FiDA: Versicherer sehen Chancen, zögern aber bei Investitionen

Foto: Cash./KI-generiert
FIDA, Verordnung, Regulatorik, EU-Vorgaben, Digitalisierung

Die geplante FiDA-Verordnung eröffnet Versicherern neue Möglichkeiten im Umgang mit Kundendaten – doch die Branche bleibt vorsichtig. Eine aktuelle Marktanalyse zeigt: Viele Ideen sind vorhanden, konkrete Projekte jedoch selten.

Die geplante FiDA-Verordnung (Financial Data Access) soll den Zugang Dritter zu Finanzdaten von Privatkunden regeln und damit den Rahmen für Open Finance in Europa setzen. Eine Marktanalyse von Ibi Research im Auftrag der PPI AG zeigt, dass die Versicherungsbranche die Potenziale erkennt, bei der Umsetzung jedoch noch zögert.

So gaben rund zwei Drittel der 31 befragten Branchenvertreter an, bereits konkrete Anwendungsfälle identifiziert zu haben, die sich aus FiDA ergeben. Gleichzeitig hat bislang nur ein Unternehmen mit der Umsetzung entsprechender Projekte begonnen. Knapp die Hälfte der Befragten befindet sich aktuell noch in einer Analysephase.

Die Einschätzungen zur Verordnung fallen differenziert aus. Während etwa jeder sechste Teilnehmende FiDA vor allem als regulatorische Belastung bewertet, sehen drei Viertel darin eine Chance für das eigene Geschäftsmodell.

Konkrete Anwendungsfälle im Fokus

Als zentrale Einsatzmöglichkeiten nennen die Befragten vor allem zusätzliche Vertriebschancen durch Cross-Selling und Upselling. Darüber hinaus versprechen sich viele Unternehmen Vorteile bei der Risikoprüfung, da durch den Zugriff auf erweiterte Finanzdaten fundiertere Einschätzungen möglich werden. Auch die Entwicklung personalisierter Versicherungsprodukte gilt als wichtiger Hebel. Die Verfügbarkeit detaillierter Kundendaten könnte es Versicherern ermöglichen, Angebote stärker auf individuelle Bedürfnisse zuzuschneiden.


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Gleichzeitig bleibt die Umsetzung mit Herausforderungen verbunden. Als größte Hürden nennen die Befragten die Kosten für Einführung und Betrieb entsprechender Systeme sowie die Sicherstellung einer hohen Datenqualität und konsistenter Datenstrukturen.

Hohe Anforderungen an IT und Organisation

Neben technischen Fragen rücken auch organisatorische Aspekte in den Fokus. Die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte wird von vielen Unternehmen als begrenzender Faktor gesehen. Carsten Fuchs, Senior Manager der PPI AG, ordnet die Situation ein: „Die Umsetzung von FiDA wird eine große Belastung für die IT-Infrastruktur der Versicherer darstellen, auch Governance und Prozesse werden betroffen sein“, schätzt er die Lage ein, „Angesichts der Unsicherheit, wann FiDA in Kraft treten wird, ist die Zurückhaltung am Markt daher verständlich. Trotzdem nehmen die Ideen von Open Finance Fahrt auf und bieten schon heute Potential. Daher sollten Versicherer jetzt einen Plan mit konkreten Budgets vorhalten, um auch mit dem Inkrafttreten von FiDA einen wirtschaftlichen Nutzen ziehen zu können und vorbereitet zu sein.“ Die FiDA-Verordnung befindet sich derzeit noch in den Trilog-Verhandlungen und ist noch nicht final verabschiedet. Ein konkreter Zeitpunkt für das Inkrafttreten steht bislang nicht fest.

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