Eine unabhängige Energieversorgung in Europa ist wichtig. Das hat die Sperrung der Straße von Hormus wieder einmal deutlich gemacht. Voraussichtlich wird die Meerenge bald wieder befahrbar sein. Es ist aber noch nicht klar, wie und zu welchen Konditionen das normale Niveau erreicht werden kann. Dass die Antwort für eine resiliente Stromversorgung in der Diversifikation der Energiequellen liegt, das hat innerhalb Europas vor allem Deutschland mit dem Beginn des Ukrainekrieges gelernt. Die hohe Abhängigkeit von russischem Gas stellte ein großes Problem dar. Damals wurde versucht, das Land teilweise mit der Lieferung von Flüssiggas aus verschiedenen Quellen – neben den USA auch Katar – resilienter aufzustellen.
Doch für mehr Resilienz muss nicht nur die Herkunft, sondern auch der Energiemix selbst diverser aufgestellt werden. Auch das wurde während des Ukrainekrieges mehr als deutlich, weil neben der Gasproblematik zudem rund ein Viertel der französischen Atomkraftwerke gewartet werden mussten und damit als Stromlieferanten ausfielen.
Energieversorgung: System im Umbruch
Seitdem haben Deutschland und auch Europa bei “grüner Energie” weiter aufgerüstet. Vor allem das deutsche Stromsystem befindet sich in einem grundlegenden Umbruch: Mit dem vollzogenen Kernenergieausstieg und dem schrittweisen Ende der Kohleverstromung sind die konventionellen Erzeugungsreserven nahezu eingestellt. Zugleich soll der Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 80 Prozent des Strombedarfs steigen.
Um die Versorgungssicherheit in dieser Umbruchphase gewährleisten zu können, müssen steuerbare Kapazitäten in relevanter Größenordnung zugekauft werden. Ein richtiger Schritt in diese Richtung sind die im Sommer erstmals stattfindenden Kapazitätsauktionen für Gas in Deutschland. Die breite Streuung der Energiequellen ist eine zwingend notwendige Komponente für eine resiliente Energieversorgung. Dazu bauen die zuständigen Instanzen in Deutschland und Europa das Stromnetz weiter aus. Diese Umstellung dauert. Es muss an vielen Stellschrauben gedreht werden – nicht zuletzt, was den Aspekt der Bereitstellung der Energie betrifft.
Energie muss berechenbarer werden
Im Fokus stehen die erneuerbaren Energien. Doch damit sind drei großen Herausforderungen verbunden. Die erste ist geopolitischer Natur: Entlang der Wertschöpfungskette für Solarenergie etwa kommt ein großer Teil der Komponenten mittlerweile aus China. Das reicht von Solarpaneelen bis hin zu Batteriekapazitäten. Der Aufbau erneuter Abhängigkeiten soll jedoch vermieden werden.
Die zweite Herausforderung liegt im Lastfaktor oder Nutzungsgrad, dem sogenannten Load Factor. Diese Kennzahl misst, wie gleichmäßig und effizient ein Stromnetz oder eine Anlage genutzt wird. Je nach Energiequelle variiert dies stark. Solarenergie etwa ist eine günstige Energieform, doch selbst mit Speicherbatterien kann man den Nutzungsgrad nicht immer berechnen. Überkapazitäten können umgekehrt nicht immer sinnvoll genutzt werden. Gesellschaftlich betrachtet ist dies eine Verschwendung von Ressourcen.
Und zu guter Letzt steht die Frage im Raum, welche Kosten eine Gesellschaft bereit ist zu tragen, um die grüne Transformation voranzutreiben und die Sicherheit ihrer Energieversorgung aufzurüsten. Doch diese Frage ist nicht leicht zu beantworten.
Ausbau der Strominfrastruktur
Daher ist vor allem wichtig, die Unzuverlässigkeit bei der Energiebereitstellung der Erneuerbaren Energien zu vermindern. Dies ist möglich, indem man insgesamt mehr berechenbare Energie ins System bringt und die Strominfrastruktur ausbaut. Mehr Energiespeicherkapazität könnte beispielsweise über Batteriespeicheranlagen bereitgestellt werden – vor allem bei einem wachsenden Anteil von erneuerbarer Energie im Strommix.
Entsprechende Ausbaupläne im Bereich der Energiespeichersysteme gibt es und deuten auf anhaltendes Wachstum in den kommenden Jahren hin. Damit könnte das Stromnetz resilienter gemacht werden und Schwankungen ausgeglichen werden. Ein weiteres Beispiel zur Energiespeicherung sind Pumpspeicherkraftwerke. Fakt ist: Es sind mehrere Stellschrauben, an denen gedreht werden muss. Ein Instrument allein bringt nicht die Lösung.
Aus Investorensicht sind entsprechend vor allem die Entwicklungen rund um das Thema Ausbau der Stromnetze interessant. Kraftwerkbetreiber profitieren, ebenso Zulieferer für Produkte, die beispielsweise in der Solarenergie benötigt werden.














