Energiemärkte: Annäherung im Iran-Konflikt drückt Ölpreise

Ölkrise
Foto: Gemini
Die Annäherung im Iran-Konflikt könnte ein hartes Überangebot bei Öl und Gas auslösen und Preise dämpfen.

Eine diplomatische Annäherung zwischen den USA und dem Iran sorgt für Entspannung an den Energiemärkten. Die Vereinbarungen über die Straße von Hormus könnten die Produktion zügig hochfahren und ein neues Überangebot auslösen. Wie Experten die weitere Entwicklung der Preise für Öl und europäisches Erdgas einschätzen.

Die USA und der Iran haben eine gemeinsame Basis gefunden, die eine Verlängerung des Waffenstillstands, eine sichere Schifffahrt durch die Straße von Hormus sowie eine Lockerung der Sanktionen ermöglicht: jede Menge Zuckerbrot, nachdem die Peitsche sich als wenig wirksam erwiesen hatte. Trotz offener Fragen scheinen sich die Energiemärkte auf die altbekannte Konstellation eines Überangebots zuzubewegen. Wir sehen weiteren Druck auf die Ölpreise und halten an unserer neutralen Einschätzung für europäisches Erdgas fest, analysiert Norbert Rücker, Head Economics and Next Generation Research bei Julius Bär: 

Nach beginnendem Abstumpfen der Märkte gegenüber dem politischen Lärm scheint ein Meilenstein auf dem Weg zu einer diplomatischen Lösung zur Beendigung des Iran-Konflikts erreicht worden zu sein. Erneut zeigte sich die Widerstandsfähigkeit der Märkte, dank alternativer Exportwege für Öl, der allgemeinen Flexibilität von Erdgas und ähnlicher Dynamiken bei anderen Ressourcen, bei denen die Welt seit März feststellte, dass sie von der Golfregion abhängig war. 


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Die Ölpreise schossen nicht in die Höhe und erreichten kein Niveau, das wirtschaftlich wirklich schädlich gewesen wäre und eine Rezessionsdynamik ausgelöst hätte. Es zeigte sich erneut ein wesentliches Merkmal geopolitischer Konflikte: Auf lange Sicht setzt sich wirtschaftlicher Pragmatismus durch. 

Wir sehen nun eine rasche Rückkehr zur neuen alten Marktordnung. Die Wiederaufnahme der Öl- und Erdgasproduktion sowie der Exporte dürfte zügig erfolgen, da die meisten Felder und Exportanlagen lediglich gedrosselt, nicht aber stillgelegt wurden. Im Falle von Öl ist es wichtig, dass – da die alternativen Versorgungswege wahrscheinlich länger voll genutzt werden – nur eine teilweise Wiederherstellung des Handels über die Straße von Hormus erforderlich ist, um die Energiemärkte gut zu versorgen. 

Die neue alte Marktordnung sowohl für Öl als auch für Erdgas ist eine, in der die Überangebotsdynamik wahrscheinlich härter ausfällt als Ende letzten Jahres. In der Zwischenzeit hat sich die Energiewende teilweise beschleunigt, und der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC dürfte den Wettbewerb um die Versorgung verschärfen. Natürlich gibt es offene Fragen, insbesondere falls der Iran für eine wirtschaftliche Erholung teilweise den Weg Venezuelas einschlagen sollte. 2026 dürfte sich als Meisterklasse in Geopolitik und Resilienz erweisen. Bislang halten wir an unserer vorsichtigen Einschätzung für Öl und unserer neutralen Einschätzung für europäisches Erdgas fest.


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