Chatbots wie ChatGPT werden für Kaufinteressierte zunehmend zur ersten Anlaufstelle für Fragen zur Baufinanzierung. Wie viel Haus kann ich mir leisten? Wie viel Eigenkapital brauche ich? Die Antworten kommen schnell, basieren aber meist nicht auf aktuellen Marktkonditionen.
Eine nicht repräsentative Erhebung von Dr. Klein belegt den Trend: Etwas mehr als ein Viertel der Befragten nutzt Chatbots für Fragen rund um die Immobilienfinanzierung. Anbieterwebseiten, Immobilienportale und die klassische Internetsuche dominieren noch, doch KI gewinnt als Informationskanal an Gewicht.
Der Lübecker Finanzdienstleister hat nun eine App entwickelt, die sich in ChatGPT einbinden lässt und den Chatbot mit aktuellen Bankkonditionen versorgt. „Das Ziel lautet nicht ‚KI statt Beratung'“, sagt Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG. „Idealerweise führt die Integration unserer App in ChatGPT zu einer besser vorbereiteten Beratung – sowohl auf Kundenseite als auch für unsere Spezialistinnen und Spezialisten.“
Ohne Echtdaten bleiben KI-Berechnungen abstrakt
Welche Finanzierung tatsächlich möglich ist, hängt nicht allein von Kaufpreis, Eigenkapital und gewünschter Monatsrate ab. Auch das aktuelle Zinsniveau und weitere individuelle Parameter spielen eine Rolle. Fehlt diese Datenbasis, rechnet eine KI mit Annahmen, deren Ergebnisse von den real verfügbaren Angeboten abweichen können. „Eine erste Orientierung ist wertvoll, wenn sie der Realität entspricht“, sagt Neumann. „Klafft hier eine Lücke, entstehen Erwartungen, die später in der Beratung korrigiert werden müssen.“
Die neue App von Dr. Klein soll diese Lücke schließen. Neumann beschreibt das Prinzip: „Wir arbeiten mit realen Konditionen unserer Bankpartner. Die individuellen Ergebnisse werden nach der Berechnung durch unsere Systeme von der KI dargestellt und gegebenenfalls um hilfreichen Kontext ergänzt.“
KI bereitet vor, Berater ordnen ein
Ein Ersatz für die persönliche Beratung ist die App nicht. „Eine Baufinanzierung bleibt individuell und die App kann eine persönliche Beratung nicht ersetzen“, betont Neumann. Das Ergebnis der KI-Berechnung stellt keine Finanzierungszusage dar; spätestens bei der konkreten Planung müssen individuelle Lebensumstände, finanzielle Spielräume, Risiken und persönliche Prioritäten berücksichtigt werden.
„KI kann erklären, strukturieren und auf ein Beratungsgespräch vorbereiten“, so Neumann. Für ihn liegt die eigentliche Aufgabe woanders: „Die Aufgabe unserer Spezialistinnen und Spezialisten ist es, die Möglichkeiten individuell einzuordnen und gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden eine Finanzierung zu finden, die nicht nur rechnerisch funktioniert, sondern auch zu ihrem Leben passt.“
Für Dr. Klein ist die neue App zugleich ein Lernfeld. Welche Rolle solche Integrationen bei der Suche nach Finanzinformationen künftig spielen werden, ist noch offen. „Wir wollen die Entwicklung früh begleiten und Erfahrungen damit sammeln, wie digitale Orientierung und persönliche Beratung sinnvoll ineinandergreifen können“, so Neumann.











