Europäische Fondsselektoren rechnen mit einem deutlichen Bedeutungsgewinn für Private Markets. Laut der am 24. September 2026 veröffentlichten „Global Private Investment Markets Study“ von Neuberger Berman und Research in Finance soll der Anteil der Retail- und Wholesale-Investoren, die in diese Anlageklasse investieren, binnen fünf Jahren von 63 auf 88 Prozent steigen. Für die Studie werteten die Autoren die Einschätzungen von 1.051 europäischen Fondsselektoren aus, davon 715 aus dem Retail-Segment und 336 institutionelle Investoren.
Als Fondsselektoren werden dabei Personen verstanden, die bei Fondsgesellschaften, Vermögensverwaltern et cetera die Auswahl von (Ziel-) Fonds vornehmen. Auch für den Retailbereich wurden demnach entsprechende Manager von Publikumsfonds und Vermögensverwaltern befragt, nicht die Privatanleger selbst.
Bei institutionellen Investoren liegt die Beteiligung an Private Markets schon heute bei 75 Prozent. Binnen fünf Jahren soll sie auf 85 Prozent steigen. Die Nachfrage wächst damit auch im Bereich professioneller Anleger, allerdings deutlich langsamer als im Retail-Segment. Wie stark auch institutionelle Adressen inzwischen in diesem Segment aktiv werden, zeigt etwa der Scaleup Europe Fund, über den die Allianz Kundengelder in Zukunftstechnologien investiert.
| Anlegergruppe | Aktuell investiert | Prognose in fünf Jahren |
|---|---|---|
| Retail und Wholesale | 63 Prozent | 88 Prozent |
| Institutionell | 75 Prozent | 85 Prozent |
Liquidität bleibt die größte Hürde für Private Markets
Trotz der positiven Erwartungen nennen die Fondsselektoren weiterhin deutliche Hindernisse. Mangelnde Liquidität führt die Liste mit 65 Prozent an, nach 57 Prozent im Vorjahr. Immerhin sinkt der Anteil derjenigen, die fehlende Zugangsmöglichkeiten als Problem sehen, von 26 auf 21 Prozent.
| Genannte Hürde | Aktuell | Vorjahr |
|---|---|---|
| Mangelnde Liquidität | 65 Prozent | 57 Prozent |
| Mangelnde Transparenz | 48 Prozent | – |
| Hohe Mindestanlagebeträge | 37 Prozent | – |
| Fehlende Zugangsmöglichkeiten | 21 Prozent | 26 Prozent |
Diversifikation bleibt das Hauptargument der Anleger
Als wichtigsten Vorteil von Investments in Private Equity, Private Credit und weitere alternative Anlagen nennen 74 Prozent der Befragten die Portfoliodiversifikation. Es folgen hohe Renditechancen mit 55 Prozent, Kapitalwachstum mit 43 Prozent, eine geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen mit 41 Prozent und ein langfristiger Anlagehorizont mit 39 Prozent. Welche Rolle Private Equity dabei aus Anbietersicht spielen kann, verdeutlicht auch Franklin Templetons Einstieg bei Stoneshield Capital.
Bei den konkreten Allokationsplänen fällt die Zustimmung dagegen verhaltener aus. Per saldo wollen 37 Prozent der Investoren ihre Private-Equity-Quote in den kommenden zwölf Monaten erhöhen. Bei nicht börsennotierter Infrastruktur sind es 29 Prozent, bei Private Credit 25 Prozent.
ELTIF gewinnt bei Fondsselektoren an Bekanntheit
Ein zentraler Treiber für den erwarteten Bedeutungsgewinn sind laut Studie European Long-Term Investment Funds, kurz ELTIF. Mittlerweile geben 74 Prozent der befragten Fondsselektoren an, mit dieser Fondsstruktur vertraut zu sein, nach 68 Prozent im Vorjahr. Zudem empfehlen 21 Prozent ELTIF bereits ihren Kunden oder investieren selbst darin, im Vorjahr waren es 13 Prozent. Weitere 18 Prozent planen den Einstieg innerhalb der kommenden zwölf Monate.
ELTIF 2.0 öffnet die Private Markets für Privatanleger
Die reformierte EU-Verordnung zu ELTIF gilt seit dem 10. Januar 2024 und erleichtert Privatanlegern den Zugang deutlich. Zuvor galten eine Mindestanlage von 10.000 Euro sowie eine Obergrenze von zehn Prozent des Portfolios für Anleger mit einem Vermögen unter 500.000 Euro. Diese Beschränkungen sind entfallen. Verpflichtend bleiben jedoch die Geeignetheitsprüfungen nach MiFID-Standards, mit denen Berater und Vermittler die Angemessenheit eines ELTIF-Investments für den jeweiligen Kunden prüfen müssen, wie die BaFin erläutert.
Jesco Schwarz, Head of Intermediary Client Group für Deutschland und Österreich bei Neuberger Berman, ordnet die Ergebnisse so ein: „Private Markets haben sich inzwischen stärker etabliert. Ermöglicht wird dies durch breitere Zugangsmöglichkeiten, ein wachsendes Verständnis der Anleger und eine deutliche Nachfrage nach Diversifikation. Die anhaltende Dynamik bei ELTIFs und Evergreen-Produkten ist erfreulich. Anleger nutzen die flexibleren und benutzerfreundlicheren Zugänge zu Private Markets, um ihre bestehenden Investitionen in geschlossene Fonds zu ergänzen.“
Neuberger Berman: Managerauswahl entscheidet über den Erfolg
Mit Blick auf die Produktauswahl betont Schwarz die Rolle des Anbieters: „An den Private Markets ist die Auswahl des Managers ein entscheidender Faktor. In der Vergangenheit haben Manager des obersten Quartils die übrigen Anbieter kontinuierlich übertroffen. Wir sind überzeugt, dass die Managerauswahl ebenso wie die Aufklärung der Anleger, eine geeignete Produktgestaltung und qualitativ hochwertige Investments entscheidend sind, um für Kunden langfristig attraktive Ergebnisse zu erzielen.“
Für die Bewertung der Zahlen ist relevant, dass die Studie in Zusammenarbeit mit Neuberger Berman entstanden ist. Der Vermögensverwalter vertreibt selbst ELTIF und weitere Produkte für Private Markets. Die aktuelle Befragung gehört zu einer jährlichen Reihe: Die Vorgängerstudie „European Fund Selector Study“ erschien im Juni 2025 und basierte auf 894 Befragten, davon 597 aus dem Retail-Segment und 297 institutionelle Investoren.
Einen Ausblick auf mögliche Gewinner-Anlageklassen der kommenden Jahre liefert auch die Analyse „Der große Umbruch“ – diese Anlageklassen könnten bis 2031 vorn liegen.














