Demokraten erobern Kongress: Folgen für deutsche US-Fonds-Anleger

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Rund 48 Prozent der deutschen Aktien-ETF-Bestände stecken in US-Werten - ein Gewicht, das Berater jetzt neu bewerten müssen.

Die Demokraten haben die Kontrolle über beide Kammern des US-Kongresses übernommen. Da US-Werte fast die Hälfte der deutschen Aktien-ETF-Bestände ausmachen, ist das Midterms-Ergebnis auch für heimische Fondsanleger relevant. Welche Branchen Analysten jetzt im Blick haben.

Die Mehrheit in beiden Kammern des US-Kongresses verschiebt sich: Die Demokraten lösen die Republikaner ab. Mehrere US-Medien - darunter die „New York Times“ und NBC News - berichten darüber übereinstimmend. Das Midterms-Ergebnis trifft auch deutsche Fondsdepots. Denn knapp die Hälfte des hierzulande in Aktien-ETFs gebundenen Vermögens liegt in US-Titeln.

Senat und Repräsentantenhaus kippen zugunsten der Demokraten

Die Nachrichtenagentur AP beziffert die demokratische Mehrheit im Senat auf mindestens 51 Mandate. Mehrere bislang republikanische Sitze gingen verloren, etwa in South Carolina, Kansas und Texas. Auch im Repräsentantenhaus drehten die Demokraten das Kräfteverhältnis: Mindestens 28 Mandate wechselten von den Republikanern zu ihnen. Das reicht für die Mehrheit in der insgesamt 435 Sitze umfassenden Kammer.

Die endgültige Senatszahl steht allerdings noch nicht fest. Andere Berichte zählten bei 27 von 35 ausgezählten Sitzen bereits 52 demokratische Mandate. Die grundlegende Machtverteilung ist dennoch klar: Mit einem republikanischen Präsidenten und einem demokratisch dominierten Kongress besteht nun eine sogenannte „geteilte Regierung“. Wie belastbar die AP-Prognose am Ende ausfällt, zeigt sich erst mit der vollständigen Auszählung.

US-Präsident Donald Trump äußerte sich in der Wahlnacht gegenüber der „New York Times“ versöhnlich. Er signalisierte Bereitschaft, das Ergebnis zu akzeptieren, und stellte eine Zusammenarbeit mit den Demokraten in Aussicht.

Was das Midterms-Ergebnis für deutsche Fondsanleger bedeutet

Der Machtwechsel in Washington trifft auf Depots, die stark auf die USA ausgerichtet sind. Der Fondsverband BVI beziffert den US-Anteil am deutschen Aktien-ETF-Vermögen für Mitte 2025 auf 48 Prozent. Europäische Werte ohne Deutschland kommen demnach auf 22 Prozent, heimische Aktien auf elf Prozent und der Rest der Welt auf 19 Prozent. Deutlich moderater fällt die US-Gewichtung bei klassischen, aktiv gemanagten Aktienfonds aus. Hier liegt der Anteil laut BVI bei 39 Prozent.

Zur Jahresmitte 2026 hielten deutsche Anleger ETFs im Gegenwert von 697 Milliarden Euro. Das geht aus einer BVI-Untersuchung vom Oktober 2026 hervor, die der Verband gemeinsam mit Clearstream erhoben hat. Binnen zwölf Monaten entspricht das einem Plus von rund 200 Milliarden Euro. Bezieht man zusätzliche Vertriebskanäle mit ein, schätzt der BVI das gesamte deutsche ETF-Volumen auf mehr als 800 Milliarden Euro.


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RegionAnteil am Aktien-ETF-Vermögen deutscher Anleger
USA48 Prozent
Europa (ohne Deutschland)22 Prozent
Rest der Welt19 Prozent
Deutschlandelf Prozent
Quelle: BVI Bundesverband Investment und Asset Management (Stand: Mitte 2025)

Technologiewerte prägen die US-Positionen

Innerhalb der US-Bestände dominieren wenige Technologiekonzerne. Der BVI beziffert den Anteil von Technologietiteln am gesamten deutschen Aktien-ETF-Vermögen auf 26 Prozent. Die „Magnificent Seven“ kommen zusammen auf rund 13 Prozent. Nvidia führt die Liste der größten Einzelpositionen in deutschen ETF-Portfolios an, mit knapp elf Milliarden Euro vor Microsoft und Apple. Der größte europäische Titel, SAP, kommt hingegen auf einen Portfolioanteil von 1,6 Prozent.

Auf der Anbieterseite zeigt sich eine ähnliche Konzentration. Laut BVI stammen 96 Prozent des in passiven Aktien-ETFs angelegten Vermögens deutscher Anleger von Indizes, die gerade einmal fünf Anbieter stellen.

Was die Geschichte über geteilte Regierungen zeigt

Wie sich das Midterms-Ergebnis auf die Aktienmärkte auswirken könnte, lässt sich nur eingeschränkt aus der Vergangenheit ableiten. RBC Wealth Management hat die Entwicklung des S&P 500 seit 1932 nach Regierungskonstellationen ausgewertet. Am schwächsten schneiden republikanische Präsidentschaften mit einem geteilten oder demokratisch beherrschten Kongress ab. Die jährliche Kursrendite erreichte hier im Schnitt nur rund fünf Prozent. Beherrschten die Republikaner beide Kammern, lag die Durchschnittsrendite bei etwa 13 Prozent. Für demokratische Präsidenten mit geteiltem Kongress ermittelte RBC 13 bis 14 Prozent. Die Analysten räumen allerdings selbst ein, dass die Stichprobe sehr klein ist. Die Werte seien eher Gesprächsstoff als eine verlässliche Prognosegrundlage.

Eine am 2. November 2026 veröffentlichte Analyse von Morgan Stanley Research kommt zu einem anderen Bild. Folgten auf republikanische Präsidentschaften Zwischenwahlen, die zu einer geteilten Regierungskontrolle führten, kletterte der S&P 500 historisch betrachtet im Durchschnitt um etwa 23 Prozent. Auch bei Morgan Stanley weist man darauf hin, dass sich die Einstufung je nach zugrunde gelegtem Datensatz unterscheidet. Die DWS wiederum zieht in einer Analyse vom 26. Oktober 2026 einen abweichenden Schluss. Märkte hätten unter einheitlicher Parteikontrolle historisch tendenziell besser abgeschnitten als unter einer geteilten Regierung. Damit widerspricht die Fondsgesellschaft der verbreiteten These, Stillstand im Kongress sei gut für Aktien.

RegierungskonstellationDurchschnittliche jährliche Kursrendite des S&P 500
Republikanischer Präsident, geteilter oder demokratischer Kongressrund fünf Prozent
Republikanische Mehrheit in beiden Kammernrund 13 Prozent
Demokratischer Präsident, geteilter Kongress13 bis 14 Prozent
Quelle: RBC Wealth Management (RBC Capital Markets U.S. Equity Strategy, Daten seit 1932)

Welche Branchen jetzt im Fokus der Analysten stehen

Morgan Stanley Wealth Management rechnet nach dem Midterms-Ergebnis kurzfristig mit Gegenwind für Technologie- und Energiewerte. Grund ist die verstärkte Kongresskontrolle bei Themen wie KI-Rechenzentren, Datenschutz, Wettbewerbsrecht und fossiler Energiepolitik. Mögliche Kursrücksetzer in diesen Branchen bewerten die Analysten zugleich als selektive Kaufgelegenheit, falls der Markt überreagiert.

Im Gesundheitssektor erwarten Tobin Marcus von Wolfe Research und Alex Sagal vom Wells Fargo Investment Institute dagegen eher Rückenwind. Krankenhäuser und Managed-Care-Anbieter könnten von einer möglichen Wiederherstellung der Subventionen aus dem Affordable Care Act profitieren. Genannt werden unter anderem HCA Healthcare, Tenet Healthcare, UnitedHealth und Centene. Den Verteidigungssektor schätzen die Analysten als stabil bis moderat positiv ein. Wolfe Research befragte zudem mehr als 100 institutionelle Investoren. Laut Marcus waren die Portfolios für das Wahlergebnis nicht ausreichend positioniert.

Einen weiteren Faktor rückt die DWS in den Vordergrund. Dabei geht es um die Regulierung von Rechenzentren, Stromversorgung und lokalen Genehmigungen rund um KI-Infrastruktur. Dieses Thema gilt der Fondsgesellschaft als neuer marktrelevanter Einflussfaktor.

Erste Marktreaktionen auf das Midterms-Ergebnis

An den Devisen- und Anleihemärkten fiel die erste Reaktion moderat aus. Am Wahltag verlor der US-Dollar-Index 0,2 Prozent auf 101,7 Punkte. Der Euro legte im gleichen Ausmaß auf 1,1212 Dollar zu. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen gab um vier Basispunkte auf 4,919 Prozent nach, wie Reuters berichtet.

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