Mercedes-Benz setzte seine rund 38.000 Büroangestellten in Deutschland per E-Mail über eine bevorstehende Verschärfung der Präsenzpflicht in Kenntnis: Vom 1. Januar 2027 an soll die Vier-Tage-Büropräsenz pro Woche zur Regel werden. Die Neuregelung beim Mercedes Homeoffice steht allerdings noch unter Vorbehalt, denn die Betriebsratsgremien an den einzelnen Standorten müssen der neuen Betriebsvereinbarung erst zustimmen.
Bislang galt für die Beschäftigten eine Mercedes-Homeoffice-Regelung aus dem Jahr 2016, die wöchentlich bis zu fünf Tage im Homeoffice gestattete. Tatsächlich lag die Präsenzquote im Büro zuletzt aber bei rund 50 Prozent. Sollte bis März 2027 keine neue Betriebsvereinbarung zustande kommen, greift automatisch der gesetzliche Normalfall von fünf Präsenztagen pro Woche.
Mercedes Homeoffice im Vergleich: Welche Konzerne bereits nachzogen
Mit der geplanten Verschärfung reiht sich Mercedes-Benz in eine Reihe großer Arbeitgeber ein, die ihre Präsenzpflicht im Büro seit 2023 neu geordnet haben. Der Vergleich zeigt allerdings, dass nicht alle Unternehmen in dieselbe Richtung steuern: SAP, Volkswagen und die Deutsche Bank haben bereits strengere Präsenzvorgaben eingeführt, während die Commerzbank auf Flexibilität setzt und Bosch seine bisherige Vereinbarung gekündigt hat.
Präsenzregeln im Vergleich: So viele Bürotage verlangen die Konzerne
Ein Überblick zeigt die aktuellen Regeln der einzelnen Unternehmen.
| Unternehmen | Präsenzregel | Gilt seit beziehungsweise ab | Betroffene Beschäftigte |
|---|---|---|---|
| Mercedes-Benz | vier Bürotage pro Woche als Standard | geplant ab 1. Januar 2027 | rund 38.000 Büroangestellte in Deutschland |
| SAP | mindestens drei Bürotage pro Woche | seit 9. Januar 2024 | rund 110.000 weltweit |
| Deutsche Bank | höchstens zwei Homeoffice-Tage pro Woche, Managing Directors ein Tag | ausnahmslos seit 2026 | zuvor mehr als 10.000 Beschäftigte an drei Tagen remote |
| Allianz Deutschland | mindestens vier Präsenztage im Büro pro Monat | seit 2023 | rund 19.000 |
| Volkswagen | höchstens zwei Homeoffice-Tage pro Woche | seit April 2024 | rund 24.000 |
| Bosch | „Smart Work“-Vereinbarung ohne Begrenzung der mobilen Arbeitstage gekündigt | Kündigung zum 1. August 2026 | konzernweit, keine Angabe |
| Commerzbank | flexibel, erwartet werden zwei bis drei Präsenztage pro Woche plus ein Team-Tag | seit 1. Oktober 2025, unbefristet | konzernweit, keine Angabe |
SAP, Volkswagen und Deutsche Bank verschärften die Büropflicht zuerst
Bei SAP gilt die Büropflicht bereits länger: Seit dem 9. Januar 2024 müssen alle rund 110.000 Beschäftigten weltweit mindestens drei Tage pro Woche im Büro arbeiten. Angerechnet werden dabei auch Geschäftsreisen und Arbeitstage bei Kunden. Der Softwarekonzern begründet den Schritt damit, dass regelmäßige Büropräsenz entscheidend zu neuen Ideen beitrage und so den Wettbewerbsvorteil sichere. Eine Übergangsfrist lief bis Ende April 2024.
Volkswagen zog im April 2024 nach und kappte die zulässige Homeoffice-Zeit für rund 24.000 Beschäftigte von vier auf zwei Wochentage. Bei der Deutschen Bank ist mobiles Arbeiten auf höchstens zwei Tage für Mitarbeiter und einen Tag für Managing Directors beschränkt, zusätzlich steht ein zweiwöchiger Remote-Block pro Jahr zur Verfügung. Davor hatten mehr als 10.000 Beschäftigte an drei Wochentagen im Homeoffice gearbeitet. Ein Sprecher des Instituts begründet den Schritt damit, dass die Vereinbarungen in Deutschland an die globalen Vorgaben angepasst werden sollen. Wer zuvor zu 60 Prozent im Homeoffice gearbeitet hatte, erhielt 2025 übergangsweise zwölf zusätzliche flexible Homeoffice-Tage. Seit 2026 gilt die neue Regel ausnahmslos für alle.
Commerzbank und Bosch: zwei Gegenbeispiele
Nicht alle großen Arbeitgeber folgen jedoch dem Mercedes-Homeoffice-Kurs hin zu mehr Präsenz im Büro. Bei der Commerzbank ist Homeoffice seit dem 1. Oktober 2025 dauerhaft und ohne zeitliche Befristung möglich. Im Idealfall sollen die Beschäftigten an zwei bis drei Tagen pro Woche im Büro sein, hinzu kommt mindestens ein gemeinsamer Team-Tag; die konkrete Ausgestaltung bestimmen die Teams eigenständig. Personalvorständin Sabine Mlnarsky bezeichnet den Schritt laut Übersetzung der Quelle als wichtiges Signal der Wertschätzung und des Vertrauens gegenüber den Beschäftigten.
Bei Bosch läuft die bisherige Regelung dagegen aus: Der Technologiekonzern kündigte seine konzernweite „Smart Work“-Betriebsvereinbarung zum 1. August 2026. Sie schränkte die Zahl der mobilen Arbeitstage zuvor nicht ein.
Arbeitsrecht: Betriebsrat muss bei der Präsenzpflicht mitreden
Wie weit Arbeitgeber bei der Präsenzpflicht im Büro gehen dürfen, hat auch die Arbeitsgerichte beschäftigt. Konkret urteilte das Landesarbeitsgericht München am 10. August 2023 (Aktenzeichen 8 TaBVGa 6/23) im Streitfall der Allianz-Tochter Allianz Re, dass Arbeitgeber abweichende Präsenztage nicht ohne Zustimmung des Betriebsrats vorgeben dürfen, sofern bereits eine Betriebsvereinbarung zur mobilen Arbeit existiert. Wird in einem Betrieb mobil gearbeitet, ist der Betriebsrat demnach zu beteiligen.
Im gesamten Allianz-Deutschland-Verbund greift seit 2023 eine Vorgabe für rund 19.000 Beschäftigte, die mindestens vier Bürotage im Monat sowie jährlich bis zu 25 Arbeitstage im Ausland vorsieht. Personalvorständin Ulrike Zeiler sagt zur Begründung: „Corona hat gezeigt, was im Bereich des mobilen Arbeitens möglich ist.“
Für Arbeitgeber bedeutet die Entscheidung: Besteht bereits eine Vereinbarung zu mobiler Arbeit, lässt sich eine strengere Präsenzpflicht nicht einseitig durchsetzen. Auch die geplante Vier-Tage-Regel bei Mercedes-Benz soll erst nach Zustimmung der Betriebsratsgremien in Kraft treten.
Homeoffice-Anteil bundesweit weiterhin bei rund einem Viertel
Trotz der prominenten Einzelfälle bleibt Homeoffice in der Gesamtwirtschaft stabil. Laut ifo Institut arbeiteten im August 2026 24,9 Prozent der Beschäftigten zumindest zeitweise von zu Hause - ein Wert, der sich gegenüber 24,3 Prozent im Februar 2026 kaum verändert hat. Seit 2022 bewegt sich dieser Wert beständig um ein Viertel aller Beschäftigten, nachdem er im März 2021 mit 32,3 Prozent seinen Höchststand und im August 2024 mit 23,4 Prozent seinen niedrigsten Stand erreicht hatte. Im Dienstleistungssektor fällt der Anteil mit rund 35 Prozent deutlich höher aus als im Baugewerbe mit rund fünf Prozent.
Ifo-Forscher Jean-Victor Alipour ordnet die Entwicklung ein: Seit 2022 arbeite etwa ein Viertel aller Beschäftigten zumindest zeitweise von zu Hause. Einzelne Unternehmen, die mobiles Arbeiten stark einschränken, bildeten noch keinen Trend. Homeoffice sei und bleibe etabliert.
Auch eine Bitkom-Umfrage vom 8. Mai 2025 unter 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten zeichnet ein gemischtes Bild: 58 Prozent der Unternehmen bieten Homeoffice an, unter den Firmen mit mindestens 500 Beschäftigten sind es sogar 74 Prozent. Gleichzeitig beabsichtigen 15 Prozent der Firmen mit Homeoffice-Angebot, dieses einzuschränken, fünf Prozent wollen es komplett streichen. Lediglich drei Prozent planen eine Ausweitung, bei 45 Prozent bleibt die bestehende Regelung bestehen.
Was die Mercedes-Homeoffice-Pläne für die Finanzbranche bedeuten
Für Finanzvertriebe, Versicherer und Vermögensverwalter als Arbeitgeber sind die Regeln der Großkonzerne aus zwei Gründen relevant. Zum einen konkurrieren sie am Arbeitsmarkt mit Unternehmen, die wie die Commerzbank weiterhin auf Flexibilität setzen. Zum anderen zeigt die Münchner Entscheidung, wie weit Eingriffe in bestehende Betriebsvereinbarungen zur mobilen Arbeit reichen dürfen.













