So verschieben sich die Vertriebswege in der Lebensversicherung

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
ChatGPT
Symbolbild Berater Zukunft

Laut der neuen WTW-Studie Lebensversicherung 2025 bauen Einfirmenvermittler ihre Führungsposition im deutschen Lebensversicherungsvertrieb 2025 weiter aus, während Makler und Mehrfachagenten Anteile verlieren. Zugleich bricht das Geschäft mit Restkreditversicherungen im Bankvertrieb drastisch ein.

Einfirmenvermittler haben ihre Spitzenposition im deutschen Lebensversicherungsvertrieb 2025 weiter ausgebaut. Ihr Marktanteil am Neugeschäft stieg auf 36 Prozent, wie die 27. WTW-Studie zur Lebensversicherung zeigt. Makler und Mehrfachagenten büßten dagegen Anteile ein. Im Bankvertrieb geriet unterdessen die Restkreditversicherung unter Druck. Dort schrumpfte das Neugeschäft deutlich, seit für Verbraucherkredite eine gesetzliche Wartefrist gilt.

Für die Untersuchung wertete WTW das eingelöste Neugeschäft aller deutschen Lebensversicherer aus und ordnete es Produktkategorien sowie Vertriebswegen zu. Als Maßstab dient dabei der APE-Wert, die Summe aus den laufenden Jahresbeiträgen und zehn Prozent der Einmalbeiträge. Dieser Wert kletterte 2025 um acht Prozent und erreichte damit knapp 6,5 Milliarden Euro - gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von einer halben Milliarde Euro. Den größten Anteil daran hatten die Einmalbeiträge: Sie legten um 4,3 Milliarden Euro beziehungsweise 23 Prozent zu.

Vertriebswege: Einfirmenvermittler und Banken gewinnen, Makler verlieren

Bei den einzelnen Vertriebswegen zeigt sich ein klarer Trend: Einfirmenvermittler bauen ihre Führungsposition weiter aus. Auch der Bankvertrieb gewinnt hinzu. Makler und Mehrfachagenten verlieren dagegen Marktanteile, wie die folgende Übersicht zeigt.

VertriebswegAnteil 2024Anteil 2025
Einfirmenvermittler35 Prozent36 Prozent
Bankvertrieb26 Prozent28 Prozent
Makler und Mehrfachagenten32 Prozent29 Prozent
Quelle: WTW, Studie zur Lebensversicherung 2025

Nach Aussage von Henning Maaß, Senior Director Insurance Management Consulting bei WTW, hängen in Deutschland die Veränderungen der Vertriebswegeanteile, wie schon in den Vorjahren, stark vom eingelösten Neugeschäft mit Einmalbeiträgen ab. Einfirmenvermittler erzielten dort ebenso wie bei den laufenden Beiträgen die höchste Zuwachsrate.

Private Altersvorsorge treibt die Einmalbeiträge

Der Boom bei den Einmalbeiträgen verteilt sich allerdings nicht gleichmäßig auf die Branche. Mehr als 75 Prozent des gesamten Zuwachses entfielen laut WTW auf lediglich drei Lebensversicherer. Bei diesen Anbietern dominierten erneut Produkte der privaten Altersvorsorge, wie Maaß erläutert. Einfirmenvermittler bauten ihr Einmalbeitragsgeschäft 2025 um 1,6 Milliarden Euro aus. Der Bankvertrieb steigerte seinen Anteil an den Einmalbeiträgen zugleich auf 45 Prozent. Makler und Mehrfachagenten verloren dagegen auch hier Boden: Ihr Anteil sank von 17 auf zwölf Prozent.

Deutlich verhaltener entwickelte sich das Geschäft mit laufenden Beiträgen. Es wuchs nur um 73 Millionen Euro beziehungsweise zwei Prozent - der schwächste Zuwachs der vergangenen drei Jahre. Banken vermittelten hier drei Prozent weniger Neugeschäft. Einfirmenvermittler legten um vier Prozent zu, Makler und Mehrfachagenten um drei Prozent. Über die vergangenen sieben Jahre kommen Makler und Mehrfachagenten auf eine durchschnittliche Wachstumsrate von 4,5 Prozent pro Jahr. Damit bleiben sie laut WTW der führende Vertriebsweg für laufende Beiträge.


Das könnte Sie auch interessieren:

Restkreditversicherung bricht nach neuer Wartefrist ein

Besonders deutlich zeigt sich der Umbruch bei der Restkreditversicherung. Nach den Worten von Maaß folgte das Einmalbeitragsgeschäft der Banken bislang einer einfachen Faustformel. 90 Prozent entfielen auf Produkte der betrieblichen und privaten Altersvorsorge, zehn Prozent auf Restkreditversicherungen. 2025 kippte dieses Verhältnis deutlich. Die Einmalbeiträge für Restkreditversicherungen sanken um 650 Millionen Euro. Inzwischen machen sie nur noch drei Prozent des Einmalbeitragsgeschäfts der Banken aus - ein historischer Tiefstand.

Hintergrund ist eine gesetzliche Neuregelung. Seit Jahresbeginn 2025 gilt für Restkreditversicherungen im Zusammenhang mit Verbraucherkrediten eine neue Regelung: Sie dürfen erst frühestens eine Woche nach Abschluss des Kreditvertrags vermittelt werden. „Diese Wartefrist hat den Restkreditversicherungs-Absatz und damit den Bankvertrieb erheblich beeinträchtigt“, erklärt Maaß. Den Einbruch konnten die Banken jedoch teilweise ausgleichen: Im Gegenzug setzten sie Einmalbeiträge in der privaten Altersvorsorge in Höhe von 3,2 Milliarden Euro um.

Ausblick: Altersvorsorgereform als Wachstumschance

Für die kommenden Jahre sieht WTW vor allem im Geschäft mit laufenden Beiträgen Potenzial. „Die Altersvorsorgereform dürfte das Neugeschäft beleben und neue Vertriebschancen eröffnen“, so Maaß. Demnach dürften vor allem solche Lebensversicherer profitieren, denen es gelingt, attraktive Altersvorsorgeprodukte mit einer passgenauen Absicherung biometrischer Risiken zu kombinieren.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments