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„Betriebliche Fürsorge ist kein Luxus - sie ist das Fundament“

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Marcus Börner, personalis
Foto: Alexander von Spreti
Marcus Börner, Gründer und Geschäftsführer der personalis GmbH - Institut für betriebliche Vorsorge, erklärt, warum einzelne Vorsorgeprodukte zu kurz greifen, wie Arbeitgeber ein tragfähiges Gesamtkonzept entwickeln und welche Chancen sich daraus für Vermittler ergeben.

Fachkräftemangel, steigende Krankenstände und veränderte Erwartungen der Beschäftigten machen betriebliche Fürsorge zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Marcus Börner, Gründer und Geschäftsführer der personalis GmbH - Institut für betriebliche Vorsorge, erklärt, warum einzelne Vorsorgeprodukte zu kurz greifen, wie Arbeitgeber ein tragfähiges Gesamtkonzept entwickeln und welche Chancen sich daraus für Vermittler ergeben.

Herr Börner, betriebliche Fürsorge - was genau meinen Sie damit, und warum reicht ‚betriebliche Vorsorge‘ als Begriff nicht mehr aus?
Börner: Betriebliche Vorsorge ist für die meisten Menschen gleichbedeutend mit betrieblicher Altersversorgung - also bAV. Das ist wichtig, keine Frage. Aber es ist nur ein Teil des Bildes. Wenn wir von betrieblicher Fürsorge sprechen, meinen wir das gesamte Spektrum dessen, was ein Arbeitgeber für das Wohlergehen seiner Mitarbeiter tun kann: Von der betrieblichen Krankenversicherung über Berufsunfähigkeitsabsicherung und betriebliches Gesundheitsmanagement bis hin zu Gehaltsoptimierung und steuerlich attraktiven Benefits. Fürsorge ist der übergeordnete Begriff - Vorsorge ist ein Werkzeug davon. Und genau diese Unterscheidung macht in der Praxis den entscheidenden Unterschied: Unternehmer, die das verstehen, binden ihre Mitarbeiter anders - und besser.“

Warum ist dieses Thema gerade jetzt für Unternehmer so dringend?
Börner: Wir erleben gerade drei Entwicklungen gleichzeitig, die das Thema zur Chefsache machen. Erstens der demografische Wandel: Gute Mitarbeiter sind knapp, und Unternehmen kämpfen um Talente wie selten zuvor. Zweitens: Alltag und Beruf werden immer komplexer. Drittens eine veränderte Erwartungshaltung der Arbeitnehmer: Gehalt allein reicht nicht mehr. Menschen wollen wissen, dass ihr Arbeitgeber für sie da ist - auch wenn es schwierig wird. Wer als Unternehmer heute handelt, hält seine Mitarbeitenden und verliert sie nicht - weder an die Konkurrenz noch an die Krankheit.

Warum gehen Unternehmen das Thema nicht oder nicht richtig an? Welche Fehler beobachten Sie, wenn Unternehmen das Thema angehen - oder eben nicht angehen?
Börner: Der häufigste Unternehmens-Fehler ist, das Thema vor sich herzuschieben, weil sie meinen, es sei zu komplex und zu teuer, und deshalb gar nicht erst anfangen. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Nichts zu tun ist das Teuerste. Ein Mitarbeiter, der langfristig ausfällt, kostet ein Unternehmen ein Vielfaches dessen, was sinnvolle Fürsorgemaßnahme kosten würde. Der zweithäufigste Fehler ist Stückwerk: Man installiert hier eine bAV, dort eine Gruppenunfallversicherung, und niemand schaut sich das Gesamtbild an. Betriebliche Fürsorge funktioniert aber nur als System - nicht als Sammlung von Einzelprodukten. Der Effekt der Maßnahmen wird um so größer, je mehr die Dinge ineinander greifen, abgestimmt sind, und eben nicht nur nebeneinander stehen.

Wo sehen Sie die größten Lücken bei dem, was Unternehmer heute über die Fürsorge für ihre Mitarbeiter wissen?
Börner: Fast jeder Unternehmer hat eine Haftpflicht für seine Maschinen - aber kaum einer hat sich Gedanken gemacht, was passiert, wenn sein bester Mitarbeiter sechs Monate oder dauerhaft ausfällt.
Die gesetzliche Krankenversicherung leistet vieles - aber längst nicht alles. Schnellere Facharzttermine, wahlärztliche Behandlung, hochwertiger Zahnersatz, Sehhilfen oder Vorsorgeuntersuchungen über den GKV-Standard hinaus: Das sind Leistungen, die Mitarbeiter im Alltag spüren. Und die daraus resultierenden positiven Effekte auf Mitarbeitergesundheit, bessere soziale Absicherung, besserer Gesundheitsversorgung damit verbunden kürzere Ausfallzeiten, Solidarität mit dem Unternehmen / Unternehmer. Damit verbunden mehr Leistung und höhere Produktivität. - das ist ein Vorteil, den kein privat abgeschlossener Tarif bieten kann. Wer als Arbeitgeber das als Benefit anbietet, hat bei der Mitarbeiterbindung die Nase vorn.

Viele Makler und Berater meiden dieses Thema - zu komplex, zu zeitaufwändig. Was sagen Sie denen?
Börner: Ich verstehe diese Haltung - und gleichzeitig ist sie eine verpasste Chance. Betriebliche Fürsorge betrifft rechtliche, steuerliche und Versicherungsthemen und ist somit tatsächlich komplex. Aber genau deshalb bieten wir Vermittlern eine Partnerschaft an. Unser Ansatz ist: Wir bieten Marktteilnehmern eine lukrative win-win- Partnerschaft an. Sie bringen den Kundenzugang, wir bringen die Expertise. Das Thema ist für einen Vermittler ein sehr lukrativer Türöffner zu seinen Firmenkunden, der kaum zu übertreffen ist. Wer einen Unternehmer fragt: ‚Haben Sie eigentlich geregelt, was passiert, wenn Ihr Schlüsselmitarbeiter morgen ausfällt?‘ - der spricht sofort über etwas, das wirklich zählt. Und solche Gespräche stärken langfristige Kundenbeziehungen.

Wie kann ein Vermittler, der sich selbst nicht darauf spezialisieren möchte oder kein Experte in diesem Bereich ist, seinem Firmenkunden dennoch einen echten Mehrwert bieten?
Börner: Ganz einfach: indem er das richtige Netzwerk hat. Ein Vermittler muss nicht alles selbst können - er muss wissen, wen er anruft. Wer uns als Ansprechpartner im Hintergrund hat, kann seinem Firmenkunden sagen: ‚Dieses Thema ist zu wichtig für eine Standardlösung. Ich hole mir dafür einen Spezialisten ins Boot.› Das ist keine Schwäche - das ist Professionalität. Und der Unternehmer schätzt genau das: einen Berater, der weiß, wo seine eigenen Grenzen sind, und der das Netzwerk mitbringt, um echte Lösungen zu liefern.

Was unterscheidet Ihren Beratungsansatz bei personalis von dem, was ein klassisches Versicherungsunternehmen bietet?
Börner: Wir erstellen Fürsorgekonzepte, keine Versicherungslösungen. „Wir beraten neutral - das ist der entscheidende Unterschied. Wir schauen uns zunächst die individuelle Situation des Unternehmens an: die Belegschaft, die Unternehmenskultur, das Budget, die steuerliche Situation, die vorhandenen Strukturen. Erst dann empfehlen wir Lösungen - und die können von verschiedenen Anbietern kommen. Dazu kommt: Wir denken in Systemen, nicht in Produkten. Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Verträge abzuschließen, sondern dem Unternehmen ein tragfähiges Fürsorgefundament zu bauen, das über die nächsten Jahre noch ausgebaut und angepasst werden kann und auch in fünf Jahren noch passt.

Können Sie ein Beispiel nennen, wo Sie für ein Unternehmen eine Lösung gefunden haben, die vorher niemand auf dem Schirm hatte?
Börner: Ein mittelständisches Dienstleistungsunternehmen mit rund 45 Mitarbeitern wollte seine Attraktivität als Arbeitgeber steigern, ohne das Gehaltsbudget zu erhöhen. Als wir die Situation analysiert haben, war schnell klar: Eine betriebliche Krankenversicherung war das Instrument der Wahl. Keine Gesundheitsprüfung, überschaubare Kosten für den Arbeitgeber - aber ein Benefit, den die Mitarbeiter im Alltag wirklich spüren. Drei Monate nach Einführung gab es viele positive Rückmeldungen aus dem Team. Und bei der nächsten Bewerbungsrunde haben mehrere Kandidaten die bKV explizit als Entscheidungsfaktor genannt. Das hätte keine Gehaltserhöhung gebracht.

Was ist Ihre wichtigste Botschaft an einen Unternehmer, der dieses Interview gerade liest? Wie können Vermittler jetzt Ihre Firmenkunden am einfachsten ins Boot holen?
Börner: Fangen Sie an - heute, nicht morgen. Betriebliche Fürsorge ist kein Luxus für große Konzerne. Sie ist das Fundament, auf dem Mitarbeiterbindung und unternehmerische Verantwortung wachsen. Und die gute Nachricht: Sie müssen das nicht alleine durchdenken. Es gibt Experten, die genau dafür für Sie da sind. Die entscheidende Frage, die ich jedem Unternehmer stelle, lautet: Was wäre, wenn Ihr wichtigster Mitarbeiter morgen nicht mehr zur Arbeit kommen kann - für Monate oder für immer? Wenn Sie diese Frage nicht beantworten können, dann haben Sie Handlungsbedarf.

Und was möchten Sie Vermittlern mitgeben, die jetzt die Chance nutzen wollen und überlegen, das Thema bei ihren Firmenkunden anzusprechen?
Börner: Trauen Sie sich, dieses Gespräch zu führen. Es ist das Gespräch, das Ihre Beziehung zum Firmenkunden auf eine völlig neue Ebene hebt - weg vom Produktverkauf, hin zur echten Beratung. Und wenn Sie sich nicht auf betriebliche Fürsorgekonzepte spezialisiert haben. Kontaktieren Sie uns, sprechen Sie uns an. Wir arbeiten gerne mit Vermittlern zusammen, die ihre Firmenkunden wirklich gut beraten wollen. Gemeinsam kommen wir dahin, wo keiner von uns alleine hinkommt. Über ein bundesweites Netzwerk zur Beratung unserer Fürsorgekonzepte auch für Firmen mit mehreren Standorten.

Interview: Frank O. Milewski, Cash.

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