SpaceX-IPO: Nächste Fußball-WM auf dem Mars?

Flug zum Mars
Foto: Gemini
Der Börsengang von SpaceX bricht Rekorde. Historische Vergleiche zeigen, welche Kursrisiken Anleger bei IPOs beachten müssen.

Der historische Börsengang von SpaceX bricht alle Rekorde und elektrisiert den Markt. Doch die Erfahrung mit früheren Börsendebüts zeigt, dass Anleger bei neu notierten Aktien starke Nerven benötigen und mit hoher Volatilität rechnen müssen. Ein Blick auf die Historie bedeutender IPOs liefert wertvolle Erkenntnisse für die Praxis.

Nun geht es also los. Zum einen rollt seit gestern der Ball und vierundachtzig Millionen Bundestrainer fiebern dem Auftaktspiel der deutschen Elf am Sonntag entgegen. Zum anderen wird seit gestern der SpaceX-Börsengang ausgerollt und mindestens vierundachtzig Millionen Erden- und Marsbewohner fiebern der ersten Börsennotiz am heutigen Nachmittag entgegen.

Die Eckdaten des SpaceX-Börsengangs sind Ihnen vielleicht bereits geläufig: 555 555 555 Aktien zum Kurs von 135 Dollar werden seit gestern unter den Anlegern verteilt. Mit 75 Milliarden US-Dollar Platzierungsvolumen wurde der bislang größte Börsengang von Aramco aus dem Jahr 2019 um mehr als das Zweieinhalbfache pulverisiert. Das Unternehmen SpaceX wird unter diesen Parametern mit 1,77 Billionen US-Dollar bewertet.


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SpaceX geht an die Börse. Wie wird sich der Kurs entwickeln? Die Erfahrung aus früheren Börsengängen zeigt, dass „IPO-Anleger“ starke Nerven haben sollten. Wohl fast jeder, der es irgendwie mit der Börse hat, stellt sich die Frage: „Soll ich SpaceX kaufen?“ Auch diese CONCLUSIO wird hierauf nicht die ultimative Antwort geben. Ich kann, will und darf Ihnen an dieser Stelle keine Empfehlung aussprechen. Ich kann, will und darf Ihnen aber ein paar Einblicke geben, welche Kursentwicklungen die Aktien anderer Unternehmen nach früheren bedeutenden Börsengängen genommen haben. Vielleicht hilft das ja dem einen oder anderen bei der Entscheidungsfindung.

In den USA ist ein Börsengang (Initial Public Offering, IPO) etwas Alltägliches. Im Schnitt kommt das mehr oder weniger börsentäglich vor. Wohl selten aber wurde einem Börsengang so entgegengefiebert wie dem der Raketen-Internet-KI-Firma SpaceX des umtriebigen Visionärs Elon Musk.

Doch die Wahrheit ist auf’m Platz, in diesem Fall auf dem Parkett: Wird sich der Börsenkurs und damit die Bewertung der firma halten können? Agenturmeldungen signalisieren zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen eine Erstnotiz jenseits von 180 Dollar – das entspräche einem sogenannten „IPO-Pop“ von rund 35 Prozent. Aber auch der erste Börsenkurs sagt wenig über die mittel- bis längerfristige Performance eines Aktienpapiers aus.

Die Vergangenheit ist reich an Anekdoten zunächst steigender, dann aber fallender Notierungen neu platzierter Anteilsscheine („Führung verspielt“). Und natürlich geht es auch andersherum, wobei auf einen schwachen Kursstart eine spätere Kursexplosion folgt („Spiel gedreht“).

Exemplarisch sei hier die Aktienkursentwicklung der beiden Elektroauto-Hersteller Tesla und Rivian angeführt (vgl. Grafik). Tesla ging im Jahr 2010 an die Börse (übrigens ebenfalls im Juni, Elon Musk hat da möglicherweise eine Sommer-Präferenz), Rivian im November 2021. Nach dem ersten Handelstag schoss die Rivian-Aktie in die Höhe, konnte dieses Niveau jedoch nicht halten, drehte nach einer Woche ins Minus und notiert heute rund 85 Prozent niedriger. Die Tesla-Aktie hingegen rutschte in den Wochen nach Erstnotiz um bis zu vierzig Prozent ins Minus, notiert heute jedoch 250-Mal so hoch wie am ersten Handelstag.

Aus den tausenden Börsengängen der vergangenen Jahrzehnte in den USA habe ich mir zwei Dutzend herausgepickt, die ich nach rein subjektiven Kriterien wie „Firmenname“ oder „Geschäftsmodell“ als „bedeutend“ qualifiziert habe. Darunter sind Magnificent-7-Namen wie Alphabet oder Microsoft, Software-Unternehmen wie Crowdstrike oder Snowflake, Plattform-Anbieter wie Uber oder Airbnb, aber auch das „Comeback“ von General Motors im Jahr 2010. Wer von zu vielen Zahlen Ausschlag bekommt, möge den nachfolgenden Absatz vielleicht überspringen, allen anderen Interessierten präsentiere ich gerne ein paar Statistiken:

Fast alle der 22 hier ausgewählten Aktien schossen während ihres ersten Börsenjahres zwischenzeitlich durch die Decke, im Schnitt um mehr als einhundert Prozent. So konnte sich beispielsweise bereits in den 1980er Jahren die Microsoft-Aktie während des ersten Jahres zeitweise verdreifachen. Gleichzeitig blieb keine einzige Aktie in ihrem ersten Börsenjahr von einem Rückschlag im zweistelligen Prozentbereich verschont. Im Schnitt (wie auch im Median) betrug ein solcher „Drawdown“ mehr als fünfzig Prozent. Die Papiere von Facebook (heute Meta) handelten das gesamte erste Jahr unterhalb ihres ersten Tagesschlusskurses.

Am Ende des ersten Börsenjahres notierten 13 Aktien über ihrem ersten Tagesschlusskurs, neun Papiere niedriger, elf performten im ersten Jahr besser als der S&P 500, elf schlechter. Seit ihrem Börsengang bis heute haben sich 13 Aktien besser entwickelt als der S&P 500, neun schlechter. Schaue ich nur auf die Börsengänge der jüngsten zehn Jahre, haben lediglich vier Papiere besser abgeschnitten als der Leitindex, acht hingegen schlechter.

Die Auswertung der Kursentwicklung nach dem IPO ab dem ersten Tagesschlusskurs zeigt schon im ersten Jahr die ganze Herausforderung: Die beste Performance aus meinem Aktienkorb erreichte 1997/98 die Amazon-Aktie mit einem Plus von fast 300 Prozent, am schlechtesten schnitt mit fast minus 75 Prozent das Papier des Finanzdienstleisters Robinhood ab. Im Schnitt schaffte mein Aktienkorb nach einem Jahr ein Kursplus von fünfzig Prozent, wobei ich noch einmal betonen möchte, dass es sich hierbei nicht um eine repräsentative Erhebung, sondern lediglich um eine subjektive Auswahl an Papieren handelt.

Conclusio: Wenn ein Unternehmen an die Börse geht, setzt ein spannender Kursfindungsprozess ein. Mal schießt der Kurs in die Höhe und sackt anschließend ab, mal ist es genau umgekehrt. Grundsätzlich sollte sich der Anleger im ersten Jahr nach einem IPO auf stärkere Kursrücksetzer einstellen. Für den langfristigen Vermögensaufbau gibt es Strategien, die mutmaßlich besser geeignet sind, als auf IPOs zu setzen.

Der SpaceX-Börsengang ist ein ganz besonderer: Ein Unternehmen, das Milliardenverluste schreibt, reiht sich von der Bewertung her unter den Top-10 der größten Unternehmen der Welt ein. Elon Musk will den Mars mit Menschen besiedeln. Wir sollten nicht überrascht sein, wenn FIFA-Präsident Gianni Infantino dort bald sogar eine Fußball-WM austragen will.

Autor Kornelius Purps ist Kapitalmarktstratege bei der Antea AG.


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