SpaceX-IPO: Nasdaq wird Tag verfluchen, an dem sie vor Musk und Co. einen Kotau gemacht hat

Foto: M.M. Warburg & Co.
Dr. Christian Jasperneite, CIO, M.M. Warburg

Der spektakuläre Börsengang von SpaceX sorgt für Aufsehen an den Finanzmärkten. Doch hinter den Kulissen wirft die Anpassung der Indexmechanik durch die US-Börse Nasdaq grundlegende Fragen zur Integrität von Indizes auf. Ein Kommentar von Dr. Christian Jasperneite warnt vor den weitreichenden Konsequenzen für Vermögensverwalter.

Rund um eine derart aufsehenerregende Neuemission wie den Börsengang von SpaceX entzünden sich naturgemäß zahlreiche Diskussionen – über Bewertungen, über Geschäftsmodelle, über Zukunftsfantasien. Neben diesen berechtigten Debatten stellt sich eine strukturelle Frage, die dieser Börsengang in den Vordergrund rückt: die Funktionsweise und Integrität großer Aktienindizes. Denn ein Aspekt gibt derzeit aus unserer Sicht erheblich Anlass zur Verwunderung – und dieser ist grundsätzlicher Natur. Er betrifft die Indexmechanik des Nasdaq-100-Indexes. Diese wurde recht offensichtlich auf „Wunsch“ von Elon Musk so adaptiert, dass einige Fragen entstehen, um es einmal höflich zu formulieren. 


Das könnte Sie auch interessieren:

Free-Float-Faktor ausgehebelt


Ein Index hat grundsätzlich die Aufgabe, einen Markt oder einen Teilmarkt in seiner Breite repräsentativ abzubilden. Daher werden die Aktien in einem Index proportional zur Unternehmensgröße und damit zur Marktkapitalisierung gewichtet. Da aber oftmals viele Aktien eines Unternehmens in „festen Händen“ sind und daher nicht frei gehandelt werden können, wird bei der Berechnung eines Indexgewichtes auf die free-float-gewichtete Marktkapitalisierung abgestellt. Das heißt: Wenn etwa nur 50 Prozent der Aktien eines Unternehmens frei handelbar sind, wird bei der Bestimmung des Indexgewichtes die Marktkapitalisierung auch nur zur Hälfte berücksichtigt. Aufgrund des sehr geringen Free-Float-Faktors, hätte dies bei SpaceX dazu geführt, dass das Indexgewicht in der Nasdaq 100 nicht übermäßig hoch ausgefallen wäre. 

Und nun kommt der Clou: Die Nasdaq hat entschieden, bei diesem Unternehmen – und wohl auch bei zukünftigen Börsengängen von Open AI und Anthropic – diesen Faktor künstlich um den Faktor drei zu erhöhen. Was sich zunächst wie ein technisches Detail anhört, hat handfeste Konsequenzen, denn: Wenn aufgrund der neuen Fast-Entry-Regel SpaceX nach schon 15 Handelstagen Teil des Nasdaq-100-Indexes wird, müssen ETF-Gesellschaften massiv in diese Position umschichten, und zwar in einem Umfang, wie es der Anteil der frei gehandelten Aktien eigentlich gar nicht hergibt. 

Manipulierte Indizes gefährden Erfolgsgeschichte des passiven Investierens

Die Folge ist recht klar: Aus diesem Mechanismus ergibt sich zunächst ein weiteres Performancepotenzial, das inhärent durch nahezu zwingende Kapitalflüsse „eingebaut“ zu sein scheint. Mit einer seriösen Indexkonstruktion hat das aber nicht mehr viel zu tun. Noch viel schwerwiegender ist jedoch ein weiterer Punkt: Zwar führt diese sehr spezielle Konstruktion zunächst wohl zu einer erfreulichen Wertentwicklung. Genauso sicher scheint jedoch, dass die massive Gewichtung der Aktie vor dem Hintergrund eines geringen Free-Floats auch zu einer erhöhten Volatilität führt. Die Nasdaq wird vermutlich noch den Tag verfluchen, an dem sie vor Musk und Co einen Kotau gemacht hat. Passives Investieren ist seit über drei Jahrzehnte eine gewaltige globale Erfolgsgeschichte. Wenn jetzt Indexanbieter anfangen, Indizes mit Taschenspielertricks zu manipulieren, bekommen wir alle aber ein Problem.


Top-Ergebnisse bei Markt-Mediastudien


Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen