie übertragen? Welche Verschlüsselungsverfahren kämen zum Einsatz, und welche Systeme wären von einer Migration auf Post-Quantum-Verfahren betroffen?

Parallel dazu gelte es, die sogenannte Crypto-Agility zu stärken – also die Fähigkeit, kryptografische Verfahren bei Bedarf austauschen oder ergänzen zu können. Wer heute Netz-, Rechenzentrums- und Cloud-Strategien plane, solle die Anforderungen neuer Sicherheitsverfahren von Anfang an mitdenken. Regulatorisch wächst der Druck ohnehin: DORA und NIS2 machen die Resilienz digitaler Infrastrukturen längst zur Pflicht.


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