Beim Thema KI zeigt sich Chinas Aktienmarkt zweigeteilt. Unternehmen, die vom globalen KI-Boom profitieren, haben kräftig zugelegt und werden heute deutlich höher bewertet. Der breite chinesische Internetsektor bremst die Gesamtrendite dagegen aus: Die Konzerne stecken Milliarden in KI-Infrastruktur, doch bis sich das auszahlt, dürfte es noch dauern. Gleichzeitig lastet die schwächelnde Binnenkonjunktur auf vielen Konsumwerten. Gewinner dieser Gemengelage sind Staatsunternehmen mit hohen Dividendenrenditen, in die sich heimische Anleger auf der Suche nach Sicherheit flüchten.
Trotz dieser Herausforderungen spielt China auf zwei Wegen eine wichtige Rolle bei den globalen KI-Chancen: als Zulieferer kritischer Komponenten für den Weltmarkt und durch die Entwicklung eigener, lokaler KI-Technologie. Darüber hinaus gibt es chinesische Unternehmen, die in KI-Cloud-Infrastruktur investieren, KI-Agenten auf den Markt bringen und in den globalen Ranglisten für große Sprachmodelle rasant nach oben klettern.
Mit Blick nach vorn würden gelockerte US-Exportbeschränkungen den chinesischen Cloud-Anbietern einen besseren Zugang zu Hochleistungschips verschaffen. Das dürfte den adressierbaren Gesamtmarkt nahezu sicher vergrößern und mittelfristig Umsatz und Gewinne antreiben. Chinas Fortschritte bei der KI haben dabei eine doppelte Wirkung: Zum einen erweitern sie die Chancen im Inland, die bislang durch den Mangel an verfügbaren Chips gebremst werden. Zum anderen könnten zusätzliche chinesische Kapazitäten in bestimmten Bereichen zu einem Überangebot an Komponenten und Chips führen, sollte die Gesamtnachfrage stagnieren. Derzeit ist die Lücke zwischen Nachfrage und verfügbarem Angebot bei den meisten Komponenten und Chips allerdings enorm. Für Korea und Taiwan stellen Chinas KI-Fortschritte daher keine unmittelbare Bedrohung dar.
Autor Kunjal Gala, Head of Global Emerging Markets bei Federated Hermes















