Es ist der nächste Rückschlag für die europäische Zusammenarbeit bei Rüstungsprojekten: Frankreich hat diese Woche angekündigt, aus dem Eurodrohnen-Projekt auszusteigen. Es ist nur das jüngste Beispiel für Verteidigungsprojekte auf europäischer Ebene, die vor dem Aus stehen. Vordefinierte nationale Wertschöpfungsanteile und fixe Anteile an verwendeten Technologien sorgen für überteuerte, langwierige und letztendlich überholte Ergebnisse. Warum sich Europa den Luxus nicht mehr gönnen darf, mit Rüstungsprojekten reine Industriepolitik zu betreiben und stattdessen mehr Marktwirtschaft wagen sollte, erläutert Dr. Christian Jasperneite, CIO von M.M.Warburg & CO:
Der Ausstieg Frankreichs aus dem Projekt Eurodrohne ist durchaus nachvollziehbar und ein guter Anlass, um die Weichen für weitere angedachte Kooperationsprojekte neu zu stellen. Denn das Projekt, an dem neben Frankreich und Deutschland auch Spanien und Italien beteiligt waren, ist nur das jüngste Beispiel für europäische Kooperationen, die nicht reibungslos verlaufen. Erst vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass das EU-Kampfjet-Projekt FCAS kurz vor dem Aus steht.
Überteuert, langwierig, überholt
Politisch gewünschte und politisch geprägte Kooperationsprojekte im Rüstungsbereich auf europäischer Ebene verlaufen in den meisten Fällen suboptimal. Es gibt jedoch einen großen Unterschied zur Vergangenheit: Bisher konnte Europa sich angesichts einer fehlenden unmittelbaren Bedrohung den Luxus gönnen, mit Rüstungsprojekten reine Industriepolitik zu betreiben. Statt als Staat Anforderungen an Produkte zu definieren und dann den freien Markt entscheiden zu lassen, ob und wie sich Kooperationen nach rein betriebswirtschaftlichen Kriterien bilden, wurden nationale Wertschöpfungsanteile und Anteile an Technologien staatlich vordefiniert. Die Folge: überteuerte und meist viel zu langwierige und schließlich veralteten Entwicklungen.
In diese Reihe passt auch die Eurodrohne. Aus rein militärischer Sicht lässt sich diese Art von Drohne heute kaum noch sinnvoll einsetzen. Zwar kann mit der Eurodrohne ein Luftraum überwacht werden, wenn es keine feindliche Flugabwehr gibt. Im Zweifel ist auch ein begrenzter, gezielter Waffeneinsatz möglich. In militärisch hochintensiven Konflikten ist diese Drohne aber viel zu verwundbar, und gleichzeitig in der Entwicklung, im Betrieb und in der Herstellung absurd teuer. Europa versucht sich hier in Waffentechnik, die vor zehn Jahren dringend gebraucht worden wäre, in Zukunft aber vermutlich keinen Nutzen mehr hat. Der Trend geht hin zu Drohnenschwärmen aus massenproduzierten Einfachdrohnen.
Mehr Marktwirtschaft bei Rüstung wagen
Frankreich hat hier endlich und sehr mutig eine Sollbruchstelle geschaffen, die auch den Weg für andere politisch gewollte und schon fast verkrampft hochkomplizierte Kooperationsprojekte aufzeigt, die in ihrer Form ebenfalls aus der Zeit gefallen sind. Dazu gehört auch das geplante europäische Kampfflugzeugsystem FCAS und ein gemeinsamer europäischer Kampfpanzer. Die europäische Politik muss jetzt handeln, Bürokratie und Prozesse bei Rüstungsprojekten deutlich verschlanken und vor allem mehr Marktwirtschaft wagen – es würde nicht nur der europäischen Verteidigungsfähigkeit guttun, sondern auch dem Vertrauen der Bürger in gemeinsame Projekte auf europäischer Ebene.















