Datenlücke: Goldpreis bald bei 5.400 US-Dollar?

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Goldman Sachs sieht höhere Zentralbankkäufe und bestätigt die Goldprognose von 5.400 US-Dollar.

Goldman Sachs hat seine Berechnungsmodelle für die globale Goldnachfrage überarbeitet – und eine erhebliche Datenlücke aufgedeckt. Zentralbanken kaufen offenbar deutlich mehr Gold als bisher erfasst. Das hat direkte Folgen für die Kursprognose.

Für Rohstoffinvestoren hält der Goldmarkt aktuell eine Überraschung bereit: Die Nachfrage der Zentralbanken ist anscheinend deutlich höher, als es offizielle Statistiken bislang vermuten ließen. Goldman Sachs hat seine Modelle überarbeitet und dabei eine wesentliche Lücke in den globalen Handelsdaten aufgedeckt. Das Ergebnis stützt ein spürbar positives Szenario für das Edelmetall – auch wenn Anleger kurzfristig mit Gegenwind rechnen müssen.

50 statt 29 Tonnen pro Monat

Der Kern der neuen Goldman-Sachs-Analyse liegt in einer präziseren Erfassung der Marktdynamik. Den Analysten zufolge wurde die offizielle Goldnachfrage seit August 2025 systematisch unterschätzt. Der Grund: Britische Handelsdaten haben Abflüsse aus den Londoner Tresoren offenbar nicht mehr vollständig abgebildet – für die US-Bank ein klares Indiz für nicht erfasste Goldkäufe durch staatliche Akteure.


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Nach Bereinigung dieser Datenlücke ergibt sich ein neues Bild: Die laufende Schätzung der Zentralbankkäufe (auf Basis eines gleitenden Zwölfmonatsdurchschnitts) lag im März bei rund 50 Tonnen Gold pro Monat. Nach der alten Berechnungsmethode waren die Experten noch von lediglich 29 Tonnen ausgegangen. Diese deutliche Differenz verändert die Perspektive auf den Markt und untermauert das strukturell feste Fundament des Goldpreises.

Strategischer Anker: Prognose steigt auf 60 Tonnen monatlich

Zentralbanken agieren in der Regel nicht aus kurzfristigen Renditeüberlegungen. Sie kaufen Gold zur langfristigen Diversifizierung ihrer Währungsreserven und als strategischen Sicherheitsbaustein in Zeiten geopolitischer Unsicherheit. Da dieses grundlegende Interesse hoch bleibt, prognostiziert Goldman Sachs für das Jahr 2026 durchschnittliche Zentralbankkäufe von rund 60 Tonnen pro Monat.

Vor diesem Hintergrund – und gestützt durch eigene Umfragen unter den Notenbanken – bekräftigt die US-Investmentbank ihr Kursziel: Bis Ende 2026 soll der Goldpreis die Marke von 5.400 US-Dollar je Unze erreichen. Die Experten gehen zudem davon aus, dass diese Dynamik im Zeitverlauf auch wieder verstärkt private Investoren anziehen wird.

Liquiditätsrisiko: Wenn Marktturbulenzen zum Verkauf zwingen

Trotz der positiven Langfristperspektive blendet Goldman Sachs die kurzfristigen Risiken nicht aus. Die Gefahr liegt hier in der Natur des Edelmetalls begründet: Gold ist äußerst liquide. In angespannten, volatilen Marktphasen, in denen Investoren dringend Cash benötigen, wird Gold oft unbesehen verkauft, um anderweitige Engpässe zu decken. Selbst fundamental starke Anlageklassen geraten unter Druck, wenn Liquidität am Markt über allem steht.

Für Investoren ergibt sich daraus eine klare Zweiteilung: Der langfristige Aufwärtstrend wird durch die starken, sicherheitsgetriebenen und nun präziser bezifferten Zentralbankkäufe gestützt. Kurzfristig bleibt der Preisverlauf jedoch anfällig für liquiditätsgetriebene Verkäufe. Wer diese Schwankungen aushält, positioniert sich in einem Markt, dessen wichtigste Käufergruppe offenbar deutlich kauffreudiger ist als bisher angenommen.

Autor Björn Junker ist Chefredakteur von Goldinvest.de und seit über 15 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist tätig.

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